Leserstimmen zu
Kriegsklingen

Joe Abercrombie

Die Klingen-Romane (1)

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Tolles Erstlingswerk

Von: JK

15.11.2017

Logen Ninefingers hat alles verloren. Seine Familie und Freunde wurden von den Shanka getötet. Er selbst, der früher einmal der gefürchtetste Mann im Norden war, ist der einzige Überlebende des neuesten Angriffs und kann sich nach einem Sturz in einen Fluss gerade so in die Berge retten. Nun überlegt er, wie es für ihn weitergehen soll. Er könnte versuchen, die Shanka anzugreifen und seine Familie zu rächen, doch das wäre der sichere Tod ohne die Aussicht, auch nur einen der Bastarde zu töten. Die Geister verraten ihm, dass ein mächtiger Zauberer im Süden auf der Suche nach ihm ist. Das weckt Logens Interesse und er schlägt sich in die Richtung durch die Wälder. Statt eines Zauberers erwartet ihn hier jedoch nur dessen kränklicher Lehrling Malcus Quai, der Logen abholen soll. Inquisitor Glokta ist nur noch ein Krüppel. Früher einmal war er der schönste und mutigste Colonel in der Armee. Doch er wurde gefangen genommen und zwei Jahre gefoltert. Nun foltert er selbst die Feinde des Königs der Union. Durch die Gefangennahme eines einflussreichen Händlers erweckt er die Aufmerksamkeit des Leiters der Inquisition, Arch Lector Sult, der ihn beauftragt den Meister der Münze festzunehmen und ihm bis zum nächsten Morgen ein unterschriebenes Geständnis über begangenen Hochverrat zu liefern. Glokta ist fasziniert von der Aufgabe. Sie könnte seiner Karriere sehr förderlich sein oder ihn das Leben kosten. Captain Jezal dan Luthar residiert ebenfalls in der Hauptstadt der Union und bereitet sich auf eine Fechtmeisterschaft vor. Der Sieg ist mit viel Prestige verbunden und könnte seine Karriere, die er sich bisher über seinen Stand und das Vermögen seiner Familie erkauft hat, weiter vorantreiben. Aus den Siegern der Vorjahre wurden stets einflußreiche Männer. Das harte Training unter seinem Vorgesetzten sagt ihm jedoch gar nicht zu. Der verwöhnte junge Mann würde seine Tage lieber mit den schönen Seiten des Lebens verbringen. Die ganze Welt scheint sich unterdessen auf Kriege vorzubereiten. Im Norden greift Bethod, der selbsternannte König der barbarischen Stämme, nach Angland, dem nördlichsten Land der Union, während sich in seinem Rücken die Shanka auf einen Angriff auf die Menschen vorbereiten. Im Süden bereiten sich die Gurkish darauf vor, den Krieg im Norden als Gelegenheit auszunutzen, um die Union an einer weiteren Front zu attackieren. Joe Abercrombies Stil in Kriegsklingen ist ausführlich und teilweise ein wenig langatmig. Seine Art, die Sprache zu verwenden, die mir in den Königs-Romanen so viel Spaß bereitet hat, deutet sich in diesem hervorragenden Erstlingswerk jedoch schon an. Die Hauptcharaktere sind in diesem Buch nicht die typischen Helden oder auch nur große Sympathieträger. Sie sind aber dennoch oder gerade deswegen sehr interessant. Die Welt in der sie leben ist brutal und realistisch, was sie geprägt hat. Kriegsklingen ist ungewöhnlich und unterhaltsam. Die Geschichte ist nur der Auftakt der Trilogie und eher eine Vorbereitung auf die eigentlichen Abenteuer der Protagonisten. Worum es dabei gehen wird, wird nur sehr vage angedeutet. Die Spielfiguren sind nun auf dem Brett positioniert und ich bin sehr gespannt, wie es im nächsten Band weitergehen wird.

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Für Band eins dieser Fantasy-Saga eine Zusammenfassung zu schreiben, ist nicht möglich. Es gibt keine richtige Handlung. Mein Eindruck ist, die Protagonisten, ihr Umfeld und ihr Hintergrund sollen vorgestellt werden, um sie in den nächsten Bänden auf ihre gefährliche Reise zu schicken. Das hat für mich den Lesespaß nicht im Geringsten beeinträchtigt. Die Beschreibung von Glokta, dem Inquisitor, der früher mal ein wackerer Recke war und der in Gefangenschaft zum verdrehten Krüppel wurde, ist höchst amüsant. Wenn ich mir vorstelle, wie er den Gefangenen die Fingernägel und damit auch die Finger scheibchenweise kürzt, denke ich an rollende Möhrenscheiben - nicht dass ich das als Film sehen wollte, aber die Beschreibung war einfach witzig. Oder Jezal, der Hauptmann mit einer ungewissen Zukunft. Mit der unrechtmäßigen Unterstützung des ersten Magier gewinnt er einen Fechtkampf, wonach er ins Gefolge des Magiers muss. Sein Jähzorn, seine widerstreitenden Gefühle gegenüber Ardee, der Schwester seines Ausbilders. Und Ardee ist so ganz anders als alle anderen Frauen, sie flucht und trinkt. Aber in ihrem Elternhaus hat sie genug zu erleiden gehabt, so dass ich ihre Handlungen doch verstehen konnte. Und natürlich Bayaz, der erste Magier, der einfach wie ein etwas rüpelhafter älterer Mann wirkt, und dem niemand glaubt, dass er der erste Magier ist. Er muss erst sehr eindringlich beweisen, dass er mit Magie zu tun hat. Unter anderem fetzt er dem Oberinquisitor den Stuhl unter dem Hintern weg. Köstlich. Ich fand das Buch echt klasse, mal ein Fantasy-Roman, den ich innerhalb sehr kurzer Zeit durchhatte und der bei 800 Seiten kaum Längen aufwies. Ein intelligentes und witziges Buch, von dem ich hoffe, dass die Folgebände den Erwartungen, die der erste Teil geweckt hat, gerecht werden. 4,5 Sterne

