Leserstimme zu
Die Verwirrungen des Zöglings Törleß

Heute nennt man es Mobbing …

Von: Herbstrose aus Pfaffenhausen
26.06.2018

Wie um 1900 während der k. u. k. Monarchie üblich, besuchte auch der junge Törleß das Konvikt einer frommen Stiftung, in dem die Söhne der besten Familien des Landes ihre Ausbildung für den späteren Militär- oder Staatsdienst erhielten. Die ersten Jahre waren geprägt von Heimweh und Einsamkeit, doch nun hat Törleß Freunde gefunden, Reiting und Beineberg, zwei etwas ältere Jungen. Diese Freundschaft gerät ins Wanken, als ein weiterer Mitschüler, Basini, von Reiting beim Diebstahl ertappt wird. Anstatt den Diebstahl vorschriftsmäßig der Anstaltsleitung zu melden beschließen die drei, Basini auf ihre eigene Weise zu bestrafen. Dieser wird nun regelmäßig nachts auf dem Dachboden des Konvikts misshandelt und missbraucht, körperlich und sexuell. Törleß ist dabei mehr der interessierte Beobachter, der die Psyche Basinis zu ergründen versucht. Wie lange kann dieser die sadistischen Handlungen ertragen, bevor er zusammenbricht? Wie lange kann er die nächtlichen Demütigungen noch erdulden? Warum bereitet es Vergnügen, Macht über einen anderen Menschen auszuüben? Doch dann ändert sich plötzlich die Lage, das Drama nimmt seinen Lauf … Der Autor Robert Musil (1880-1942) besuchte von 1892 bis 1897 eine Militär-Kadettenanstalt mit dem Ziel, die Offizierslaufbahn einzuschlagen. Seine Erlebnisse und Erfahrungen dieser Internatsjahre verarbeitete er später in seinem ersten Roman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“, der 1906 erschien. Musil brach seine Militärlaufbahn ab und studierte Maschinenbau. 1911 heiratete er die sechs Jahre ältere Jüdin Martha, war Reserveoffizier im I. Weltkrieg und lebte danach abwechselnd in Wien und Berlin. 1938 flüchtete er mit seiner Frau ins Exil in die Schweiz, nachdem seine Bücher durch den Reichsführer SS bereits verboten worden waren. Sie lebten dort in ärmlichen Verhältnissen und fanden Hilfe beim schweizerischen ‚Hilfswerk für deutsche Gelehrte‘. Musil starb 1942 in Genf an einem Hirninfarkt. Sein Erstlingswerk wurde 1965 von Volker Schlöndorff unter dem Titel „Der junge Törless“ verfilmt und war zu jener Zeit auch eine oft im Schulunterricht verwendete Lektüre. Das Buch lebt hauptsächlich von der psychologischen Betrachtungsweise des Geschehens, was zweifellos Musils Stärke war. Es finden sich interessante Aspekte, die zwar den Geist der Zeit widerspiegeln, dennoch aber zum Teil heute noch Gültigkeit haben. Wenig hat sich im Zwischenmenschlichen geändert, Brutalität und unmenschliches Verhalten kann man auch heute unter Jugendlichen und Heranwachsenden finden. Der Sprachstil war sicherlich zur Zeit der Entstehung des Romans ausgezeichnet und intelligent ausgedrückt – heute ist er jedoch nicht mehr zeitgemäß. Umständliche Formulierungen und verschachtelte Sätze schränken die Lesbarkeit des Textes deutlich ein und erschweren das Verständnis zum Inhalt. Fazit: Gefallen fand ich an der Lektüre nicht unbedingt! Die Handlung ist zwar sehr interessant, aber durch die nicht mehr zeitgemäße Sprache schwierig zu lesen. Kann man lesen, muss man aber nicht!