Leserstimme zu
Die Perspektive des Gärtners

Weniger Spannung, mehr Charaktere

Von: JogiExperience
06.03.2015

Den schwedischen Autor Håkan Nesser kannte ich bis dato nur durch seine fiktiven Inspektoren Barbarotti und Van Veteren. In „Die Perspektive des Gärtners“ schaut der Schriftsteller Erik durchs Fenster und beobachtet, wie seine vier jährige Tochter bei einem unbekannten Mann in dessen grünes Auto steigt. Die Polizei tappt in der Folge im Dunkeln, keine Leiche und kein Erpresserschreiben. Um dem Leidensdruck ein wenig zu entgehen, ziehen Erik und seine Frau Winnie nach New York in eine kleine, aber sündhaft teure Wohnung um. Etwa 14 Monate nach dem Verschwinden des Kindes verändert sich Winnie und Erik mutmaßt, dass seine Frau ihm etwas verheimlicht. Und dann ist sich Winnie sicher, dass das kleine Mädchen lebt und verlässt auf unbestimmte Zeit die gemeinsame Wohnung. „Die Perspektive des Gärtners“ ist an sich kein typischer Krimi. Das Buch baut weniger auf Spannung, als auf das Beschreiben der jeweiligen Charaktere. Dabei dominieren zwei unterschiedliche Handlungsstränge. Aus der Ich-Perspektive beschreibt Erik die Gegenwart, mit Trauer, kaum vorhandener Zuversicht und dem Zerbrechen einer einst glücklichen Ehe, und aus der Vergangenheit berichtet er vom Kennenlernen, vom erfolgreichen Malen und Schreiben. Nesser benutzt einen eher poetischen Stil als uns mit rasanter Spannung und dramaturgischen Wendungen in den Bann zu ziehen. Der Autor ist neben Mankell einer der erfolgreichsten skandinavischen Schriftsteller und schreibt doch so anders. Und das ist auch gut so. Das macht diesen Autor zu einer ständigen Empfehlung. Einzig: Die Übersetzung von Christel Hildebrandt erscheint mir an wenigen Stellen etwas unglücklich.