Leserstimme zu
leben

Leben

Von: Merendina
22.07.2018

Wie oft gehen wir gehetzt durchs Leben und nehmen viele Dinge nicht richtig wahr. Wer nimmt sich schon die Zeit, das kräftige Grün eines Blattes genauer zu betrachten, die Tautropfen, die vielleicht darauf zu entdecken sind…? Ein solches Blatt, auf dem noch ein kleineres Blatt liegt, ist auf dem Buchcover von Kerry Egans „Leben. Von Sterbenden lernen, was zählt“ zu sehen. Ich fand das Buchcover schon auf den ersten Blick sehr ansprechend. Aber nach dem Lesen dieses sehr ergreifenden, aber äußerst interessanten Buches, betrachtet man das Cover mit anderen Augen. Denn nach der Lektüre ist einem wieder einmal klar, wie wertvoll das Leben ist und dass man sich Zeit nehmen und mit offenen Augen durch die Welt gehen sollte. Die Autorin Kerry Egan arbeitet als Seelsorgerin im Hospiz und begleitet Sterbende in ihren letzten Monaten, Wochen, Tagen oder auch Stunden. Dabei führt sie mit ihnen sehr tief gehende Gespräche und erfährt die unterschiedlichsten Lebensgeschichten. Es geht um Glück, Hoffnung, um Geheimnisse, die all zu lange gehütet wurden, um unausgesprochene Worte, um Reue, Trauer und die Liebe. Die Geschichten gehen einem beim Lesen sehr nah. Und auch wenn die Sprache im Buch einfach und eigentlich recht flüssig lesbar wäre, ist es nicht möglich, das Buch einfach so mal auf die Schnelle zu lesen. Zu tief gehen die Geschichten und zu oft muss man über das eben Gelesene nachdenken. Auch ich habe das Buch immer wieder mal aus der Hand gelegt und nachgedacht. Das Lesen dieses Buches macht dankbar und demütig. Es wird dem Leser deutlich, dass man leben soll, dem Leben einen Sinn geben soll und natürlich auch über den Tellerrand schauen soll. Man soll die Welt nicht nur schwarz-weiß sehen, sondern sie in all ihren Farben und Schattierungen wahrnehmen. So ist auch der Blick auf das Cover nach dem Lesen des Buches ein anderer. Auch wenn in diesem Buch Sterbende zu Wort kommen, so ist es doch ein Buch über das Leben, das man wirklich schätzen sollte. Diesem wunderschönen Buch gebe ich volle Punktzahl: fünf Sternchen!