Leserstimmen zu
Ludwig II.

Oliver Hilmes

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Oliver Hilmes und der Märchenkönig - das passt. Der Shootingstar unter den deutschen Biografen hat ein Faible für schillernde Gestalten der Romatik. Seine wissenschaftlichen und biografischen Meriten hat Hilmes an der Schnittstelle von Musik und Politik erworben - bislang allerdings mit musischem Schwerpunkt: Über Franz Liszt hat er geschrieben, über dessen Tochter Cosima, die Richard Wagner geheiratet hat, schließlich über deren gemeinsame Kinder. Mit dem Wagner-Clan und seiner Zeit kennt sich Hilmes aus. Umso verheißungsvoller ist der Untertitel seiner neuen - eher politischen - Biografie über Wagners Finanzier und Förderer Luwig II.: "Der unzeitgemäße König". Vor 150 Jahren wurde er gekrönt. Es existieren gewissermaßen zwei Ludwigs, so Hilmes, die Kunstfigur und die historische Persönlichkeit. Von Anfang macht der Biograf klar, was der Leser auf den 446 Seiten zu erwarten hat - und was nicht: Auch wenn das kunstfertige Cover Anderes vermuten lässt, geht es Hilmes um die historische Figur des bayrischen Königs. Er will mit wissenschaftlichem Anspruch und anhand harter Fakten neue Erkenntnisse zu Tage zu fördern und sich daran messen lassen. Hilmes legimiert seine Ludwig-Biografie mit vielfachen (und mitunter zu offensiv vorgetragenen) Hinweisen auf die von ihm neu erschlossenen Quellen. Als erster Ludwig-Biograf hat Hilmes eine stattliche Zahl von Briefen und Tagebüchern aus dem königlichen Umfeld eingesehen und ausgewertet - vor allem im lange verschlossenen Geheimen Hausarchiv der Wittelsbacher Dynastie. Je länger Ludwigs (chronologisch geschilderte) Lebensgeschichte dauert, desto erhellender werden die aus den Akten geborgenen Gedanken und Worte von und über den Kini (König). Hilmes hat in gewisser Weise einen Kini-Krimi geschrieben, in dem er als Archiv-Detektiv dem König und den Intrigen seines Hofes nachspürt. Das gelingt ihm über weite Strecken fesselnd. Vor allem die Überlieferungen von Bismarcks Mann in München, Georg von Werthern, erweisen sich als wertvolle Quelle.Gestützt auf diese und ähnliche Dokumente durchleuchtet Hilmes gekonnt Ludwigs politische Leistungen und Niederlagen im Zeitalter der deutschen Nationalstaatsgründung. Ein kleiner Wermutstropfen: Wie Wethern in seinen Depeschen und Tagebucheinträgen berichtet Hilmes eher über die Akte Ludwig, als dass er den König zwischen Buchdeckeln wieder zum Leben erweckt. Mitunter beschränkt er sich darauf, zwischen neu entdeckten Zitaten zu moderieren, anstatt Ludwigs Lebensgeschichte zu erzählen. Allerdings erlaubt dieser analytische Zugang auch spannende Einblicke: So erfährt der Leser, wie sich Wagner und Ludwig umschwärmen, weil sie einander brauchen. In der Alltagswelt ist der Komponist auf seinen Mäzen angewiesen - in dessen Traumwelten ist es umgekehrt: Dort regiert Ludwig nicht das Bayern an der Schwelle des 20. Jahrhunderts; er herrscht stattdessen über die verklärten alten Reiche, die der verehrte Meister in seinen opulenten Opern heraufbeschwört. "Es giebt einen einzigen Weg zur Erregung seiner sympatischen Seelenkräfte zu gelangen, lässt Hilmes Wagner sagen, und diess bin ich, meine Werke, meine Kunst, in denen er die eigentliche wirkliche Welt ersieht, während alles Uebrige ihm wesenloser Unsinn dünkt." Wagners Musik konnte bei ihm eine Euphorie bis hin zur Verzückung hervorrufen, aber offensichtlich ließ diese Wirkung auch schnell wieder nach. Dieser Mechanismus fand eine Entsprechung