Leserstimmen zu
Der Afghane

Frederick Forsyth

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Die Geschichte: Frederick Forsyth hat dieses Buch zwar bereits vor etwa 10 Jahren geschrieben, doch angesichts der Ereignisse der letzten Zeit ist es leider (wieder) sehr aktuell. Es geht um fanatische Glaubensanhänger, die der westlichen Welt den Kampf angesagt haben. Durch einen Zufall gelangen die Geheimdienste Amerikas und Englands an eine verschlüsselte Botschaft, die einen drohenden Terroranschlag enormen Ausmaßes ankündigen könnte. Keine ihrer Quellen kann ihnen Näheres dazu sagen, so dass langsam ein irrwitziger Plan Gestalt annimmt: sie wollen einen ihrer Agenten bei al-Qaida einschleusen. Mike Martin ist mit knapp Mitte Vierzig zwar bereits im Ruhestand, doch er erfüllt alle nötigen Voraussetzungen für diese Mission. Er wird in die Rolle eines inhaftierten Taliban-Kommandanten schlüpfen und kann nur hoffen, dass er überzeugend genug ist, um nach vielen Monaten Vorbereitungszeit nicht sofort enttarnt zu werden. Meine Meinung: Der Autor lässt anfangs noch einmal sehr übersichtlich einige wichtige Eckdaten und Ereignisse in die Geschichte einfließen, die erklären, wie es überhaupt zur heutigen Terrorbedrohung und zu den vielen fanatischen Gruppen gekommen ist, die den “Ungläubigen” den Dschihad erklärt haben. Da ich kein Experte auf diesem Gebiet bin, waren diese Informationen sehr interessant und aufschlussreich. Frederick Forsyth ist ein Mann “vom Fach”, was man an vielen Stellen deutlich merkt: die Arbeit der Geheimdienste, die eingesetzten Waffen und die technische Ausrüstung werden sehr authentisch beschrieben. Überhaupt wirkt die ganze Story sehr lebensnah und erschreckend real. An Spannung mangelt es nicht, obwohl zunächst viel Zeit für die Vorbereitung der Mission aufgewendet werden muss. Wechselnde Schauplätze bringen zusätzlich Tempo und Abwechslung in die Geschichte. Alles ist bestens durchdacht und es gibt zwar einige Zufälle, die maßgeblich zum Gelingen beitragen, aber diese nehmen nicht überhand. Hauptperson ist der Geheimagent Mike Martin, der gerade so sympathisch rüberkommt, dass man ihn gern auf seiner heiklen Mission begleitet und ihm wünscht, dass er am Ende wohlbehalten in seinen Ruhestand zurückkehren kann. Andererseits übertreibt es der Autor aber nicht mit emotionalen Hintergrundinformationen, so dass man als Leser trotzdem noch einen guten Abstand zu den Protagonisten wahren kann und nicht zu entsetzt ist über mögliche Verluste. Die zweite wichtige Person ist natürlich “der Afghane”, also der Gefangene, dessen Leben Mike übernimmt. Sein Lebenslauf ist ein gutes Beispiel dafür, wie eigentlich ganz normale, unschuldige Menschen irgendwann in den Fängen des Fanatismus enden. Sehr schön fand ich auch die Beschreibung der Schauplätze: der Autor erschafft authentische Szenarien, denen man sich nur schwer entziehen kann. Fazit: Interessant, fesselnd, erschreckend realistisch – ein Agententhriller mit viel Spannung und Action!

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(...) Bei allem Lob für den literarischen Teil, man sollte immer wissen, daß Forsyth als Literat und als Journalist ein Produkt seiner Zeit ist. Die historischen Zusammenhänge sind immer vor dem westlichen Weltbild und die Einsichten vor dem Hintergrund regierungsamtlicher Propaganda zu begreifen. Der Autor nimmt vorweg, was die Schulbücher in England und den USA (und die vieler weiterer westlichen Staaten) einmal über den Jugoslawien- und Afghanistankrieg verbreiten sollen. Zu Kritik ist Forsyth diesbezüglich nicht fähig. Vielleich sollte man sie auch nicht erwarten. (...)

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Frederick Forsyth ist unstreitig ein Meister des Politthrillers. Und das schon seit vielen Jahren. Nach neuem Stoff muss er nie lange suchen, der Mann baut seine Romane stets um das aktuelle Geschehen auf. So auch im Jahr 2006, als Forsyths‘ „Der Afghane“ veröffentlicht wurde. Wenn man DEN PATRIOTISMUS schlechthin den Amerikanern unterstellt, dann verdeutlicht Forsyth dem Leser nur zu gerne, dass es neben den USA noch eine vermeintliche zweite Weltpolizei, nämlich Großbritannien, gibt. Der Autor ist ein Profi, wenn es um Geheimdienste und Unterhändler geht. Gesicherte Hinweise deuten darauf hin, dass islamistische Terroristen einen Anschlag planen. Das Unternehmen heißt Al-Isra. Die CIA und der britische Geheimdienst arbeiten gemeinsam an der Aufklärung des Falles, um großen Schaden zu verhindern. Dazu ist es notwendig, Al-Qaida zu infiltrieren. Der Fallschirmjäger Steve Martin ist hierfür der richtige Mann, denn er verfügt über die notwendige Ausbildung, um als Doppelgänger eines Offiziers der Taliban und Guantanamo-Häftlings zu fungieren. Frederick Forsyth hat diesen Roman geschrieben, als Osama Bin Laden im afghanischen Gebirge noch gesucht wurde, wie die Nadel im Heuhaufen. Fast hat man den Eindruck, dass nur der Journalist und Publizist Peter Scholl-Latour dazu in der Lage wäre, uns mehr Detailwissen zum aufgezeigten Konflikt zu vermitteln. Denn in der ersten Hälfte dieses Werks wechseln die Geschehnisse atemberaubend und detailliert. Ein Labyrinth aus den verschiedensten Blickwinkeln, politisch brisant, hoch aktuell, ständig wechselnde Handlungsorte, ein grandioses Netzwerk, aus dem sich die Informationen zu einem Bild verbinden, die den Leser an die Hand nehmen, um bald Zeuge zu sein, wie das Gute über das Böse siegt. Das ist genau das, was man von Forsyth erwartet. Hohe Schule und einfach großartig. Immer wieder hat der Brite bewiesen, dass er genau DIESES Thema wie kaum ein anderer beherrscht. Leider, sehr zu meiner Überraschung, verwandelt sich dieses Buch in der Folge zu einem rasant abgehandelten Drehbuch eines 0815-Actionthrillers. So sauber und detailliert alles vorbereitet ist, der Leser endlich alles genau überblicken kann, so dürftig, dünn und oberflächlich wird die Story zu Ende gebracht. Fast schon lieblos wird man mit kurzen und knappen Ausführungen zum Ende geführt. All das, was die erste Hälfte des Buches ausgemacht hat, wird nun zwar prägnant, doch kaum noch mit Tiefe aufrecht gehalten. Eine Lösung eines hoch komplexen Themas, eine gerade zu überwältigend ausgeklügelte Mission wird ausschließlich mit Klischee behaftetem Patriotismus im Schnelldurchgang abgehandelt. Zwar erfolgreich, doch in diesem Fall enttäuschend und nicht so, wie man es von einem Frederick Forsyth erwarten kann und muss. „Der Afghane“ ist höchstens Mittelmaß!

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