Leserstimme zu
Kalte Stille

Welch tödliche Obsession

Von: Kerry
07.03.2015

Am 12. Januar 1985 starb der angesehene Psychiater Dr. Bernhard Forstner bei einem Autounfall. Wie es dazu kam, kann niemand mehr nachvollziehen, doch nach einem Anruf verlies er umgehend sein Haus und auf dem Weg zu seinem unbekannten Ziel verunglückte er tödlich. Starb er in Folge der Tragödie, die seine Familie nur einen Tag zuvor heimgesucht hat? In der vorangegangenen Nacht verschwand sein 6-jähriger Sohn Sven nachts aus einem Park im beschaulichen Städtchen Fahlenberg, dem Wohnsitz der Familie Fostner. War er auf dem Weg, um seinen Sohn zurück zu holen, aber zurück woher? Doch Forstner stirbt noch in seinem Auto und der Verbleib von Sven bleibt ungeklärt ... 23 Jahre später kehrt der 35-jährige Dr. Jan Forstner zurück in seine Heimatstadt. Auch er ist, wie bereits sein Vater vor ihm, Psychiater, doch im Gegensatz zu diesem ist beruflich am Ende. Das Trauma um die Entführung und den Verbleib von Sven hat er nie verarbeitet, sodass er einmal die Kontrolle verloren hat - und damit seine berufliche Zukunft begraben hat. Doch er hat Glück im Unglück, Dr. Fleischer, der Klinikleiter der Psychiatrie von Fahlenberg bietet ihm, zum Großteil aus Gefälligkeit Jans Vater gegenüber, dessen Kollege er war, eine Stelle an. Nur ungern kehrt Jan nach Fahlenberg zurück, doch er weiß, woanders hat er keine Zukunft. Tatsächlich werden sich Fleischer und Jan einig und er tritt seine neue Stelle an, auch wenn er sich einer Bedingung beugen muss, vor dem ihm mehr graut als alles andere. Bedingung für seine Einstellung ist, dass er endlich das Trauma um Svens Verschwinden überwindet und eine Therapie macht und ausgerechnet bei Dr. Norbert Rauh, ein Mann, dem man nachsagt, direkt in die Seelen seiner Patienten zu schauen. Doch noch ehe Jan Zeit hat, sich einzuleben, muss er mit ansehen, wie eine junge Frau Selbstmord begeht. Erschreckenderweise handelt es sich um ehemalige Patientin der Klinik und als Jan ein Foto von ihr sieht fühlt er sich in die Vergangenheit zurück gesetzt, denn als 12-jähriger hat er mit angesehen, wie eine junge Frau Selbstmord beging - und die Frauen ähneln einander wie Schwestern. Als Carla Weller, die beste Freundin der jungen Frau, auf Jan zutritt und Zweifel an dem freiwilligen Selbstmord äußert, lehnt Jan kategorisch jede Hilfestellung ab. Es dauert jedoch nicht lange und ihn befallen Zweifel und er beginnt zu hinterfragen, was die zwei Frauen, die einander sosehr ähnelten, dazu gebracht hat, Selbstmord zu begehen ... Welch tödliche Obsession!!! Der Plot des Buches wurde sehr detailliert und ausgesprochen fesselnd ausgearbeitet, doch leider fand ich es etwas zu leicht zu erahnen, wie sich die Geschichte auflöst. Die Figuren, allen voran natürlich Protagonist Jan wurden sehr facettenreich und ausgesprochen tiefgründig in Szene gesetzt, sodass ich sofort in die Geschichte einsteigen konnte. Den Schreibstil empfand ich angenehm und spannend zu lesen, sodass ich das Buch am liebsten gar nicht mehr aus der Hand gelegt hätte. Als Fazit kann ich nur sagen, das mir dieses Buch wirklich schöne Lesestunden bereitet hat und ich den Schreib- und Erzählstil des Autors sehr ansprechend finde. Weitere Bücher werden mir Garantie folgen!