in der Korrespondenz der beiden Männer. Ludwig vermochte es, einen regelrechten Rausch zu Papier zu bringen [...], schwand das Delirium aber, beurteilte er die Dinge rational, gewissermaßen nüchtern. (S. 75)Das Problem: Immer mehr fließen für Ludwig (und von ihm unbemerkt) die bürokratische Alltagswelt und die pompösen Traumwelten ineinander. Der König kann sich besser mit Wagners Bühnengestalten (wie dem mittelalterlichen Schwanenritter Lohengrin) identifizieren, als mit der zeitgemäßen Rolle eines volksnahen und parlamentarischen Monarchen. Ludwig verfällt körperlich, psychisch und sittlich auf eine tragische Weise, die ihn von seinem Umfeld entfremdet und die Hilmes akribisch aufschlüsselt. Nüchtern dokumentiert er, wie Ludwig sich selbst in einer Kunstwelt abschottet, dabei jedes Augenmaß für äußere Realitäten verliert, schließlich abgesetzt wird und kurz darauf auf myteriöse Weise im Starnberger See ertrinkt (Hilmes schließt Mord aus): Dabei seziert er die Überschuldung für den Bau von Luftschlössern (S. 289ff.), die entwürdigend-grobe Behandlung von Bediensteten, Ludwigs Gewichtszunahme und seine Angst vor der Schizophrenie, an der sein Bruder Otto zugrunde geht. Um Ludwigs eigene Krankheiten zu deuten (vor allem die des Geistes), zieht Hilmes wie ein Ermittler ausgewiesene Experten zurate: Der Münchner Psychatrieprofessor Hans Förstl [...] glaubt, bei Ludwig eine sogenannte schizotype Störung nachweisen zu können. [...] Die schizotype Persönlichkeit ist oft misstrauisch und neigt zum Grübeln, zeigt sich dann aber wieder flammend begeistert. Ihr Auftreten ist nicht selten unkonventionell und exzentrisch. Das alles trifft [...] auf Ludwig II. zu. (S. 38)Um sein Ziel zu erreichen, der Person Ludwig näherzukommen, dringt Hilmes allerdings auch tief in in die Intimsphäre des Königs ein. Dabei drängt sich ein NSA-Vergleich auf: Nicht alles was möglich ist, ist auch nötig, um sachdienliche Aufklärung zu betreiben. Zwar ist relevant, dass Ludwig homosexuell war und Beziehungen zu Reitknechten unterhalten hat - aber manches hätte ruhig unter der Bettdecke bleiben können. Denn selbst lückenlose Kenntnis privater Praktiken muss nicht zwingend zur Person führen. Im Fall des Märchenkönigs ist die Unterscheidung von historischer Persönlichkeit und Kunstfigur möglicherweise sogar irreführend: Denn die historische Persönlichkeit Ludwig II. hat sich selbst zu einer Kunstfigur gemacht. Diese Kunstfigur macht einen bedeutenden Teil der Person Ludwigs aus, sie lässt sich aber nur unzureichend mit dem rein wissenschaftlichen Handswerkszeug fassen. Fazit: Oliver Hilmes legt eine souveräne Biografie über Ludwig II. vor, die spannende Einblicke in die höfischen Intrigen, die diplomatischen Gepflogenheiten und Winkelzüge zur Zeit der Reichsgründung gewährt. Dieses Buch ist ein Fest für Hobbyhistoriker und solche, die es werden wollen, denn auf interessierte Laien nimmt Hilmes gekonnt Rücksicht. Ein Ziel, das er eingangs in einem Nebensatz formuliert – der Person Ludwigs näherzukommen – hat er aufgrund zweifelhafter Grundannahmen aber nicht ganz erreicht. Denn die Person des Märchenkönigs ist von seinem Mythos nicht zu trennen – auch nicht von einem ausgezeichneten Historiker, der es glänzend versteht, sein Sujet für ein breiteres Publikum zu öffnen. Oliver Hilmes hat kurzweilig durch die Akte Ludwig moderiert. Was Ludwig auch ausmacht: den Zauber des ewig geheimnisvollen Lebens als Kunstwerk hat er weniger abgebildet – allerdings hat er das auch nicht gewollt...

