Leserstimme zu
Tot im Winkel

Ein unterhaltsamer und spannender neuer Fall für Cosma Pongs

Von: Annette Traks
06.08.2018

Cosma (eigentlich Renate) Pongs freut sich auf ein perfektes Wochenende: Zusammen mit ihren drei WG-Mitbewohnern - allesamt Kriminalschriftsteller - und Kater Alfred hat sie sich im Hotel "Zum toten Winkel" angemeldet. Es liegt einsam am Galgenvenn, einem idyllischen Wanderweg in einer schaurigen Moorgegend. Nicht ohne Grund wollen die vier Rentner ausgerechnet hier ein Schreibwochenende verbringen: Zeitgleich findet dort nämlich ein Profiling-Workshop der Mordkommission statt, an dem auch Cosmas Tochter Paula Pongs teilnimmt, Kriminalhauptkommissarin bei der Düsseldorfer Polizei. Cosma, deren Vorbild Miss Marple ist, ist davon überzeugt, dass auf Verbrecher nichts anziehender wirkt als die Polizei. Daher ist sie ziemlich sicher, dass es an diesem Wochenende endlich wieder einmal einen Mord geben wird, zu dessen Aufklärung sie und ihre Freunde aufgrund ihres großen kriminalistischen Wissens maßgeblich beitragen können. Und tatsächlich: Nachdem der arrogante Profiler Kleinert am Abend dem Alkohol reichlich zugesprochen hat, stürzt er vom Balkon seines Zimmers und landet genau vor Cosmas Füßen. Diese ist sich 100%-ig sicher, dass gerade ein Mord geschehen ist und unternimmt zusammen mit ihren Freunden sofort Nachforschungen - sehr zum Leidwesen ihrer Tochter. Resümee: Im Mittelpunkt dieses Buches stehen die Mittsechzigerin Cosma Pongs und ihre etwa gleichaltrigen WG-Freunde - allesamt ambitionierte Krimi-Autoren, die darauf brennen, zusammen mit Kater Alfred ihr kriminalistisches Wissen bei der Aufklärung des Mordfalles anzuwenden. Ihr Vorbild in der Vorgehensweise ist dabei Agatha Christies Miss Marple, und die Überführung des Täters erfolgt am Schluss à la Poirot. Durch ihre eigenwillige Ermittlungsmethode ist die "Rentnergang" den Profis oft eine Nasenlänge voraus. Die Erzählperspektive wechselt: Mal erzählt Cosma die Ereignisse aus ihrer Sicht in der Ich-Form - lebhaft, stark subjektiv und wertend. Dann wieder erfährt der Leser die Geschehnisse in der Er-Perspektive, bei der der Fokus auf Gegenspielerin Paula liegt - ruhiger und sachlich. Da der Schwerpunkt, wie schon der Untertitel sagt, auf Cosmas Ermittlungen liegt, bleibt die Arbeit der Profis in der Konsequenz etwas blass. Die Festnahme des Täters erfolgt jedoch in Mutter-Tochter-Teamarbeit. Ein besonderer Reiz dieses Kriminalromans liegt darin, dass die Handlung ausnahmslos in dem einsam gelegenen Hotel spielt, das zudem durch ein Unwetter von der Außenwelt abgeschnitten ist. Der Mörder muss sich also unter den Anwesenden befinden. Das steigert die Spannung und bietet dem Leser viel Gelegenheit zum Mitkombinieren. Dabei fehlt es nicht an Humor und so mancher Situationskomik. Fazit: eine unterhaltsamer und spannender neuer Fall für Cosma Pongs.