Leserstimme zu
Die Einkreisung

Eines meiner Jahreshighlights!

Von: Lina Lovegood
12.08.2018

Nachdem ich angefangen hatte, die Serie auf Netflix zu schauen, und dann herausfand, dass sie auf einem Buch basiert, war mir sofort klar, dass ich das Buch lesen MUSS, denn die Serie konnte mich von der ersten Minute an packen. Und so erging es mir auch mit dem Buch. Es spielt im New York Ende des 19. Jahrhunderts, was mich sofort packen und begeistern konnte. Der Seelenarzt bzw. Psychologe Laszlo Kreisler wird von Polizeichef Roosevelt damit beauftragt, ihm bei Mordermittlungen weiterzuhelfen, während derer Knabenhuren auf brutalste Weise ermordet und verstümmelt wurden. Diese Knabenhuren sind kleine Jungen, die sich als Mädchen ausgeben, Schminke auftragen und Kleider anziehen und in zwielichten Bordellen in der Stadt ihren Körper gegen Geld anbieten. Schnell nach dem vermeintlich ersten Mordfall wird klar, dass solche Verbrechen schon vorher geschahen, die Polizei jedoch nicht weiter ermittelte, da sonst die Moral der "normalen" Bevölkerung angegriffen werden könnte. Roosevelt und Kreisler wollen diese Umstände aber nicht hinnehmen und beginnen, zusammen mit Roosevelts Sekretärin Sara Howard und dem Polizeireporter John Moore, die Morde Schritt für Schritt aufzudecken. Dazu werden dem Team auch zwei junge Detectives gestellt, die zum Fortschritt der Ermittlungen enorm beitragen. Ich fand vor allem die damaligen Ermittlungsmethoden und die Forschung zum Thema Psychologie und Kriminalistik sehr interessant. Methoden, die heutzutage absolut gängig sind, wie beispielsweise Fingerabdrücke als Beweismittel oder das Zurateziehen von Psychologen, waren damals nicht anerkannt und wurden sogar verpönt. Dennoch kommt das Team um Dr. Kreisler dem Mörder damit Schritt für Schritt auf die Schliche, es ist wortwörtlich eine Einkreisung des Täters durch jede Menge abgeleitete Hinweise. Das Buch war auf jeder einzelnen Seite spannend und ich habe richtiggehend mitgefiebert, um so den Täter endlich identifizieren zu können. Man erhält einen spannenden Einblick in die Ermittlungsmethoden des späten 19. Jahrhunderts, aber auch in die verschiedenen Gesellschaftsschichten im damaligen Amerika, wo es für Ausländer besonders schwer war, Fuß zu fassen. Die komplette Geschichte hat mich so in ihren Bann gezogen, dass ich kaum aufhören konnte zu lesen, das hat schon länger kein Buch mehr geschafft. Ich habe mich zeitweise richtig in das New York im Jahr 1896 hineinversetzt gefühlt, ich konnte die alten Gebäude vor mir sehen, in denen es von Unrat nur so gewuchert hat, und auch die Mordermittlungen haben mich selbst in der Zeit beschäftigt, in der ich gerade nicht gelesen habe. Die Personen im Team konnte ich mir alle lebhaft vorstellen, aber gerade Sara Howard war für mich eine ganz starke Persönlichkeit, ohne deren Hilfe die Ermittlungen nicht so schnell vorangegangen wären, obwohl das gesamte Team seinen Beitrag dazu geleistet hat. Jedoch ist sie eine der ersten weiblichen Angestellten im Polizeidezernat zu dieser Zeit und eigentlich nur als Sekretärin angestellt. Sie wäre aber auch selbst gerne Polizistin geworden, nur war das Frauen zu der Zeit nicht möglich. Dennoch ist sie unerschrocken und will unbedingt an den Ermittlungen teilhaben, wobei sie sich gegen ihre männlichen Mitspieler stark behaupten muss. Aber sie verschafft sich ihren Respekt, und das völlig zurecht. Auch Kreislers Geschichte hat mir sehr gut gefallen, da seine Vergangenheit sich durchaus schwierig gestaltet hat. Mir hat die Geschichte wahnsinnig gut gefallen und sie wird mir wahrscheinlich auch noch eine lange Zeit im Gedächtnis bleiben. Auf jeden Fall gehört sie jetzt schon zu meinen Jahreshighlights 2018. Ich würde mich auch unglaublich darüber freuen, wenn der Folgeband auch nochmal neu aufgelegt werden würde, denn Die Einkreisung war einfach so ein gutes Buch, das ich nur jedem ans Herz legen kann, der sich ein wenig für Kriminalistik, Psychologie oder Thriller im Allgemeinen interessiert. Von mir erhält die Geschichte auf jeden Fall verdiente 5 von 5 Sternen.