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Das Buch in drei Worten? Strukturiert, übersichtlich, fesselnd. Der Inhalt? Oliver Hilmes Biographie zu Ludwig II. von Bayern konnte mich vollauf begeistern. Oliver Hilmes geht dabei strukturiert und wissenschaftlich geordnet vor, ohne trocken, langatmig oder überfordernd zu sein. Es wird dem Leser ein umfassendes Bild des Lebens Ludwig II. präsentiert, das einen Bogen zwischen Wahrheit, Mythos und Verborgenem schlägt. Dabei wurden erstmals Briefe und Dokumente aus dem Geheimarchiv ausgewertet, die einen vollkommen neuen Blick auf bislang umstrittene Ereignisse im Leben des Monarchen ermöglichen. Dabei konnte mich die Biographie begeistern und mitreißen. Man lernt einen unzeitgemäßen Monarchen zwischen Pflicht und Lustprinzip kennen, der sich seine eigene Phantasiewelt verwirklichte. Der Schreibstil? Oliver Hilmes hat einen sehr angenehmen Schreibstil. Wissenschaftlicher Sprachduktus und populärliterarische Nutzbarkeit halten sich die Waage. Es fiel mir dadurch nicht schwer, seinen Gedankengängen, Theorien und Ideen zu folgen. Im Gegenteil, der Autor lädt dazu ein, sich näher mit dem unzeitgemäßen Monarchen zu beschäftigen. Unterstützt wird dies vor allem durch die wissenschaftliche Arbeitsweise, Zitate und Bibliografien. Mehr als einmal habe ich mir in der Bibliografie Belegstellen herausgesucht und mir die verwendeten Stellen angesehen (soweit das möglich war, da Oliver Hilmes auch einige, bislang unzugängliche Quellen nutzen durfte). Es hat mir vor allem sehr gefallen, wie das Buch strukturiert wurde. Ein Leben über einen Verstorbenen zu verfassen, dessen Leben aus heutiger Sicht nur noch schwer nachzuvollziehen ist, ist keine leichte Aufgabe. Daher wurde die Biografie chronologisch angeordnet, zeitgleiche Ereignisse wurden dann thematisch gebündelt präsentiert. Positives? Ich hatte die Biografie Ludwig II. unterstützend zu einer Vorlesung durchgearbeitet, was mir ein besseres Verständnis sowohl für Ludwig als auch dessen Zeit ermöglichte. Oliver Hilmes schafft es mit seiner Biografie, Ludwig als einen Menschen darzustellen. Er fällt kein Urteil oder mythologisiert den Märchenkönig noch weiter. Durch die bislang ungesehenen Dokumente werden eine Reihe neuer Ereignisse beleuchtet, die vorher im Dunkeln lagen. Zwar konnte auch Oliver Hilmes die mysteriösen Umstände des Todes des Monarchen nicht aufdecken, dafür aber eine allumfassende, fesselnde und informative Biografie schaffen. Empfehlung? Jedem, der sich für Ludwig II. oder die Zeit des 19. Jahrhunderts interessiert, findet hier eine informative und umfassende Beschreibung eines Monarchen, der seiner Zeit voraus war. Wissenschaftlich wird verständlich dargestellt, sodass sich diese Biografie nicht nur an Geschichts- und Literaturwissenschaftler wendet. Mit einer ausgefeilten Wortwahl und viel Sinn fürs Detail berichtet Oliver Hilmes vom Leben des Märchenmonarchen Ludwig II. von Bayern. Herzlichen Dank an den Pantheon Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu „Ludwig II. Der unzeitgemäße König“.

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Meine Meinung: Ich kann nur BOOOOOOOM sagen. Das Buch hat mich mit Informationen & Daten zu gebombt. Es hat mich förmlich erschlagen. Ich muss ehrlich sagen das es der Grund war, warum ich das Buch abgebrochen habe. Ich habe für mich festgestellt das ich mit Biographien von Legenden oder ich sags mal wie es meinen Freunden sagen würde ,, Ich lese fürs erste keine Biographien über >> alte oder tote Leute << lese" da mich das für mich zu sehr an den Geschichts- Unterricht erinnert. Aber das ist nur mein persönliches Verhalten. Das Buch ist dagegen ist sehr schön. Das ist nur meine Beziehung zu dem Genre, was mich überrascht hat, Ich habe bis jetzt nicht sehr anspruchsvolle Biographien gelesen. Ich habe nur Biographien über ,,Stars" gelesen Ich glaube das Buch war zum Einstieg nicht das richtige. Es war mir zu anspruchsvoll was aber gleichzeitig auch wieder gut ist. Aber ich bezweifle das dass Genre in meinem Alter beliebt ist. Ich finde das ich mit meinen zarten sechszehn Jahren ein Buch von Oliver Hilmes noch nicht verstehen muss. Es war nicht mein Fall, aber ich werde ab und zu mal wieder reinlesen, da es mich trotzdem sehr reizt.

