Leserstimme zu
Belgravia. Zeit des Schicksals

Tanz vor Waterloo

Von: Bergund Fuchs
01.09.2018

In europäischen Königshäusern ist es heutzutage immer üblicher aus Liebe zu heiraten… was dann nicht immer immer standesgemäß ist. Dies wäre zu Zeiten Napoleons undenkbar gewesen. Deshalb musste die Verbindung von Sophia und Edmund geheim gehalten werden. Doch als Edmund in der berühmten Schlacht bei Waterloo fällt, bleibt Sophia guter Hoffnung alleine… Ihr Schicksal wird das Leben ihrer Familie bis in die nächsten Generation hinein bestimmen. Der Erfolg der Fernsehserie Downton Abbey offenbarte in den letzten Jahren eine große Anziehungskraft „alter Zeiten“. In 6 Staffeln wird dort die britische Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts portraitiert und nicht wenig Menschen wurden danach „süchtig“. Julian Fellowes war der hauptsächliche Ideengeber dieser Serie und greift in seinem neuen Roman eine Zeit Englands auf, die mittlerweile zwei Jahrhunderte zurückliegt. Die gesellschaftlichen Verquickungen drehen sich hauptsächlich um einen jungen Londoner Geschäftsmann, Charles Pope. Ohne es zu wollen, wird er Opfer unzähliger Intrigen aber auch unerwarteter Hilfestellungen, die er nur schwer einordnen kann. Worum es eigentlich geht, schreibt Fellowes unverblümt in seiner kurzen Einleitung: „Die Vergangenheit – wir haben es schon oft gehört – ist ein fernes Land, dort gelten andere Regeln. Das mag zutreffen, ganz augenfällig sogar, was Sitten und Moral angeht, die Rolle der Frau, die Herrschaft der Aristokratie und Millionen Alltagsdinge. Anderes wiederum mutet uns sehr ähnlich an. Ehrgeiz, Neid, Zorn, Habgier, Güte, Selbstlosigkeit und vor allem anderen die Liebe haben Entscheidungen schon immer ebenso machtvoll mitbestimmt wie heute. Diese Geschichte handelt von Menschen, die vor zweihundert Jahren lebten, aber wonach sie sich sehnten, womit sie haderten, die Leidenschaften, die in ihren Herzen wüteten, das alles gleicht nur zu oft den Dramen, die wir in unserer Zeit, auf unsere Art durchleben…“ (S. 7) So mögen viele Lebenssituationen, die der Autor in die Vergangenheit projiziert und exzellent darstellt, uns bekannt vorkommen. Doch hat das Buch einen besonderen Reiz, der über der vornehmen Sprache und der inneren Spannung des Romans steht. Es ist die Art und Weise, wie man sich seinerzeit begegnet ist. Tugenden und Laster sind damals wie heute dieselben. Doch man kannte noch so etwas wie „Haltung bewahren“, so dass manche Situationen – so mag man vermuten – eben nicht sofort „eskalierten“, sondern aufgrund einer guten Erziehung und eines festen Verhaltenskodex abgefedert wurden. Bemerkenswert.