Leserstimme zu
So also endet die Welt

Familien auf dem Prüfstand

Von: Angaba
07.07.2018

Philip Teirs Roman "So also endet die Welt" lässt Böses erwarten. Jedoch erhält man ein kurzweiliges Buch über moderne Beziehungen, die über einen Sommer an der Westküste Finnlands auf die Probe gestellt werden. Erik und Julia sind ein früh verheiratetes Paar in den Mittdreißigern, die mit ihren beiden Kindern, Alice und Anton, für mehrere Wochen ins Sommerhaus am Meer fahren. Erik ist Informatiker in einem Kaufhaus, das kurz vor Urlaubsantritt Einsparungen am Personal ankündigt, Julia geht ihrer Arbeit als Schriftstellerin nach und möchte die Sommerzeit nutzen, ihren zweiten Roman zu schreiben. Die beiden Kinder Alice (13) und Anton (10) sind mehr oder weniger begeistert von einem Urlaub fernab der Stadt. Das Ehepaar hofft, während der Zeit auch wieder mehr zueinanderzufinden. Bald nach der Ankunft erhält Erik die Nachricht, dass ihm sein Arbeitsplatz gekündigt wurde, teilt dies aber nicht mit seiner Familie. Julia kommt nicht wie gehofft mit dem Schreiben voran und hadert allgemein etwas mit ihrem Schicksal. Nach einiger Zeit stellen beide fest, dass im Nachbarhaus Julias ehemalige Jugendfreundin Marika wohnt, gemeinsam mit ihrem Partner, dem Umweltaktivisten Chris, und Sohn Leo, sowie einigen weiteren der Umweltbewegung angehörenden Personen. Erik und Julia gewinnen durch die Nachbarn zunehmend Einblick in eine alternative Lebenseinstellung und -weise. Alice erlebt währenddessen ihre erste Liebe mit Leo, während Anton sich gewohnt anlehnungsbedürftig und beobachtend zeigt. Als dann noch Eriks Bruder Anders, der einige Zeit in Vietnam auf der Suche nach sich selbst war, und Julias Eltern in dem Sommerhaus auftauchen, kommt es vermehrt zu Konflikten, die sich immer mehr zuspitzen. Auch das alternative Beziehungssystem der "modernen Hippies" im Nebenhaus ist nicht das, was es zu sein vorgibt, und gerät aus der nach außen demonstrierten Balance. Es ist Philip Teir gelungen diesen Prozess einerseits mit filigraner Präzision, andererseits mit intensiver Deutlichkeit aufzuzeigen und einen Roman zu erschaffen, den ich erst wieder aus der Hand gelegt habe, als die letzte Seite gelesen war.