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Märchenkönig. Unser "Kini". Die menschenscheue Künstlerseele. Der Verrückte mit dem Bauspleen. Der durchgeknallte Bruder vom noch durchgeknallteren Otto. Kaum eine historische Figure hat mehr unterschiedliche Zuschreibungen erhalten als Ludwig II., Bauherr von gleich drei Schlössern und seit seinem Tod im Starnberger See von Spekulationen umgeben, die es einem Biografen nicht unbedingt einfach machen. Zum Glück hat sich Oliver Hilmes dieser Aufgabe angenommen, der mit seinen Biografien bisher geschafft hat, die ausgewählte Persönlichkeit in kraftvollen, aber nie übertriebenden Farben zurück ins Leben zu holen. Auch diese Biografie hier ist hervorragend recherchiert (Hilmes durfte viele Akten, die im Geheimen Staatsarchiv des Hauses Wittelsbach einlagern, erstmals auswerten) und Hilmes zeigt auch sehr genau, welche Quellen er verwendet, begründet, warum er Aussagen für glaubhaft hält und andere weniger, und vor allem: er schildert den letzten Lebenstag Ludwigs in nur sehr wenigen Sätzen, nämlich mit den Ereignissen, für die es definitive Belege gibt. Dass die Biografie mich trotzdem nicht so ganz begeistern konnte, ist einzig und allein der Tatsache geschuldet, dass sie hier und da erhebliche Längen aufweist, wenn sie sich der Beschreibung der politischen Situation und des politischen Klüngelspiels der Reichsgründung 1871 widmet - das war für mich beim Lesen wenig druchschaubar und ich gebe zu, dass ich da dann nicht mehr ganz so aufmerksam gelesen habe. Denn vielmehr hat mich interessiert, warum Hilmes diesen Untertitel vom "unzeitgemäßen König" gewählt hat. Ludwig II., so der Autor, hat das große Problem, in einer vollständigen Zeitenwende zu leben, die seinen eigenen Vorstellungen von der Monarchie und vom König völlig widerspricht. Aufgezogen in dem festen Glauben an die Unumstößlichkeit der Monarchie und der Heiligkeit seines Amtes, ist er gleichzeitg ein extrem intorvertierter Mensch. Als er mit grade einmal 19 die Nachfolge seines Vaters antreten muss, kommt somit ein Mann auf den Thron, der genaue Vorstellungen von der Königswürde hat, darüber hinaus aber sehr abhängig von seinen Beratern und Minitersn wird. Als mti der Reichsgründung 1871 seine Monarchie ihre selbstempfundene Alleinherrschaft aufgeben muss, zeigt sich, wie sehr Ludwig letztlich im Absolutismus verhaftet geblieben ist (und das, obwohl selbst der in Bayern schon lange aus der Mode gekommen war). Seine Leidenschaft für Kunst rückt für ihn in den Mittelpunkt, die Bauprojekte sind der Versuch, die glorreiche Vergangenheit der Monarchie zurückzuholen - nicht umsonst nimmt er sich immer wieder den absolutistischen Königshof der vorrevolutionären Frankreichs zum Vorbild. Für mich völlig neu war, dass Ludwig sogar darüber nachdachte, außerhalb Bayerns eine neue Monarchei im strengen Absolutismus zu errichten - na ein Glück für Afghanistan, Korfu oder Südamerika (die alle als Kandidaten in Frage kamen). Diese These kann Hilmes das Buch über wirklich gut belegen und spekuliert nur serh wenig über die Frage "verrückt oder nicht". Immerhin ist Ludwigs Burder Otto zeit seines Lebens dank seiner Schizophrenie in psychiatrischer Pflege, auch eine weitere Tante hat schizophrene Züge, und die Obduktion Ludwigs ergibt, so die Auswertung des Protokolls, Gehirnveränderungen, die durchaus die Schlussfolgerung zulassen, dass Ludwig ebenfalls eine Krankheit hatte, die ähnlich wie Alzheimer das Gehirn zersetzt und vor allem seine am Lebensende extrem häufigen, brutalen und letztlich völlig absurden Wutausbrüche und Fressattacken erklären würde. Aber Hilmes stellt das dar, erklärt es aber nicht zur endgültigen Lösung - hervorragende Arbeit für einen Biografen! Insgesamt ist das Buch wirklich gut als Biografie. Es ist die erste Biografie über einen Politiker, die Hilmes verfasst hat, hat also hier und da politische Längen. Aber letztlich wieder einmal der Beweis, das der Mann es einfach drauf hat!

