Leserstimmen zu
Tewje, der Milchmann

Scholem Alejchem

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Oj Gewalt! Da bricht eine wahre Lawine über uns hernieder! Eine stampfende Armada aus Kommata, Semikola, Anführungszeichen und Bindestrichen. Aber alles nicht so schlimm. Es ist nur der jüdische Milchmann Tewje, der alte Quatschkopf, der mit seinem abgehalfterten Gaul durch die Lande zieht und vom Schtetl-Leben im Russischen Zarenreich berichtet. Reden ohne Punkt und Komma? Mitnichten. Denn vielmehr hat sich sein Autor Scholem Alejchem (1859-1916) für eine ganze Fülle an Satzzeichen entschieden, um der Dynamik der freien Rede gerecht zu werden und einen gewitzten Idiolekt für seinen duldsamen Protagonisten zu kreieren. Entstanden ist so ein kauziges Parlando, gespickt mit jiddischen Sprichwörtern und Redewendungen und angereichert mit hebräischen und aramäischen Gelehrsamkeitsfloskeln (die mitunter völlig falsch wiedergegeben werden). Und tatsächlich ist es die farbenfrohe, reiche Sprache, die den Roman „Tewje, der Milchmann“ (Manesse Verlag, 2016) zu einem Klassiker der modernen jiddischen Literatur gemacht hat, der sich auch heute noch mit Gewinn lesen lässt. . Die Beliebtheit des Romans – bestehend aus zusammenhängenden, in sich abgeschlossenen Erzählungen, veröffentlicht zwischen 1894 bis 1916 – führte dazu, dass in den 1960er Jahren eine nostalgisch-verkitschte Musical-Version des Stoffes entstand, die wenig später auch erfolgreich verfilmt wurde: „Fiddler on the roof“ (deutsch: Anatevka). Doch im Gegensatz zur Hollywood-Schmonzette spart Alejchems Buch die Armut und die Repressalien des ostjüdischen Lebens nicht aus, auch wenn diese durch den Erzähler Tewje oft ironisch gebrochen werden. Aber hier geht es eben nicht nur um die Irrungen und Wirrungen beim verzweifelten Versuch, die sieben Töchter an den Mann zu bringen, sondern auch um den wachsenden Antisemitismus im Zarenreich, der immer wieder zu blutigen Pogromen führte und Tausende von Jüdinnen und Juden letztlich ins Exil trieb. @literaturpalast (Instagram)

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Wie bei allen Manesse-Büchern, die ich bis jetzt so besitze, habe ich sofort nach dem Auspacken den Umschlag abgenommen und war begeistert von der Schlichtheit des Buches. Das Cover gefällt mir aber auch so sehr gut. Dieses Buch wollte ich nicht nur deshalb unbedingt lesen, weil es ein Klassiker der Weltliteratur ist, sondern auch, weil es dauernd in irgendwelchen amerikanischen Filmen/Serien auftaucht. Ist euch das mal aufgefallen? Immer wird das Stück von irgendwelchen Kindern aufgeführt, dauernd taucht es auf und wird ein bisschen anders interpretiert. Ich erinnere mich am Besten an die Szene bei Gilmore Girls, wo Kirk von Luke verlangt, dass er seinen Wagen so gestaltet, dass er sehr schwer zu ziehen ist - und Kirk den Wagen am Ende dann wirklich kaum ziehen kann. Aber genug von den Gilmore Girls, reden wir über das Buch selbst. Obwohl der Milchmann Tewje eigentlich ein eher armer Mann ist und sein Leben nicht gerade leicht ist - es sich hierbei also um ein ernstes Thema handelt -, muss man beim Lesen öfter Schmunzeln. Der Schreibstil ist wunderbar, ein so gewichtiges Thema auf diese humoristische Art und Weise zu erzählen - das muss gelernt sein, das kann nicht jeder Autor! Endlich verstehe ich, warum mir diese Geschichte dauernd überall begegnet und nun kann ich auch die ganzen Anspielungen darauf verstehen. Jedoch hat es sich nicht nur deswegen gelohnt, dieses Buch zu lesen, sondern auch weil die Geschichte mich ergriffen hat. Außerdem habe ich zusätzlich viele neue Dinge gelernt, die ich davor nicht wusste. Man erfährt also viel über das Judentum und das Lesen macht wirklich Spaß, es war auch überhaupt nicht anstrengend. Dieses ständige "[...], sage ich, [...], sage ich, [...], sage ich, [...]" nervt mich jedoch sehr. Aber ich toleriere es, da ich verstehe, dass es einfach zu Tewjes Art und Weise des Erzählens dazugehört. Fazit Dieses Buch ist ein sehr schön geschriebener Klassiker, den meiner Meinung nach jeder kennen sollte.

