Leserstimme zu
Unfun

Gelungen!

Von: Gute Seiten Schlechte Seiten
07.08.2018

In ‚Unfun‘, dem dritten und letzten Part der skandinavischen Misanthropie ist tatsächlich nichts mehr komisch. Wir befinden uns in einer Gesellschaft im Zerfall, dargestellt anhand einer Vater-Mutter-Kind-Kind Konstellation. Der Vater neigt mehr als nur gelegentlich zu mehr als nur etwas häuslicher Gewalt. Die Mutter, schwanger mit 15 (Trillinge) lässt alles über sich ergehen, weil sie als Anarchistin ohnehin an keine Obrigkeit mehr glauben darf. Die beiden Söhne (es waren mal drei) haben Falschgeld, Humor und immerhin noch sich zwei. Hoffnung wird auf ein virtuelles Gemetzel in Form eines Videospiels gesetzt. Realisiert wird es letztlich aber im Real Life. Faldbakken hat endlich gelernt, wie man Bücher schreibt! Das merkt man auch an der geringen Seitenzahl im Vergleich zum Erstling. Denn alles Überflüssige wurde weggelassen, und dadurch öffnet sich Raum für Zwischentöne. Weniger ist mehr. Das Buch löst sich vom Trash-Genre und perfundiert in die gesellschaftkritisch-prophetische Richtung. Dezent wohlgemerkt. Denn es ist typischerweise rassistisch, gewalttätig, drogenverherrlichend und deftig. Eine angenehme Kampfansage an den Cozyness und Hygge Lifestyle. Faldbakkens Thema, das sich durch alle drei Romane zieht, ist die skandinavische Gesellschaft, in der er die Vollendung der Mittelklasse sieht. Die Schwundstufe europäischer Kultur. Zu lieb, zu nett, zu schlau, zu reich, um noch irgendetwas bewegen zu können. Die Errungenschaften durch Aufklärung und Humanismus haben sich ins Gegenteil verkehrt. Quasi das Herz verfinstert, wie im oft zitierten Werk Conrads, nur dass sein Kurtz weiblich und afrikanisch ist. Hiergegen schreibt er an. Ist sein erstes Buch in meinen Augen auch missglückt, so klettert er mit jedem weiteren kontinuierlich in Richtung ‚guter Schriftsteller‘.