Leserstimmen zu
Madame Bovary

Gustave Flaubert

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Super

Von: Fruneh

06.08.2018

Auf 367 Seiten, die in 36 Kapitel aufgeteilt sind, wird die Geschichte Madame Bovarys und alles, was um sie herum geschieht seit sie Karl Bovary geheiratet hat in 3 Büchern im Buch erzählt. Der Roman beginnt mit dem jungen Karl Bovary, der sich nicht recht im Leben (zu seiner Zeit, also um 1850) zurecht findet. Man wird also sofort in die Handlung hineinversetzt, und diese schreitet dann rasant weiter, bis Herr Bovary dann seine ‚echte’ Frau Bovary heiratet. Von dort an wird die Geschichte größtenteils aus ihrer Sicht wiedergegeben. Die Frau sehnt sich nach Luxus und ist beinahe nie wirklich zufrieden mit dem was sie hat, was zu vielen ‚Ausschweifungen‘ ihrerseits führt, von denen der Roman im Endeffekt größtenteils handelt. Dieser schnelle Einstieg in die Geschichte fand ich gut, zumindest besser als ein seitenlanges Warten auf eine Handlung, die mich annähernd an den Klappentext erinnert. Auch wird hier gleich klar, wie gut Flaubert Hektik und andere Gefühle vermittelt. Die bildliche Sprache und Detailliebe tragen auch dazu bei. An Stellen sind ebendiese eventuell etwas zu ausgeprägt, und wenn man keine Freude an ausschweifenden Formulierungen hat, wird man - ab und an - gelangweilt sein. Im ersten Buch finden sich noch wenige Dialoge, dafür gibt es in den folgenden beiden Teilen viel verbale Interaktion zwischen den Figuren. Teilweise finden sich auch lange Monologe, die nicht wirklich zur Geschichte beitragen, sondern eher eine allgemeine Haltung zu philosophischen/alltäglichen Themen preisgeben. Auch der Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion wird des öfteren thematisiert, zum Beispiel in Streitgesprächen zwischen dem Apotheker und dem Priester. Die Charaktere an sich sind gut ausgebildet. Viele sind sympathisch andere nicht deutlich ‚die Bösen‘, aber nahe dran; man könnte sie, wenn man wollte immer in Schutz nehmen, weil sie nicht explizit nur als schlecht dargestellt werden. Zu Frau Bovary habe ich eine zweigeteilte Meinung. Einerseits finde ich sie einen interessanten Charakter, mit Stärken und Schwächen, andererseits hat mich ihre Sehnsucht und dass sie nie zufrieden mit irgendetwas war ein wenig gestört. Generell wurde ja schon so viel über dieses Buch berichtet, interpretiert und rezensiert, dass ich mich hier kurz halten möchte und meine Sternen-Bewertung sozusagen für sich sprechen lassen.

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Madame Bovary ist großartig. Das Lesen ist eine wahre Freude, weil hier wirklich jedes Wort sitzt. Auch, wenn mir einige Kleidungsstücke bis dato unbekannt waren (so detailliert sind Flauberts Beschreibungen), hatte ich das Geschehen beim Lesen lebhaft vor Augen: Emma, wie sie ziellos durch das kleine Haus stromert, Charles, der sie bis zuletzt anhänglich liebt, der Apotheker versunken in seinem Kämmerchen, rastlos darum bemüht, endlich Anerkennung in der Wissenschaftswelt zu finden. Richtig sympathisch ist in dieser Geschichte niemand: Charles ist ein Simpel, der allgegenwärtige Apotheker ein Schaumschläger und Madame Bovary – nun ja, die hat so viele Fehler, das Flaubert einen ganzen Roman darüber schreiben konnte. Und zwar einen durchaus umfangreichen. Trotzdem hat man als Leser nie das Gefühl, Überflüssiges serviert zu bekommen. Jede Begebenheit wirft ein Licht auf den Charakter der Figuren, beschreibt eine neue Facette. Dass Flaubert sich ausdrücklich gegen Kürzungen gewehrt hat und sein Manuskript in vollem Umfang als Roman veröffentlicht sehen wollte, überrascht daher nicht. Diese und noch viele weitere interessante Tatsachen über den Charakter des Schriftstellers kann man dem informativen Nachwort von Guy de Maupassant entnehmen. Demnach kann Flaubert fast als „geselliger Misanthrop“ gelten, der sich nur allzu gern über die Fehler der Menschen ausließ – am liebsten in seinen Werken. Insgesamt hatte ich den Eindruck, Flaubert war mit Madame Bovary seiner Zeit voraus. Oder hat einfach aufgeschrieben, was sich sonst niemand getraut hat. In einer Zeit, in der Männer in allen Bereichen des öffentlichen Lebens die Oberhand hatten, widmet er sich dem häuslichen Leben und den Eskapaden einer gelangweilten Arztgattin in der Provinz. Das allein empfand ich schon als bemerkenswert. Dass er dabei das Gefühlsleben und den Charakter einer jeden Figur wie mit dem Seziermesser auseinandernimmt und dafür noch Worte findet, die das Lesen zu einem Genuss machen, lassen das Buch zu einem Schatz werden.