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as Musical „Fiddler on the Roof/Anatevka“ ist weltbekannt, doch auch mir war nicht richtig bewusst, dass hinter diesem eine literarische Vorlage steckt, die von vielen längst vergessen ist. In Tewje, der Milchmann erzählt uns der Protagonist Tewje aus der Ich-Perspektive aus seinem Leben und den Problemen seiner Familie um die Jahrhundertwende in Osteuropa. Hier blitzt immer wieder der berühmte jiddische Humor auf, mit dem der Milchmann auch mit schwierigen Situationen umgehen kann. Anfangs fiel es mir schwer, in die von Zitaten gespickte Sprache hineinzukommen, gleichzeitig erlaubt der Roman aber einen tollen Einblick in jüdische Sprichwörter und in die religiösen Verse, in denen das Leben abgebildet wird. So gibt es in Tewjes Leben keinen Moment, den er nicht mit einem Spruch begleiten kann. Tewje, der Milchmann ist ein Roman, der gekonnt von den Höhen und Tiefen des Lebens erzählt. Oftmals war es schwer, beim Lesen zwischen Ironie, Tragik und Humor zu unterscheiden. Tewje ist ein Kämpfer und für mich gewinnt die Handlung gerade im letzten Drittel besonders an Stärke, wenn sich die Bewohner mit dem zunehmenden Judenhass in Osteuropa unschlüssig über ihr Tun beispielsweise dazu entschließen, Tewje zu bitten, doch selber die Scheiben seines Hauses einzuschlagen und Tewje, bedroht durch Pogrome, immer noch über das Leben sinniert. Der Schriftsteller Scholem Alejchem musste Anfang des 20. Jahrhunderts selber seine Heimat in der Ukraine verlassen und in die USA emigrieren. Er hat die Situation der Juden selber miterlebt und erzählt gekonnt von dieser, wenn aus Nachbarn plötzlich Feinde werden sollen oder gar müssen und das Leben auf Grund der Religion bedroht wird. Tewje, der Milchmann ist damit ein wichtiges Werk nicht nur der jiddischen Literatur, zeigt es doch eine längst vergangene Zeit auf und gibt ein Portrait des Lebens der Ostjuden vor dem Zweiten Weltkrieg wieder. Fazit: Tewje, der Milchmann erzeugte bei mir eine Ambivalenz bei dem Versuch, den Roman zu bewerten. Die Erzählweise war für mich etwas komplett neues und konnte mich nicht immer „mitnehmen“, dennoch ist Scholem Alejchems auch ein wichtiges Zeitdokument und ich finde es toll, dass der Manesse Verlag den Roman neu aufgelegt hat. Ich gebe dem Buch 3 von 5 Sternen und vergebe eine Leseempfehlung an alle, die sich für jiddische Literatur interessieren. An diesem Roman darf man nicht vorbeigehen!

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Pars pro toto

Von: f

27.04.2016

Tewje, der Milchmann, ist ein Klassiker der jiddischen Literatur, sein Autor Scholem Alejchem ist einer ihrer herausragenden Repräsentanten. In Tewje hat er eine Figur geschaffen, in deren persönlichem Schicksal sich das Schicksal der Ostjuden um die vorletzte Jahrhundertwende spiegelt. Noch in den alten Denkmustern gefangen, gottesgläubig und Gott ergeben steht er machtlos vor dem Neuen: neue soziale Verhaltensweisen, revolutionäres Gedankengut, der wieder aufkeimende Antisemitismus zerstören im Lauf der Jahre seine einst heile Welt. Am Ende der Geschichte ist er ein aus dem Land Getriebener, wird er zum Diaspora-Juden. Die hier vorgelegte Neuübersetzung orientiert sich mehr am Original wie die bisherige Übertragung ins Deutsche. Dadurch wird der Wortwitz Tewjes klarer, sein oft vergebenes Bemühen, die Schrift zu verstehen und die biblischen Sprüche auf die konkreten Situationen anzuwenden. Das Buch kann jedem, der sich ein wenig für Jüdisches, insbesondere für jiddische Literatur interessiert, in dieser Ausgabe nur wärmstens empfohlen werden! (zur vollständigen Buchbesprechung führt dieser Kurzlink: http://wp.me/paXPe-8MG)

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Tewje, der Milchmann ist ein Klassiker der jiddischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Der Schweizer Manesse Verlag bringt diesen Roman – der in den 1960er Jahren weltweit durch die Musical-Adaption „Anatevka“ / Fiddler on the roof“ zu großer Beachtung gelangte - jetzt neu in der Übersetzung von Armin Eidherr heraus. Angesiedelt im russischen Kaiserreich gibt das Buch Einblicke in das ostjüdische Leben um die Jahrhundertwende. Der Autor Scholem Aljechem (Scholem Rabinowitsch) zeigt ein karges Dasein, geprägt von Schikanen und Pogromen der zaristischen Regierung. Tewje, der Milchmann erzählt in lose zusammenhängenden Kapiteln aus seinem Leben; Armut und Bedrängnis werden dabei durch Zweckoptimismus und feine Ironie gemildert, ja überhaupt erst erträglich gemacht. Dabei vereinfacht er Bibelgeschichten und missinterpretiert Richtlinien des Talmud zu seinen Gunsten. „Der eine wird erhöht, der andere wird erniedrigt, das heißt: Der eine fährt, der andere geht zu Fuß. Aber die Hauptsache ist Gottvertrauen, ein Jude muss hoffen, nichts als hoffen“ , sinniert er während des Milchausfahrens . Mit Pferd und Wagen und ein paar Kühen muss eine große Familie ernährt werden, dabei gilt es vor allem die sieben Töchter gut zu verheiraten -- jedoch „Der Mensch denkt, Gott lacht“ und so widersetzen sich die jungen Frauen eine nach der anderen seinen Wünschen, jede wählt einen Ehemann, den Tewje (zunächst) nicht akzeptieren kann. Doch findet er sich schließlich in sein Schicksal, erwirkt sogar die Zustimmung Goldas, der Ehefrau und Mutter - denn „gemeinsames Leid ist halber Trost“ und er ist ein zu guter Vater, um sich von den Töchtern abzuwenden. Die Darstellung jüdischen Alltagslebens in Osteuropa, vor allem aber die des Tewjes als Vater, ist Scholem Alejchem glänzend gelungen. Aus seinem Buch, aus seinem Tewje spricht so viel Herzensbildung, so viel Lebensklugheit, dass es als Trost und Inspiration immer wieder zur Hand genommen werden kann. Anmerkungen: Das Musical Anatevka wird noch bis 30.4.2016 in Dresden aufgeführt. Am 18.4.2016 wird das Buch in der Israelischen Kultusgemeinde München präsentiert.

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