Leserstimmen zu
Die ungeheuere Welt, die ich im Kopfe habe

Louis Begley

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Wenn es einen deutschsprachigen Schriftsteller gibt, für den es ausreichend Sekundärliteratur gibt, dann ist es Kafkas Franz. Zur Quasi-Primärquelle der Biographie von Max Brod gesellen sich die von Klaus Wagenbach, die gerade abschlossene dreibändige von Reiner Stach, an der sich inzwischen sicher alles messen lassen muss und viele weitere. Es gibt Kafka Handbücher (z.B. das zweibändige von Binder) und Interpretationshilfen für Schüler. Dazu kommen nicht zuletzt Essays von Adorno, Walter Benjamin, Camus und Canetti, Kundera, to name a few. In dieser illustren Reihe hob Louis Begley den Finger, denn auch er will was zu Franz schreiben. cover.doDie Voraussetzung für die Notwendigkeit einer weiteren Studie sind hoch, denn wirklich neues wird, insbesondere solange der vollständige Nachlass Max Brods nicht gesichtet werden darf, für lange Zeit nicht zu erwarten sein. Begleys Text hat dazu noch das Pech im Jahr 2008 erschienen zu sein, also im selben, in dem auch der zweite Band der Stach-Biographie Die Jahre der Erkenntnis auf den Markt kam. In Ermangelung neuer Erkenntnisse hat sich Begley also dazu entschieden ein Buch zu schreiben, das bereits auf den ersten Seiten deutlich macht welche Intention der Autor verfolgt: dem riesigen Markt einen weiteren Titel des Mittelmaßes hinzuzufügen. Dazu ist das Ergebnis eines, das de facto keine Leserschaft finden dürfte. Für gänzliche Kafka-Novizen, die es aufgrund der Einheitsschulbildung im deutschsprachigen Raum kaum geben dürfte, vielleicht eine Spur zu viel, für Leser mit Vorbildung zwei Level zu niedrig. Zwangsläufig stellt sich die Frage, ob das Buch gezielt für den amerikanischen Markt geschrieben wurde, das wiederum machte das Bedürfnis nach einer Übersetzung obsolet. Aber selbst wenn Du, lieber Leser, ein solcher Fan bist, der einfach alles von oder über seinen Helden Kafka (Begley?) lesen möchte, muss ich Dir von Die ungeheuere Welt, die ich im Kopfe habe abraten, denn selbiges liest sich wie eine Quellensammlung, in der Begley nur die Überleitung zwischen den seitenlangen Zitaten geschrieben hat. Lesefluss ist so völlig ausgeschlossen und stattdessen regt sich leiser Groll auf den „Biographen“, ob seiner copy-paste-Methode und vor lauter eingerückten Stellen. Willst Du einen Überblick über Kafka, lies doch einfach den ausführlichen Wikipedia-Artikel, möchtest Du tief einsteigen, wage Dich an Stach (der mir stellenweise zu schwülstig ist, aber vor dessen Mammutwerk man den Kopf neigen muss) oder wie wäre es damit: lies doch mal wieder Kafka!

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