Leserstimme zu
Leere Herzen

Niemand sonst kann so gut den Spiegel vorhalten

Von: floskel
27.08.2018

Geil, geil, geiles Buch! Ich war ja eher skeptisch, nachdem ich mitbekommen habe, dass es den meisten hier nicht so gut gefallen hat. Aber: Ich fand's großartig! Nicht ganz so großartig wie Unterleuten, klar, aber dennoch wirklich gut gelungen. (Nur den "Manufactum"-Schmäh zu Beginn fand ich echt zum Augenrollen, den gab's bei Altes Land von Dörte Hansen schon gefühlt hundert Mal... Gäääähn!) Warum? Nun ja, Juli Zeh ist mit dieser Dystopie mal wieder voll auf der Höhe der Zeit. Und das Szenario, das sie entwirft hat mich das ein oder andere Mal denken lassen: "Was für eine geile Idee!" - weil die dystopischen Elemente (allem voran die Firma und von Britta und Babak) und die daraus resultierende Kritik so vielschichtig ist. So frech. So gut (gesellschafts-)kritisch. So direkt. So unverblümt. Und dabei so, so packend! „Da. So seid ihr.", lautet die Präambel und ja. Ja, ja, ja!! So sind wir!!! Hier kriegt echt jeder sein Fett ab. Lachen, innehalten, schmunzeln, gerührt sein, wütend sein, Kopf schütteln, dann wieder nicken, erleichtert sein, gespannt sein und vor allem: fasziniert sein - das alles hat Juli Zeh mit diesem Buch bei mir ausgelöst. Chapeau! (Fast) niemand sonst kann so gut den Spiegel vorhalten, finde ich. Und hier noch eine meiner Lieblingsstellen: "Vor ein paar Jahren gab es eine Umfrage", sagt Britta. „Die Leute wurden gefragt, was sie tun würden, wenn sie sich zwischen dem Wahlrecht und ihrer Waschmaschine entscheiden müssten." "Was kam raus?" "Siebenundsechzig Prozent wählten die Waschmaschine. Fünfzehn Prozent waren unentschieden."