Leserstimmen zu
Der Weihnachtsmord

Anne Perry

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"Der Weihnachtsmord" ist ein kurzes Büchlein, dass man an einem oder zwei Tagen wunderbar weglesen kann. Es ist eine wunderbare Mischung aus historischem Roman, traditionellem Krimi und rührender Weihnachtsgeschichte. Ich war erstaunt, wie viel Festtagsstimmung eine Geschichte um Mord und Totschlag erzeugen kann! Der Leser folgt dem Ehepaar Dominic und Clare im Jahr 1890 ins beschauliche Dörfchen Cottisham. Dominic ist Vikar und soll über die Feiertage den plötzlich verreisten Pfarrer vertreten. Er ist fürchterlich aufgeregt, hat er bisher doch noch nie ganz alleine eine Gemeinde betreuen dürfen, und seine Frau tut ihr Bestes, ihn nach Kräften zu unterstützen. So ganz leicht fällt ihr die Rolle als brave Gattin eines Geistlichen nicht, denn von ihrer Veranlagung her ist sie hochintelligent und neugierig und neigt dazu, alles gründlich zu hinterfragen... Und so ist sie es natürlich, die direkt die Ermittlungen aufnimmt, als sie Reverend Wynter tot im Kohlekelller findet. Die beiden Hauptcharaktere waren mir sehr sympathisch, besonders Clarice, die bei aller Intelligenz auch weise genug ist, die Gefühle der Menschen zu verstehen. An Dominic hat mich beeindruckt, dass er sich wirklich als Seelsorger, Gehilfe, wenn nötig sogar Pfleger und Laufbursche seiner Gemeinde versteht. Er schleppt Kohlen, trägt Holz und Einkäufe, bringt Kranken Suppe, eskortiert alte Dämchen nachhause... Er zerbricht sich verzweifelt den Kopf darüber, wie er mit seinen Predigten etwas in den Menschen bewegen kann. Ganz unabhängig davon, ob man religiös ist oder nicht, kann man meiner Meinung nach seine Hilfsbereitschaft und Demut nur bewundern. Die Liebe zwischen den beiden fand ich zutiefst rührend, denn sie lieben sich sozusagen sehenden Auges: sich der Fehler und Marotten des anderen durchaus bewusst, aber dennoch bedingungslos. Es gibt einige Anspielungen auf dunkle Ereignisse in der Vergangenheit von Dominic und Clarice, und ich vermute, dass diese in einem früheren Roman der Reihe Thema waren - aber man kann dieses Buch trotzdem wunderbar lesen, ohne ein anderes Buch der Reihe zu kennen, es steht gut für sich allein. Auch die anderen Charaktere fand ich gut geschrieben. Zum Teil sind sie schrullig, zum Teil unsympathisch oder rätselhaft, zum Teil können sie einem nur leid tun, aber viele bewahren ein Geheimnis. Und aus diesen großen und kleinen Geheimnissen spinnt die Autorin falsche Fährten, so dass ich lange völlig im Dunkeln tappte, wer den Reverend denn nun umgebracht hat! Es ist ein klassischer Krimi ohne viel Blut und Gewalt, der eher geruhsam verläuft und in meinen Augen dennoch nicht langweilig wird. Mir hat es sehr viel Freude gemacht, mit den verschiedenen Dorfbewohnern bekannt zu werden und zu sehen, wie sich die Dinge für sie entwickeln. Denn obwohl ein Mord die Geschehnisse ins Rollen bringt, entwickelt sich daraus eine Art Weihnachtszauber... Der Schreibstil liest sich sehr angenehm. Ich fand ihn sehr passend für einen historischen Krimi, aber kein bisschen angestaubt oder trocken. Fazit: Ein beschauliches Dörfchen im England des 19. Jahrhunderts, ein plötzlicher Todesfall, viele Geheimnisse und ebenso viele Verdächtige... Daraus ergibt sich ein historischer Krimi mit erstaunlich viel Weihnachtsflair und Wohlfühlfaktor! In meinen Augen genau das richtige Buch für die Feiertage.

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