Leserstimmen zu
Liebesnähe

Hanns-Josef Ortheil

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So läuft es nicht

Von: Katelijne aus Aachen

18.02.2018

Dieses Buch is enttäuschend. Es ist wie ein Dodo, ein Vogel, der nie gelernt hat zu fliegen, und inzwischen ausgestorben ist, er hatte eine zu fette Brust und hat sich nur von gegärten Früchten ernährt. Genauso tun es die Hauptpersonen in diesem Roman. Sie trinken die ganze Zeit und wollen fliegen, heben aber nicht ab. Außerdem sind sie zusammengewürfelt. Sie hat am Anfang "große Hände", die aber in der Mitte des Buches anders aussehen "ihre kleinen, kräftigen Hände". Wie denn nun? Es gibt aber noch viel mehr Unstimmigkeiten und sehr fragwürdige Zufälle "Ja, sicher, Sie können in dieses fremde und von einer Dame belegte Hotelzimmer eindringen und dort bleiben, so lange, wie Sie wollen, ich schließe Ihnen auf". Hahahaaaa. Sorry, aber so läuft es nun wirklich nicht.

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Liebe, Muße und Sekt

Von: Tanja Jeschke aus Stuttgart

02.06.2016

Dass ein großer Erzähler wie Hanns Josef Ortheil erneut zum Thema „Liebe“ greift, liegt nahe. Nach „Die große Liebe“ (2004) und „Das Verlangen nach Liebe“ (2007) schließt er nun die Trilogie mit „Liebesnähe“ ab. Die Figuren seines 2011 erschienenen Romans kreisen in einem Liebesuniversum wie Planeten umeinander, deren Magnetismus von japanischer und deutscher Mystik zugleich aufgeladen scheint. Jule Danner, die schöne Frau und passionierte Schwimmerin, wird von Johannes Kircher in einem Luxus-Hotel im Voralpenland entdeckt, beobachtet und – zunächst schweigend – geliebt. Andersrum genauso. Die Dramaturgie ist perfekt, die Figuren treten frei und reich auf jeder Buchseite ins rechte Licht, und immer gibt es genug Muße und Sekt. Die Welt bleibt draußen und stört nicht weiter. Was im Hier und Jetzt geschieht ist die Zubereitung von Kunst, Genuss und künstlerischer Existenz in reiner Form. Während er als Autor arbeitet, dreht sie Videos ihrer Installationen, in denen immer sie selbst die Hauptrolle spielt. Der Pool auf dem Hoteldach wird zum Raum von Licht und Schönheit. Es geht ihr um die Inszenierung des tausendjährigen „Kopfkissenbuchs“ der Hofdame Sei Shoragon aus dem alten Japan. Und Johannes lässt sich einspinnen in dieses Spiel der Annäherung, das viel zu oft viel zu ausgeklügelt und manieriert wirkt, um zu überzeugen. Das Zelebrieren ästhetischer Umgangsformen und genialischer Lebensräume vollzieht sich allzu wunderbar. Die sparsamen Momente der Nähe platzen aus den Nähten einer seltsamen Geheimniskrämerei, als die beiden sich endlich in einem eigens für die gegenseitige Offenbarung eingerichteten Holzhaus-Idyll zusammenfinden. Vornehme Kellner tragen die Speisen über die Wiese, Musik begleitet den Taumel, formvollendet stoßen die Phänomene der Liebe ihre Sektkelche aneinander. Wo sind die Hindernisse, die Wunden, die Kämpfe? Literatur wird so zum Blick durch die Kamera in eine Art Meditationstempel der Liebe. Oder ist es doch eher Narzissmus?

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