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Oliver Hilmes ist als Autor von Biografien für mich längst kein Unbekannter mehr, seine Biografien gehören für mich schon fast zur Pflichtlektüre. So kam es auch, dass ich, als an Blaublütern eigentlich uninteressierter Leser, auch zu der von ihm verfassten Biografie König Ludwig II. von Bayern griff. Der Märchenkönig war für mich längst kein Unbekannter und besonders die nicht immer ungetrübte Beziehung zu Richard Wagner interessierte mich. Eindrucksvoll und anschaulich berichtet Hilmes über den Lebensweg Ludwigs von der Kindheit, über seine Zeit als Regent bis hin zum Tod, dessen Ursache bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte. Ludwig wird in all seinen Facetten und Widersprüchen beschrieben. Auch geht Hilmes anhand von Zeitdokumenten Gerüchten nach, die er entsprechend belegt erhärten oder auch verwerfen kann. Oliver Hilmes ist es mit dieser Biografie gelungen, wertungsfrei ein sehr umfassendes Bild von Ludwig II. zu zeichnen. Dieses wird durch eine Vielzahl an in der Biografie zitierten Zeitdokumenten untermauert. So wird nicht nur Bekanntes vertieft, sondern auch bislang unbekanntere Seiten werden dem Leser offenbart. Mich hat sehr seine Rolle im Krieg gegen Preußen im Jahr 1866 interessiert. Dabei war er zunächst sehr auf Neutralität bedacht, wurde dann aber im Rahmen der Bündnispflichten zur Mobilmachung gezwungen. Seine eigentlichen Kriegspflichten überließ er jedoch seinen Ministern, während er sich in der Schweiz mit Richard Wagner traf. Hilmes hat sich aber auch intensiv mit der Krankengeschichte und dem geistigen Zustand Ludwigs befasst und versucht seine Krankheit nach den heutigen Wissensstand von Psychiatrie und Medizin zu ergründen. Die Biografie ist flüssig und leicht zu lesen, auch die eingefügten Ausschnitte aus Originaldokumenten störten den Lesefluss nicht im Geringsten. Mich hat diese überaus gelungene Biografie veranlasst, auch andere Quellen nachzuschlagen und mich der Musik Richard Wagners nach jahrelanger Abstinenz wieder ein wenig zuzuwenden. Mich hat diese Biografie sehr beeindruckt, sie zeigt mir den Menschen Ludwig, der die Schönheit und das Vollkommene liebte und sich damit umgab, um von den ungeliebten Pflichten in die Märchenwelt von Lohengrin und Co. zu entfliehen.

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Ich lese sehr gern Bücher über die Geschichte Deutschlands und Bayerns. Deswegen war ich sehr auf die neue Biographie über König Ludwig II. gespannt. Wir leben in Bayern und schon als Kind hat mich der Märchenkönig fasziniert. Damals wie heute lieb(t)e ich es, den Fußweg nach Neuschwanstein hinaufzuwandern, durch Hohenschwangau zu schlendern, die tollen Gärten und Wasserspiele in Linderhof zu durchstreifen, mit dem Schiff nach Herrenchiemsee zu fahren oder auch das Sissischloss bei Aichach und die Roseninsel in der Nähe von Starnberg zu erkunden. Schon das Buchcover dieser Ludwig-Biographie fand ich sehr ansprechend. Es ist schlicht gehalten, auf weißem Hintergrund ist der junge König zu sehen. Oliver Hilmes sah für sein Buch "Ludwig II. - Der unzeitgemäße König" als erster Historiker das Geheime Hausarchiv der Wittelsbacher. Er hatte Einblick in den persönlichen Nachlass des "Märchenkönigs". Deswegen fand ich das Buch auch so interessant, da es viel Persönliches über Ludwig II. verriet. Auch Dinge, die ich noch nicht wusste. Man erfährt in diesem Buch sehr vieles über die Familie Ludwigs II., aber auch die Geschichte Deutschlands und Bayerns zu Lebzeiten des Königs wird ausführlich behandelt. Was fasziniert die Menschen heute noch so sehr an diesem König? Sind es die wunderschönen Schlösser mit außergewöhnlicher Ausstattung und einzigartigen Gärten? Ist es der exzentrische König, der zu einer falschen Zeit gelebt zu haben