Leserstimmen zu
Wolfsmond

Stephen King

Der Dunkle Turm (5)

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Ich habe ja "Wind", eigentlich ein Nachfolger der Reihe bzw. ein Zwischenspiel, vorgezogen gehabt, da er zeitlich zwischen dem vierten und fünften Band spielt - und ich bin froh, dass ich das so gemacht habe. Jetzt geht es wieder weiter mit Roland und seinem Ka-Tet auf ihrer Reise zum Dunklen Turm, wobei sie ihm hier auch wieder nicht wirklich näher kommen. Die "Wölfe" sind seit Jahrzehnten eine große Bedrohung für Calla Bryn Sturgis, einem großen Dorf mit vielen Farmern, die immer wieder - mindestens einmal pro Generation - unter den Überfällen dieser finsteren Gesellen zu leiden haben. Die Menschen dort bringen fast immer Zwillinge zur Welt und einen davon, immer im Alter zwischen ca. 5 und 16 Jahren, werden von den Wölfen geraubt und ja, wieder zurückgeschickt. Allerdings sind sie dann "minder", ihres Verstandes beraubt und mit körperlichen Veränderungen belastet, die sie nicht alt werden lassen. Tian Jafford, einer der Farmer, möchte diesen Zyklus endlich durchbrechen und sich gegen die bewaffnete Übermacht stellen, doch er findet bei den anderen kaum Gehör, da ihre Angst jegliche Hoffnung überdeckt. Das Eintreffen von Rolands Gruppe ändert das jedoch grundlegend. Dieses Szenario steht zwar im Vordergrund der Handlung, gibt aber an sich "nur" den Hintergrund ab, vor dem sich wieder vielerlei andere Geschichten abspielen, die ihre Verbindungen zum Gesamtbild nur nach und nach preisgeben. Zum einen stellt sich natürlich die Frage, wer hinter den "Wölfen" steckt, dann nähern wir uns auch wieder unserer Welt und der "Rose", die ja einen wichtigen Bezug zum Turm darstellt, wie auch die Zahl "19", die immer wieder auftaucht und man nicht so recht weiß, welche Bedeutung dahinter stecken mag. Eine Menge Verbindungen und Zufälle, die Roland ja immer als Ka, also als Schicksal, bezeichnet und in immer größere Zusammenhänge ausweitet. "Ist man sich in Bezug auf das Ka nicht sicher, ist es am besten, dem Ka freien Lauf zu lassen. Mischt man sich ein, tut man fast immer das Falsche." S. 513 Susannahs Rolle ist ja momentan auch sehr komplex und die Geheimnisse, die Roland, Eddie und auch Jake voreinander haben, scheint ihr Ka-Tet, also ihre Gemeinschaft, immer weiter auseinander zu treiben. Der nächste Band hat ja als Titel sogar ihren Namen, deshalb bin ich natürlich mega gespannt wie sich das entwickeln wird. Sehr cool fand ich auch dass hier ein "alter Bekannter" aus einem anderen Buch von Stephen King auftaucht und eine Vampirgeschichte dadurch einen Raum erhält. Diese Verflechtung fand ich klasse und es finden auch wieder einige große "Palaver" statt, in denen Geschichten erzählt werden, die alles, was passiert, in Berührung bringen. King schweift hier wieder sehr weit aus und man merkt, wie er es liebt, alles bis ins Detail auszumalen, was man natürlich mögen muss und mir war es hier an manchen Stellen doch ein bisschen zu ausschweifend. Trotzdem war es interessant und größtenteils auch spannend zu verfolgen, vor allem wenn man dann die Zusammenhänge begreift. "Mein Dad sagt immer, dass mann ichts mit richtigen Augen sieht, wenn man´s nur aus einem Blickwinkel betrachtet." S. 262 Er hat hier auf jeden Fall einen äußerst umfangreichen und komplexen Aufbau zu unserer Welt und anderen Welten erschaffen, die sich alle mit dem Dunklen Turm verbinden, wobei immer noch nicht wirklich klar ist, was einen am Ende erwartet. Auch die Türen, die im Band 2 eine große Rolle gespielt haben, gewinenn wieder an Bedeutung, wie auch eine der Regenbogen-Kugeln, die wir aus Band 4 kennen. Auch wenn es viele Umwege gab, die diesen Band auf Abwege geführt haben, bin ich begeistert und freu mich schon auf den nächsten Teil, der leider schon der vorletzte sein wird.

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Den gläsernen Palast hat die Reisegruppe um Roland hinter sich gelassen, auf ihrem Weg zum Dunklen Turm machen sie Halt in dem kleinen Ort Calla Bryn Sturgis. Die Stadt weckt Erinnerungen in Jake und Eddie, doch auch die Bewohner des Ortes sorgen dafür, dass den Verbündeten so einiges klarer erscheint... Nachdem sich „Glas“ insbesondere mit der Vergangenheit Rolands auseinander gesetzt hat und die Handlung nur wenig vorangebracht hat, schlägt der fünfte Band des Zyklus um den Dunklen Turm von Stephen King wieder eine ganz andere Richtung ein. Zwar wird auch hier der Weg zu dem sagenumwogenen Ort nur wenig kürzer, dafür fügen sich die Elemente, die King in seinen vorigen Bänden eingestreut haben, endlich zusammen. Viele Bezüge zwischen den einzelnen Szenen werden klar, was der komplexen Welt wieder mehr Struktur verleiht. Es ist dabei sehr faszinierend, wie der Autor seine Handlungsstränge zusammenfügt, scheinbar kleine Details wieder aufgreift und ihnen ungeahnte Bedeutung verleiht, wie er fast schon spielerisch seine Ansätze vereint und ihnen einen überraschenden Kniff verleiht. Und: Obwohl so einiges deutlicher wird, bleiben immer noch viele Geheimnisse offen, neue werden hinzugefügt, sodass nichts von der wunderbar mysteriösen Stimmung der Reihe verloren geht. Im Gegenteil, wieder baut King düstere Bilder voller Schrecken und Horror auf, mischt immer wieder einen Schuss Western mit ein und sprengt auch ansonsten Genregrenzen. Noch tiefer wirkt alles, noch mehr lernt man die Charaktere kennen, noch größer wird die Manie nach dem Dunklen Turm, die sich auch beim Leser ausweitet. Auch die Bezüge zu anderen Romanen von King werden hier noch einmal klarer, insbesondere weil ein Charakter aus „Brennen muss Salem“ auftaucht. Wenn man diese Geschichte bereits kennt, ist es wieder sehr lesenswert, wie King ihn in einen anderen Kontext setzt, doch auch ohne Vorkenntnisse kann man der Handlung gut folgen und bekommt sogar noch Lust, sich weiter durch sein Werk zu lesen. „Glas“ war bereits mein Schlüsselerlebnis der Reihe und hat mich erstmals vollkommen überzeugt, „Wolfsmond“ gelingt dies nun auch. Nicht weil die Handlung voranschreitet, im Grunde tut sie das nicht. Sondern weil sich viele neue Erkenntnisse ergeben, weil das Bild auf die komplexen Strukturen klarer wird, ohne an Faszination zu verlieren. Es ist wunderbar, wie King hier wieder mit Worten und Bildern umgeht, wie er den Leser immer weiter in seine Welt hineinzieht, und auch wie eng hier alles ineinandergreift.

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