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Kriegsklingen ist der erste Band der hochgelobten ‚First Law‘ –Trilogie von Joe Abercrombie, die gerade in Deutschland ziemlich populär geworden ist. Wir lernen im Wesentlichen drei wichtige Menschen kennen. Inquisitor Glotka, der selbst einst zum Krüppel gefoltert wurde und nun im Dienst der Inquisition dasselbe tut. Offizier Luthar ist ein relativ arroganter Adelsschnösel, der für Ruhm und Ehre fechten möchte und Probleme mit seiner Disziplin hat. Logan, genannt Neunfinger-Logan hat einst einen Finger in der Schlacht verloren und wurde von seiner Gruppe getrennt, um dem ersten der Magier zu begegnen. Es zieht ein großer Krieg auf, die bestehenden Verhältnisse werden radikal umgemünzt, als ein Diktator aus dem Norden, ein Barbar sich entschließt, dem Königreich mit drei Schädeln den Krieg zu erklären. Logan und der Magi ziehen in Richtung der Stadt, während sich Luthar auf sein Tunier vorbereitet und Goltka gerade einige große Fänge macht und damit die Tuchhändlergilde stürzt. Dann findet das Tunier statt, bei dem Luthar gegen alle möglichen Gegner kämpfen muss und die Inquisition gerade versucht, dem Magi seinen Betrug nachzuweisen. Alles in allem seht ihr oben schon, dass es sich hierbei um einen ganz klassischen High-Fantasy Roman handelt. Wir haben eine eigene Welt, in der die Charaktere und die Welt exponiert werden, wir haben nebenher übrigens noch die alte Gruppe von Logan, die sich wieder auf dem Weg zu ihm macht, in Ansätzen wird auch auf den mythologischen Hintergrund dieser Welt eingegangen – leider liefert der Heyne-Verlag keine Karte mit, was mitunter echt hilfreich gewesen wäre – und wir treffen insgesamt auf eine ziemlich komplexe Welt. Spannend an diesem Buch ist, wie die Lebenswelten der Charaktere aufeinandertreffen, die gegen Ende in einer Heldengruppe zusammenlaufen. Zwei Charaktere, die wiederum völlig gegensätzlich zu allen anderen sind, habe ich noch gar nicht erwähnt, sodass die Heldengruppe am Ende aus sechs grundverschiedenen Charakteren besteht, die in den kommenden Bänden für viel Unterhaltung sorgen werden. So ist es bisher nur eine spannende Exposition der Charaktere und der Welt – wobei der Fokus absolut auf den Charakteren liegt – über die Welt selbst erfährt man nicht besonders viel, also statt langen Naturbeschreibungen gibt es tatsächlich eher Charakterstudien, besonders über ihren Hintergrund erfahren wir eine ganze Menge. Die Charaktere selber sind tatsächlich auch so unterschiedlich wie unterschiedlich sympathisch. Aus der Protagonistin wird man nicht schlau, der Magi ist auch etwas durchsichtig, Logan ist ein absoluter Sympathieträger, bizarrerweise fand ich den Inquisitor auch sehr sympathisch – aber alles in allem sind es Helden, mit denen man gerne einige Bände verbringt. Was diesen Charakteren alle eigen ist, dass sie irgendwelche Konflikte austragen und sich in einer stetigen Entwicklung befinden. Und man erkennt schon, dass diese Charaktere – wie auch der ‚böse‘ Inquisitor allesamt vielschichtig und komplex angelegt sind und nicht klar als gute oder böse Figuren fungieren. Eine Sache ist mir jedoch etwas (unangenehm) aufgefallen – ich weiß nicht, ob es nicht auch schon in anderen Büchern passiert ist, aber hier ist es mir wie gesagt ins Auge gestoßen. Einmal war die Formulierung ‚zu Kreuze kriechen‘ zu lesen. Das ist natürlich ein so feststehender Begriff – allerdings mit einem eindeutig christlichen Hintergrund. Diese Formulierung war hier in der Darstellung der Innenwelt eines Charakters zu lesen – was ich ziemlich problematisch finde, weil der Charakter mit seinem Hintergrund natürlich nichts mit der Kreuzsymbolik des Christentums zu tun hat. Ich weiß nicht, ob das vom Übersetzer hereingebracht wurde oder so schon von Abercrombie stammt, aber ich finde, gerade in der Fantasy-Literatur sollte man darauf achten, auf derartige christlich geprägte Formulierungen zu verzichten, weil sonst die Schlüssigkeit der neuen erschaffenen Welt gebrochen wird. Ich gebe zu, das ist schon Jammern auf hohem Niveau, aber ich wollte es gerne mal loswerden – und vielleicht schärfe ich ja den ein- oder anderen Sinn für solche Formulierungen. Dennoch reicht das natürlich nicht aus, hier die Wertung zu verderben, maximal für ein paar kleine Abzüge in der B-Note reicht das, zusammen mit der fehlenden Karte ist das aber nicht mehr als ein halber Stern. 4,5/5 Sternen - die ich gerne auf volle 5 aufrunde - gebe ich hier gerne für einen tollen Auftakt einer Fantasy-Reihe, die mehr den Schwerpunkt auf spannende Charakterentwicklung als auf Weltenbildung oder Kampfbeschreibungen legt.

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