Leserstimme zu
Die Engel warten nicht

Pulp fiction - made in Germany

Von: Reinhard Jahn
13.03.2015

Knut Giovanni Myrbäck – mit so einem Namen kann das Leben nicht gutgehen. Myrbäck ist ein mittelgroßer Kleinganove, der gemeinsam mit seinem Kumpel Jan Holzapfel nach Auftrag des Polen Luxuslimousinen in Hamburg und Umgebung klaut. Die Wagen gehen dann sofort in den Osten und die Sache ist gelaufen. Bis bei einem Job alles schiefgeht – der Audi Q7, den die beiden für Staczek, den Polen, beschaffen, ist kaum in der zwielichtigen Werkstatt ihres Komplicen Raschke abgestellt, als die Werkstatt (und Raschke) in die Luft fliegen. Dann wird bei Drochtersen eine verbrannte Leiche gefunden – und Myrbäck und Holzapfel können den Polen nicht mehr erreichen. Irgendjemand scheint hinter ihnen her zu sein. Wer - das weiß man nicht, aber besser, man haut erstmal ab – nach Nynäsham, einer Kleinstadt südlich Stockholms, zu Holzapfels Schwester Heidi, einer frustrierten Schulkrankenschwester, die sich um Sassie Linné kümmert, ein wildes Mädchen, das allerdings derzeit eine Hausarrest-Strafe verbüsst und deshalb eine Fußfessel trägt. Sassies Vergangenheit ist eng mit Chistiania verbunden, der geduldeten "Autonomen Zone" in Kopenhagen. Schnell fühlt sich Myrbäck zu der unkonventioniellen Sassie hingezogen – und während er zusammen mit Holzapfel in Kopenhagen mit Autodiebstählen wieder auf die Beine zu kommen versucht, entwickelt sich eine spröde, nicht ganz problemfreie Liebesbeziehung zwischen den beiden. Eine sehr präzise und mit Blick aufs Detail erzählte Gauner- und Ganovengeschichte aus Norddeutschland und Schweden – mit Protagonisten, die einem langsam aber sicher ans Herz wachsen – und zwar um so mehr, desto mehr sie vom Pech verfolgt werden. Myrbäck und Holzapfel sind die Art von Stehaufmännchen, die man einfach gern haben muss. Auch wenn man immer befürchten muss, dass sie dir den Wagen klauen, sobald du ihnen den Rücken zudrehst. Pulp Fiction made in Germany – frisch, lebendig, komisch und spannend.