Leserstimmen zu
Die Erfindung des Lebens

Hanns-Josef Ortheil

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„Mein Geschenk ist die Schrift, ich setze mich an den Schreibtisch, ich trinke weiter in kleinen Schlucken, ich schreibe.“ Hanns-Josef Ortheil ist Professor für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim sowie renommierter Autor vieler Romane und Drehbücher. In seinem autobiografischen Roman Die Erfindung des Lebens erzählt er in einer Mischung aus Erinnerung, Reflexion und Beobachtung einen Teil seiner beeindruckenden Lebensgeschichte. „Damals in meinen frühen Kindertagen, saß ich am Nachmittag oft mit hoch gezogenen Knien auf dem Fensterbrett, den Kopf dicht an die Scheibe gelehnt, und schaute hinunter auf den großen, ovalen Platz vor unserem Kölner Wohnhaus.“ Detailreich und einfühlsam berichtet Ortheil von seiner Kindheit, in der sowohl er selbst als auch seine Mutter stumm waren, sowie von seiner Karriere als Pianist, die schließlich in Rom scheiterte. Etwa dreißig Jahre nach seinem Fortgang aus Rom, begibt Ortheil sich erneut nach Italien und erzählt die Geschichte, wie er als einziges überlebendes Kind seiner Eltern zum Schreiben fand. Dabei beweist er ein ungeheures Erzähltalent. Es ist nicht leicht seinen Erzählstil zu beschreiben. Seine Worte sind stets leicht und seine Schilderungen direkt. Und doch ergibt sich aus ihnen eine tiefe Poetik. Er schildert die alltäglichen Routinen seiner Kindheit als die Nebensächlichkeiten, die sie waren, aber trotzdem wird für den Leser deutlich wie sehr Ortheil durch sie geprägt wurde. Es ist absolut beeindruckend, wie es Ortheil gelingt, sich in seine Kindheit zurückzuversetzen und die Welt noch einmal mit den Augen eines Kindes zu betrachten.  Der Roman ist im btb-Verlag auch als Geschenkausgabe erhältlich. Das handliche Format (9,0 x 15,0 cm), der Leineneinband mit Lesebändchen und das hochwertige Papier machen ihn zu einem echten Hingucker und damit zum idealen Mitbringsel für Buchliebhaber.  Die Erfindung des Lebens – Eine poetische Autobiographie, die von der Geburt eines Künstlerdaseins erzählt.

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Ein Applaus für Ortheils Unvermögen

Von: Tanja Jeschke aus Stuttgart

02.06.2016

Hanns-Josef Ortheil hat schon einige Liebesromane geschrieben, und jedes Mal geht er mit seltener Überzeugungskraft das Risiko ein, die fast ans Naive grenzende Freude am schönen Leben nicht nur zwischen den Zeilen der Beziehungen unterzubringen, sondern sie glänzend und begeistert direkt im Text auftrumpfen zu lassen. Wie schafft er es, dass man ihm das Weglassen des allzu Schmerzlichen augenzwinkernd verzeiht? Und wie bringt er dieses Herzklopfen zustande, mit der man seiner schönen Sprache auf ihrem Fluss folgt, als gleite man in einem Kahn zwischen stillen grünen Ufern? Sein neuer Roman mit dem etwas aufgebauschten Titel „Die Erfindung des Lebens“ ist ein Roman, dessen Liebe sich auf ihn selbst bezieht, eine autobiografische Geschichte also, deren Inszenierung trotz ihres dunklen Anfangs eine rauschhafte Hochgestimmtheit verbreitet, der man sich gerne hingibt. Ein Junge wächst stumm neben seiner Mutter auf, der die Verluste von vier Söhnen vor diesem letzten die Zunge vollständig gelähmt hat. Die Genialität seines Vaters rettet ihn aus seiner Isolation, und wie dieser Sprachgewinn vor sich geht, verschlägt wiederum dem Leser die Sprache – das ist ungeheuerlich und kann hier nicht einmal skizziert werden. Der Junge lernt Klavier spielen und geht später nach Rom, um Pianist zu werden. Alles an ihm ist vielversprechend, alles genial und wundersam, das liest sich herrlich, und selbst eine banale Sehnenscheidenentzündung, die seine Karriere zerstört und ihn zum Schriftsteller macht, dient noch dem Eindruck, dass wir es hier nicht nur mit einer ungewöhnlichen Biografie zu tun haben, sondern mit einem großartigen Buch über das, was Literatur im Letzten ist: ein Handicap, ein überwundenes zwar, aber eben doch ein Ersatz für Unvermögen. Am Schluss gilt dann auch die eigentliche Hymne der Geschichte dem Klavierspieler, der nach langen Jahren wieder vor jubelndem Publikum auftritt, und so feiert Ortheil hier seinen Genuss, nicht ohne ihn - ein wenig verliebt ins eigene Talent und mit vollendeter Geste - an seinen Leser weiterzureichen.

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