Leserstimme zu
Azurblau für zwei

Wenn in Capri die rote Sonne im Meer versinkt...

Von: Martinas Buchwelten
22.08.2018

Bewertung: 3 1/2 Sterne Isa's Leben scheint sich in tausend Scherben aufzulösen. Nachdem ihr Mann und sie ihren Kinderwunsch nach diversen Behandlungen ad acta gelegt haben, zerbricht die Ehe daran. Isa Freundinnen hingegen erwarten der Reihe nach Nachwuchs und ziehen von Berlin Mitte in die Vororte. Der geliebte Job in der Buchhandlung ist ebenfalls Geschichte, nachdem ihre Chefin in Rente geht und auswandert. Der neue Job in einem Zeitungskiosk ist alles andere als aufregend. Als Isa erfährt, dass ihr Exmann mit der neuen Freundin Zwillinge erwartet ist sie am Tiefpunkt angelangt. Eine Annonce in der Sonntagszeitung bringt sie schlussendlich auf neue Gedanken und sie fasst den Entschluss ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen und etwas zu verändern. Sie antwortet auf die Annonce, bekommt den Job und bricht in den Süden auf, zur die Sonneninsel Capri. Dort erwartet sie Mitzi, eine glamuröse alte Dame, die vor Jahren einige Bestseller schrieb und nun an ihren Memoiren arbeitet. Dabei soll ihr Isa helfen... Der Einstieg in den Roman gefiel mir sehr gut. Isa tat mir unheimlich leid und ich konnte ihre Verzweiflung richtig fühlen. Ihre Ankunft auf Capri hat die Autorin sehr lebenig beschrieben. Das azurblaue Meer, der Duft von Rosmarin und der Geschmack des Limoncellos auf der Zunge....Sommerfeeling pur! Das Haus, die Villa Azzurra, ist ein Blütenmeer und wird von Massimo, dem langjährigen Freund der Hausbesitzerin und Gärtner, gepflegt. Isa verliebt sich in das Haus und die Insel und findet auf diesem Fleckchen Erde wieder zu sich. Dabei erfährt der Leser nebenbei die Lebensgeschichte von Mitzi, die Isa für sie abtippen soll. Es kommen die Erinnerungen an ihre Jugendzeit und die erste große Liebe hoch, ebenso wie ihre Erfolge und der Glanz im Blitzlichtgewitter mit internationalen Stars. Doch auch von Enttäuschungen und Kummer ist die Rede. Mitzi setzt sich nach all den Jahren endlich damit auseinander. So kommen sich die alte Dame und Isa näher und werden trotz des großen Altersunterschied zu Freundinnen. Ab der Mitte kippte die Geschichte für mich etwas ins Kitschige und Vorhersehbare. Während die Handlung rund um Mitzi sich wirklich interessant liest, bleibt Isa blass. Irgendwie ist aus der sympathischen und einsamen Isa aus den ersten Seiten eine farblose 08/15 Figur geworden. Ebenfalls ging es mir mit der Romanze zu schnell. Die Gefühle zwischen Isa und Nico waren für mich nicht wirklich greifbar. Ganz besonders gestört hat mich, dass das Problem der Kinderlosigkeit nur oberflächlich angerissen und in diesem Falle durch Nico ins Lächerliche gezogen wurde. Leider kenne ich mich persönlich mit dem Problem aus, deswegen fiel mir besonders in diesem Abschnitt auf, dass sich die Autorin nicht näher mit der Problematik auseinandergesetzt hat. Das führt zu meinem Punkteabzug! Schreibstil: Der Roman lässt sich leicht und flüssig lesen. Die Landschaftsbeschreibungen sind gelungen und sehr bildhaft. Die Schauplätze und die Figuren werden lebendig beschrieben. Die eingebauten italienischen Floskeln schaffen Lokalkolorit. Fazit: Ein kurzweiliger Sommerroman mit italienischem Flair, der stark beginnt, aber leider nachlässt. Ebenso bleibt Hauptprotagonistin Isa ab der Mitte auf der Strecke und Mitzi wird zum Liebling der Geschichte. Das Thema Unfruchtbarkeit/Kinderlosigkeit wurde von der Autorin zu oberflächlich behandelt und hat einen bitteren Nachgeschmack bei mir hinterlassen. Dem gegenüber steht die wunderbare Landschaftsbeschreibung und die Aussage zu mehr Mut und Selbstvertrauen.