Leserstimmen zu
Nachtzug nach Lissabon

Pascal Mercier

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Ein Lehrer auf der Suche nach.... ja, was oder wem eigentlich? Weiß er auch nicht. Er weiß eigentlich auch nicht wirklich, warum er geht. Mein Problem: man glaubt es ihm nicht. Ich werde nicht warm mit der Figur des Lehrers. Er bleibt für mich genau so oberflächlich, wie alle anderen Personen, die er im Buch trifft. Auf keiner wird näher eingegangen, alles plätschert so wischi-waschi und halbgar vor sich hin. Wenn man der Figur des Lehrers aber von Anfang an seine Motive nicht abnimmt, ihn für unglaubhaft hält... dann ist der Rest des Buchen hoffnungslos verloren, denn er baut darauf, daß man dem Lehrer in seinen "Ausbruch in die Freiheit" folgt. Schade, auf Grund der positiven Bewertungen habe ich mir sehr viel mehr Tiefe versprochen.

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Dieses Buch ist mal wieder ein gelungenes Beispiel für einen völlig mißlungenen Klappen- und Umschlagtext und was daraus wird: Mehr als die Hälfte der Bewertungen sind gut bis sehr gut, ca. ein Drittel schlecht bis sehr schlecht und lediglich 10% finden es 'so ok'. Kein Wunder: Wer sich ein Buch kauft aufgrund der vollmundigen Ankündigung als Krimi ('Bewußtseinskrimi!'), in dem der Protagonist Raimund Gregorius um sein Leben fürchten muss, wird schwer enttäuscht sein von dieser Lektüre. Statt Verbrechen und gefährlichen Situationen ist der Schwerpunkt dieser Reise nach Lissabon eine Suche. Die Suche nach dem, was den wahren, echten Menschen ausmacht. Klingt, als ob sich um einen weiteren der zahllosen Lebensratgeber handelt: Wer bin ich? Was will ich? Erkenne dich selbst! Das Ganze verpackt in eine unterhaltsame Rahmenhandlung, die Gregorius auf der Suche nach einem portugiesischen Autor (Prado) nach Lissabon führt. Doch weit gefehlt. Statt der üblichen mittlerweile alltäglichen Ratschläge wie 'Gönnen Sie sich eine Auszeit und entdecken Sie, was SIE wollen!', legt der Autor Schicht für Schicht all die Einflüsse offen, die das eigene Ich einzwängen, bedrängen, leiten.... Doch ist das was dann bleibt, das eigene ICH? Durch das Lesen der Schriften des verstorbenen Prados und der Erforschung dessen Lebens erfolgt Gregorius' zunehmende Erkenntnis seines eigenen Ich. Prado war besessen von dieser Frage, wer er selber war und Gregorius beginnt verstärkt sich ebenso diesen Fragen zu stellen wie ganz zwangsläufig auch die Leserinnen und Leser. Doch dies ist nur ein Thema (wenn auch das hauptsächliche) um das dieses Buch kreist. Es geht um Gott, um den Tod, das Miteinander der Menschen... Ein ungemein reichhaltiges, inhaltsschweres Werk das sich dennoch nicht allzu schwer liest. Doch es ist keine Unterhaltungslektüre die nur zu konsumieren ist. Um's eigene Gedanken machen wird man kaum herum kommen :-)

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