scheint? Ist es der mysteriöse Tod im See, der bis heute nicht aufgeklärt werden konnte? Das Buch gibt in einer wunderbar lesbaren Sprache viele, viele Informationen zu Ludwig II. Auch wenn man bereits einige Biographien gelesen hat, erfährt man doch wieder Neues. Ich bin richtig in die Welt um Ludwig II. eingetaucht, habe mitgefühlt, dass er z. B. als Kind doch ein recht straff durchorganisiertes Programm absolvieren musste, von morgens bis abends, dass er kaum Freizeit hatte. Ich war entsetzt, wie man z.B. seinen Bruder Otto, der wohl psychisch krank war, bis zu seinem Tod von anderen Menschen abschottete, ihn einfach in Schloss Berg einsperrte. Man ist mittendrin in der Geschichte, verfolgt Ludwigs Freundschaft mit Richard Wagner mit, deren Bruch. Man erfährt über die homosexuelle Neigung des Königs, über seine arrangierte Hochzeit, die er im letzten Moment verhinderte. Und man fühlt mit, wie der exzentrische Mann für krank erklärt wird, wie er seiner Macht entzogen wird und ist über den plötzlichen Tod entsetzt. War Ludwig II. wirklich psychich krank oder hat er als Liebhaber der Kunst und der Ästhetik doch einfach nur in der falschen Zeit gelebt? Was ließ ihn zu dem werden, der er wohl am Ende war? War es seine straff durchorganisierte Kindheit, seine Homosexualität, die er nicht frei ausleben konnte? Man weiß es nicht und so wird Ludwig II. wohl immer ein Mythos bleiben und seine Faszination ausüben. Denn nicht umsonst kommen jedes Jahr tausende Touristen nach Bayern um seine Schlösser zu bewundern. Das Buch hat mir sehr gut gefallen und ich habe es kaum aus den Händen legen können. Sehr schön fand ich die direkten Zitate aus den Briefen und die vielen Fotos und Zeichnungen im Buch. Eine wunderschöne Lektüre, die ich Ludwig-Fans bestens empfehlen kann. Ich gebe diesem tollen Buch volle Punktzahl: fünf Sternchen!

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Großzügig und gescheitert – so präsentiert Oliver Hilmes Ludwig II., „der in erster Linie eines war – ein unzeitgemäßer König“. Er zeichnet das Bild des größenwahnsinnigen Monarchen: Pompös regierte der schwärmerische Lieblingskönig der Bayern an allen Realitäten vorbei und plünderte für seine in Stein gehauenen Märchenfantasien nicht nur die Königsschatulle, sondern auch die Staatskassen, so dass die vielen Verschwörungen der königlichen Berater und Ärzte gegen Ludwig durchaus echter Verzweiflung entsprangen. Oliver Hilmes legt starkes Gewicht auf die despotischen Züge des Königs. Er bietet uns eine tragische Figur, einen einsamen Menschen, der sich in der Zeit, in der er lebte, nicht wohl fühlte und deshalb in die Märchenwelt floh, die er selbst und mit ihm viele Untertanen geschaffen hat. (Und auch heute noch schaffen: Die Legende Bayern) Er schreibt in diesem Buch mehr wie ein Historiker und weniger wie ein Schriftsteller. Vielleicht tut er das, um den Eindruck der Objektivität zu erreichen, an dem ihm wohl gelegen ist. Der Autor konnte erstmals das geheime Archiv der Wittelsbacher auswerten. Er tut dies mit der gebotenen Sachlichkeit und Offenheit. Gut und unkompliziert geschrieben. Ein interessantes und gut lesbares Buch, das uns einige neue Aspekte über den unzeitgemäßen König aufwartet. Für mich ist es ein stimmiges Gesamtbild Ludwigs II. (das allen bayerischen Stammtisch-Klischees standhält. interessanter und offener Blick auf ein tragisches Leben. Alles in allem zeichnet Oliver Hilmes ein wenig schmeichelhaftes Bild. Aber von der Nachwelt wurde ausgerechnet der weltfremde Egozentriker und Menschenverächter Ludwig II. zum „Märchenkönig“ stilisiert und Identifikationsfigur für viele. Historische Persönlichkeit und Mythos scheinen eben zwei verschiedene Dinge zu sein. Sehr empfehlenswert sowohl für Fachleute wie Liebhaber.

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