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Madame Bovary bildet den klassischen Ursprung aller folgenden Ehebruchsromane wie Anna Karenina und Effi Briest. Flaubert gelingt 1857 ein skandalöser Glücksgriff, der dieses Werk bis heute zurecht der Weltliteratur zurechnet. Wir begegnen zu Beginn des Romanes Charley Bovary, der das Ergebnis einer nicht allzu glücklichen Ehe ist, in der Schule das ein oder andere mal gehänselt wurde, sich aber trotz allem zu einem sehr biederen Landarzt mausert, der dem Fortschritt in seiner Disziplin nie ganz abgeneigt ist. Seine erste Ehe dauert keine 30 Seiten an. In dieser Zeit begegnet er bereits Emma, welche zufällig die Tochter eines Patienten von Charles ist. Doch wie kann hier eine feine Liebesgeschichte entsponnen werden? Natürlich muss die 1. Frau sterben, was sie - dem Leser sehr passend - auch umgehend tut. Danach steht dem Eheglück von Charles und Emma eigentlich nichts mehr im Wege… Wären da nicht Emmas unmäßige Ansprüche an die Liebe und Leidenschaften, die sie nur aus Romanen kennt, die sie rezipiert hat. Mit Charles hat sie den denkbar leidenschaftslosesten Menschen in ganz Frankreich geheiratet und wenige Woche nach der Hochzeit stellt sich drängende Langeweile ein, die sich zu einer handfesten Depression entwickelt. Madame Bovary ist als Ehebruchsroman bekannt geworden und letztlich weiß man bereits vor dem Lesen, dass Emma sich in die Arme eines Liebhabers begibt… Dieser Roman hat mich teils in einem argen Zwiespalt zurückgelassen. Die Geschichte der unglücklichen Ehefrau, die sich gefangen fühlt in diesem vermeintlichen Glück kannte ich bereits aus „Anna Karenina“ und dort gefiel mir der Bruch der starken Frau etwas besser. Emma Bovary ist eine Dame, die sich fast ausschließlich den lieben langen Tag in Selbstmitleid und Langweile badet, ohne nur die geringste Kraft aufzuwenden, daran etwas zu ändern. Es mangelt ihr dabei an Kommunikationsstärke und Empathie, … auf ein ruhiges Familienleben kann sie sich ebenfalls nicht einstellen. Mir muss eine Figur nicht sympathisch sein, damit ich einen Roman gut finde, aber man sollte ihre Handlungsmotivationen nachvollziehen können und für mich ist das bei Emma nicht gegeben. Ich kann sogar verstehen, wenn LeserInnen dieses Romans die Langeweile, die Madame Bovary empfindet, ebenso beim Lesen empfinden. In Hinblick auf den Roman wirkt die Figur der Emma sehr unausgewogen. Emma ist ein unmotivierter Mensch, der von Anfang an nur hedonistische Ansprüche an seine Umwelt stellt und sich jeden Tag vorjammert, dass jeder ein besseres Leben habe als sie. Das große Plus dieses Romans ist seine feinfühlige Sprache. Am Stil Flauberts, bzw. hier in der Übersetzung durch Hans Reisiger, ist absolut nichts auszusetzen. Sprachliche Bilder lassen den Leser die Landidylle und innere Bedrängnis jeder Figur nachempfinden. Allein dieses Stils wegen empfehle ich die Lektüre dieses Klassikers. Besonders erwähnenswert finde ich aus all den Dorfbewohnern um das Ehepaar Bovary den Apotheker. Dieser bringt eine politische, philosophische und religionskritische Perspektive in den Roman, die einem Einblicke in den Zeitgeist eines Frankreichs Mitte des 19. Jahrhunderts ermöglicht. Hervorzuheben wäre noch der Erzähler, der nicht nur jeder Figur folgen kann, sodass wir mehr Perspektiven als die von Emma kennenlernen, sondern absolut wertfrei die Handlung darlegt. Kein einziges moralisches Urteil wird über das Handeln von Emma gefällt. Dem Leser fällt also eine wichtige Aufgabe zu, das ganze Geschehen zu reflektieren und zu beurteilen. Im Jahre 1857 hat das ganze einen Skandal ausgelöst, was heutzutage wohl kaum mehr möglich wäre. Dahingehend hat Flauberts Werk vielen weiteren ähnlich thematisch aufgebauten Romanen den Weg geebnet, was man nicht vergessen sollte. Letztlich habe ich für die Geschichte 2 Sterne vergeben und für den Stil 4,5 Sterne, womit ich bei einer Gesamtwertung von 3-3,5 Sternen verbleibe. Ein Klassiker, den man gelesen haben kann. In dieser Ausgabe und Übersetzung auf jeden Fall stilistisch absolut empfehlenswert.

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