Leserstimmen zu
Die Gedichte

Hans Sahl

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Hardcover
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Nachdem ich schon von den ersten drei Gedichten der elektronischen Leseprobe begeistert war, stellte sich auch das Gesamtwerk als absolut empfehlenswert heraus. Ähnlich zu Hilde Domin finden wir hier v.a. Erinnerung und Vergangenheitsbewältigung thematisiert - bei ihm aber sehr oft in die Richtung Aufmerksamkeitsverlust und Verdrängung, gegen die er nicht erst nach '45 anschrieb. Dabei geht er selten ins Private, sondern bleibt meist politisch motiviert [ein Gedicht mit dem Titel "Meinem Sohn Tobias" stellt z.B. keine Liebesbekundung an sein Kind dar, sondern eine Aufzählung all der Missstände und Kriege , in die sein Sohn hineingeboren wird]. Es fiel mir angenehm auf, dass Sahl nicht nur einseitig Deutschland kritisiert, sondern später [etwa im Gedicht "Vietnam"] auch das Land, das in aufnahm, in Frage stellt. Zunehmend kommen auch das Altern sowie der persönliche Verlust stärker in seinen Gedichten vor. Den Einfluss der großen politischen Ereignisse beschreibt er ebenso gut wie Einzelschicksale. Obwohl oft sehr ernste, mahnende Worte gewällt werden, ist die Erzählweise trotzdem eher sanft. Sahl wütet nicht, bleibt aber direkt. Viele Gedichte sind im freien Vers und ohne festes Metrum geschrieben, was er meiner Meinung nach auch besser beherrscht als die wenigen Gedichte mit festem Reimschema. Auch das Schreiben an sich bzw. die Macht der Worte kommen in seinem Gedichten vor. Entgegen Adorno ist Sahl der Meinung, gerade nach Auschwitz müssen Gedichte geschrieben werden, da nur hier das Unfassbar begriffen werden kann. - Nach Lektüre des vorliegenden Bandes kann man ihm damit nur noch Recht geben. Eindrücklich, mahnend, sanft - alles zusammen. [In meiner Videorezension gibt es zu fast allen Aussagen auch Beispielzitate.]

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