Leserstimme zu
Befreit

Das Buch sticht aus den üblichen Biografien heraus.

Von: Betty2005
07.06.2018

Wie im Untertitel angegeben, beschreibt Emma Slade in ihrem Buch „Befreit“ wie sie sich von einer international erfolgreichen Bankerin zur buddhistischen Nonne entwickelt. Das Buch beginnt im September 1997, als Emma von einer sehr erfolgreichen Besprechung, zu der sie aus Hongkong nach Indonesien geflogen ist, in ihr Hotelzimmer zurückkehrt. Sie wird dort von einem Mann überfallen und bedroht. Sehr anschaulich erzählt die Autorin den Vorfall, ihre Gedanken und Gefühle. Auch wie sie das rettende Telefongespräch mit dem Zimmernachbarn meistert, lässt den Leser mitfiebern, ob wirklich Hilfe kommen wird. Beeindruckt hat mich, wie die Autorin nach ihrer Befreiung sofort wieder zur Tagesordnung und damit in die Finanzwelt, zurückkehrt. Erst nach und nach wird sie und damit auch der Leser gewahr, dass dieses Erlebnis doch für die Psyche der Protagonistin viel einschneidender war, als sie es selbst am Anfang wahrhaben wollte. Es folgt im Januar 1998 der totale Zusammenbruch und die sofortige Abreise nach England. Hier versucht Emma Slade, ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Sie geht zur Therapie. Doch erst die Rückkehr ins Londoner Bankenleben zeigt der Autorin, dass nichts so ist, wie es früher war.... Auf dem Titelbild des Buches ist ihre äußerliche Veränderung zu sehen. Doch auch innerlich vollzieht sich ein Wandel: Täglich praktiziert sie Meditation. Und sie möchte gütig werden. Ihre Überzeugungen und Lehren des Lama bringt sie nicht nur uns Lesern nahe, sondern sie hofft, dass „das auch für andere nützlich sein“ kann. Sicherlich, Emma Slades Engagement für Bhutan ist bemerkenswert. Und es ist wirklich selbstlos, dass die Einnahmen aus diesem Buch ihrer selbst gegründeten Stiftung zu Gute kommen. Aber nicht jeder Mensch wählt das Leben einer Nonne oder eines Mönches zu diesem Ziel. Trotz gegenteiliger Beteuerung wirkt das letzte Viertel des Buches auf mich fast ein wenig missionarisch. Und das hat mein Lesevergnügen geschmälert. Insgesamt ist es ein lesenswertes Buch. Die Autorin hat einen flüssigen Schreibstil. Durch die Einbeziehung ihrer Gefühlswelt und die Folgerungen, die sie für ihr Leben daraus gezogen hat, sticht das Buch aus den üblichen Biografien heraus.