Leserstimme zu
Eine Katze muss tun, was eine Katze tun muss

Zwischen Mäusen und "Dyson"

Von: Edith N.
26.08.2018

„Die [...] Cartoons schenken Ihnen tiefere Einsichten in die Beweggründe Ihrer vierbeinigen Freunde als jede staubtrockene Studie. Was sie Ihnen hinsichtlich der wahren Katzologie Ihres Gefährten eröffnen, wird Sie hoffentlich nicht allzu sehr schockieren. Zumindest wissen Sie dann endlich, woran Sie sind.“ (Einleitung. Die Seiten sind nicht paginiert.) Kaum zu glauben, dass der Autor und der Illustrator tatsächlich Katzenfreunde sein sollen. Sie legen sich hier mächtig ins Zeug, um uns zu beweisen, dass „Katzen [...] tatsächlich die korrupten, egomanischen, skrupellosen und zutiefst unbarmherzigen Hausbesetzer [sind], als die sie gelten [...]“. (Einleitung) Das ist jetzt nicht so ganz mein Humor. Wie kann man aus reinem Spaß an der Freude Vorurteile zementieren und etwas diskreditieren, das man gern hat? Und zumindest der Autor spricht in Interviews sehr liebevoll von den Katzen, mit denen er aufgewachsen ist und von denen, die sein Erwachsenenleben begleiten und begleitet haben. Gewidmet ist das Büchlein zwei von ihnen: dem imposanten schwarzen Kater (Behe)Moth und der Tigerkätzin Mia. Gut, ich muss ja nicht alles verstehen. Begeben wir uns also mitten hinein in die finsteren Gedankengänge unserer Katzen! Haben sie tatsächlich Mordgedanken, wenn sie auf unserer Bettdecke sitzen und uns lieb anschauen? Und denken sie „Klar ist die Alte verrückt, aber glaubst du allen Ernstes, wir würden bleiben, wenn sie uns nicht fünfmal am Tag fütterte?“. Gut möglich. Auch dass ihre Anhänglichkeit proportional mit ihrem Hunger wächst, meine ich schon beobachtet zu haben. Laut Searle und Ninnis bleiben die Katzen sowieso nur aus reinem Eigennutz bei ihren Menschen. Im Grunde hassen und verachten sie uns. Dass sie sich von uns durchfüttern lassen, gemahnt schon fast an P r o s t i t u t i o n. „Wie ein hübscher junger Kerl wie ich bei so einer reichen alten Dame enden konnte? V o l l i d i o t!“ Zumindest ist es ein knallharter Deal: „Hör mal, es ist wirklich simpel. Du gibst mir Futter und Wärme. Im Gegenzug gebe ich deinem langweiligen, wertlosen Leben einen Sinn.“ Es mag was dran sein. Aber wirklich lustig finde ich das nicht. Dass Raubtiere mit ihren Beutetieren kein Mitleid haben, überrascht mich jetzt nicht. Das hätten der Autor und der Illustrator meinetwegen nicht mehrfach thematisieren müssen. Dafür weiß ich nun, warum Katzen wirklich so gerne in Kartons klettern oder irgendwo hoch droben sitzen. :-D Am amüsantesten fand ich noch die Haushalts-Cartoons. Der Kampf der Katze mit der Jalousie ... ihr gestörtes Verhältnis zum Staubsauger ... die Sache mit der Haustür, die wir alle kennen: im Minutentakt rein, raus, rein, raus ... Und warum unsere Stubentiger bei all ihren Fähigkeiten noch nicht die Weltherrschaft übernommen haben, erfahren wir auch. Dieses Weltherrschafts-Motiv war das einzige, bei dem ich dachte, das würde ich mir gerne vergrößern und in mein Büro hängen. Ich wurde beim Lesen das Gefühl nicht los, dass sich das Buch gar nicht an Katzenfreunde richtet, sondern vielmehr an Katzenhasser, die ein zynisches Schicksal dazu verdammt hat, mit einem Katzenhalter zusammenzuleben. Jetzt kann er dem Partner/der Partnerin bei passender Gelegenheit dieses Büchlein unter die Nase halten und sagen: „Siehste! So sind diese haarigen Biester wirklich. Hab ich dir doch schon immer gesagt!“