Leserstimme zu
Perfect Girlfriend - Du weißt, du liebst mich.

Spannende Einsichten in die Gedanken einer Stalkerin

Von: Tintenhain
29.07.2018

„Perfect Girlfriend“ ist ein Thriller aus der Sicht einer Stalkerin. Juliette ist besessen von ihrem Exfreund Nate und setzt alles daran, um ihn zurückzugewinnen. Bei ihren Vorbereitungen überlässt sie nichts dem Zufall. Unbemerkt schleicht sie sich in Nates Wohnung, seinen Job, in sein Leben zurück und krempelt dabei ihr eigenes Leben komplett um. In Juliettes Denken gibt es keinen Raum für anderes, sie wird die perfekte Freundin für Nate sein. Ich fand das Buch faszinierend: Eine weibliche Täterin, die einen wirklich das Fürchten lehrt und dabei so logisch und kalkuliert vorgeht, dass man ihr fast wünschen würde, dass alles so kommt, wie sie es sich wünscht. Juliette denkt wirklich an alles, nur nicht daran, dass man ihr Verhalten merkwürdig finden könnte oder dass man Liebe nicht erzwingen kann. Freundinnen sucht sie sich mit Kalkül und sie hat auch keine Scheu, einen komplett neuen Beruf zu erlernen, um ihrem Ziel näher zu kommen. Dass Juliette als Kind ein traumatisches Erlebnis hatte, erfährt man gleich zu Anfang. Doch wie sich ihr Leben von da an weiter entwickelte, kommt erst Stück für Stück zum Vorschein. Es gibt immer wieder Andeutungen, wie sich das Puzzle zusammensetzt und einiges kann man auch schon erahnen. Die Spannung baut sich eigentlich mehr darauf auf, wie weit Juliette gehen kann. Fast schon wünscht man ihr den Erfolg. Gleichzeitig taten mir die Menschen in ihrer Umgebung leid. Diese Ambivalenz wird durch einen Charakter hervorgerufen, der mit einer sehr distanzierten und unterkühlten Ich-Erzählerinnen-Stimme den Leser auf seine Seite zu ziehen versucht. Der Thriller kommt zunächst nur langsam in Fahrt und es zeitweilig fast schon langweilig, Juliette bei ihren Vorbereitungen zu beobachten. Erst ab der Hälfte des Romans entwickelt sich zunehmend Spannung bis zu dem Moment, an dem man sich fragt, wie durchgeknallt es eigentlich ist, mit einer Psychopathin mitzufiebern und nicht mehr zu wissen, welchen Ausgang man sich eigentlich wünschen soll. Das Ende hat mich dann allerdings wenig überzeugen können, es schien mir als wüsste die Autorin auch nicht, wie sie da wieder herauskommen sollte. „Perfect Girlfriend“ ist sprachlich sicher kein Meisterwerk, lässt sich aber gut und flüssig lesen. Karen Hamilton bringt eigene Erfahrungen aus ihrem früheren Berufsleben als Stewardess in den Roman ein, was die Szenen sehr lebendig und abwechslungsreich gestaltet. Das Buch hat mich nicht umgehauen, aber nach anfänglichen Schwierigkeiten hab ich es ganz gern gelesen. © Tintenhain