Leserstimme zu
Kleinhirn an alle

unverschämt fröhlich

Von: der Michi
15.09.2018

Ein Rückblick ist es, wenn auch kein wehmütiger. Gewohnt humorvoll skizziert Otto seinen Werdegang und lässt manche wahre oder halbwahre Anekdote mit einfließen. Was davon wirklich stimmt erfährt man gelegentlich erst ein paar Absätze weiter, es passt aber durchaus zu dem, was man von einem Blödelbarden eben erwarten darf. Sonderlich ernst nimmt sich Otto nicht. Aber auch sonst kaum jemanden. Von langjährigen Kollegen und seiner Familie erzählt er allerdings mit Respekt und gewährt einen Einblick in seine frühen Jahre und das Familienleben jenseits der Bühne, falls es denn eins gab. Denn hauptsächlich handeln die gut vierhundert Seiten (plus Bildteil) vom komischen Schaffen des Ostfriesen. Vorbilder und Kollegen von Heinz Ehrhardt über Loriot bis zu den Co-Stars der "7 Zwerge"-Filme nennt und würdigt Otto gleichfalls und erstellt damit eine unverschämt unterhaltsame Biografie des deutschen Humors. Gleichzeitig offenbart sich das fröhliche Gesicht hinter dem fröhlichen Gesicht - sprich: Es gibt keine tragische Vorgeschichte. Dieser Friese ist jenseits des Rampenlichts offenbar genauso gut gelaunt wie vor Publikum. Vielleicht macht genau das einen Gutteil der Faszination Otto aus. Zwar lässt und ließ Herr Waalkes Drehbücher, Gags und Bühnenprogramme auch von Autoren der GEK-Gruppe mitschreiben, ein wesentlicher Teil seiner Person steckt allerdings durchaus in dem was er tut. Daran haben auch die verschiedenen Bühnenunfälle - vom Stromschlag bis hin zu abgeschossenen Kronleuchtern - nichts geändert. Diese Verschmelzung von Kunstfigur und Authentizität dürfte weitgehend einmalig sein, schon angesichts etlicher Comedy-Eintagsfliegen der letzten beiden Jahrzehnte, von denen heute niemand mehr spricht. Darüber hinaus gibt es durchaus auch Einblicke hinter die Kulissen seines Schaffens, vor allem was Ottos Ansichten über Komik, das Filmemachen und Gefühle auf und hinter der Bühne angeht. In den Exkursen über die Geschichte des Lachens und filmische und literarische Einflüsse erleben wir einen in Sachen Bildung bestens ausgerüsteten Menschen, der vielseitig interessiert und belesen ist. Amüsant liest sich, dass Otto auch schon Rollen als Tatort-Kommissar angeboten wurden und dass er auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn auch in Opern mitgespielt hat. Wenns ans Persönliche geht, verheimlicht Otto nicht seine beiden gescheiterten Ehen und bekennt freimütig die eigene Mitschuld. Die große Selbstdemütigung bleibt allerdings aus - zum Glück. Fazit: Otto ist Kult und Kult wird nicht hinterfragt. Wäre in diesem Fall auch sinnlos, denn immerhin wird er nicht müde zu betonen, dass für ihn Nonsens stets genug war und ist und dass es nicht immer tiefgründige Satire oder Kabarett mit dem Zaunspfahl sein muss. Den Kritikern hat das seinen Berichten nach noch nie gefallen, aber noch hat er sie alle überlebt. Es darf also auch mal geblödelt werden!