Leserstimmen zu
Meister der Dämmerung

Malte Herwig

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„Und weil ich erkannt habe, daß ich selber mich durch die Literatur ändern konnte, daß ich durch die Literatur erst bewußter leben konnte, bin ich auch überzeugt, durch meine Literatur andere ändern zu können.“ – Peter Handke in Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms Keine Frage: Peter Handkes Werke sind umstritten: Sie sind experimentell, heiß diskutiert und vor allem tanzen sie zwischen den Gattungen, bewegen sich mitunter vielleicht sogar jenseits jeglicher Gattungszuordnung. Einige seiner Theaterstücke wie Das Spiel vom Fragen oder die Reise zum Sonoren Land gelten als unaufführbar. Egal ob Prosa, Drama, Lyrik oder Essay: Handke ist ein Meister der Verwandlung und sagt selbst: „Eine Möglichkeit besteht für mich jeweils nur einmal. Die Nachahmung dieser Möglichkeit ist dann schon wieder unmöglich. Ein Modell der Darstellung, ein zweites Mal angewendet, ergibt keine Neuigkeit mehr, höchstens eine Variation. “ Zugunsten von Form und Ästhetik verzichten seine Werke oft auf konkrete Handlung. Sie werden vieldeutig und selbst dem geübten Handke-Leser eröffnen sich bei jeder Lektüre neue Aspekte seiner Arbeiten. Nicht selten ist man als Leser verwirrt, verärgert, verblüfft oder wie vor den Kopf gestoßen und trägt ein großes Fragezeichen auf der Stirn. Vor allem aber fragt man sich: Wer ist dieser Mann, der sich jenseits aller Konventionen bewegt? Was geht in ihm vor, wenn er Stücke wie Publikumsbeschimpfung schreibt und damit eine gänzlich neue Form des Theaters entwirft? Malte Herwig, Journalist und Literaturwissenschaftler, schafft es, mit seiner 2012 erschienen Biographie Meister der Dämmerung etwas Licht in das Dunkel um Peter Handke zu bringen. Herwig geht dabei ebenso so unkonventionell vor wie Handke selbst. Die Biographie bewegt sich an den Hauptlinien von Handkes Leben entlang, zeichnet die wesentlichsten Entwicklungen und Prägungen nach, ohne dabei jedoch oberflächlich zu sein. Herwig erzählt anhand kleiner, mitunter sehr persönlicher Geschichten, wie Handke zu dem Schriftsteller wurde, der er heute ist, wie er sein Werk geformt hat und auch wie sein Schreiben ihn geformt hat, wie es ihm immer wieder zur Selbsterkenntnis verhilft. „Aber ein Lebenslauf ist noch keine Biographie, so wie ein Baugerüst kein Haus und ein Skelett kein Mensch aus Fleisch und Blut ist.“ Meister der Dämmerung liest sich spannend wie ein Roman, ohne dabei an Wissenschaftlichkeit oder Fundiertheit einzubüßen. Herwig führte im Zuge seiner Recherchen lange Gespräche mit Handke selbst, seinen Verwandten, Freunden, Weggefährten und Kontrahenten. Er hatte außerdem uneingeschränkten Zugang zu Handkes teilweise noch unveröffentlichten Tagebüchern. Außerdem ist das Wissen des Literaturwissenschaftlers um Handkes Werk, angesichts seines unglaublichen Umfangs, wirklich bemerkenswert. Wann immer es möglich ist, zieht er Parallelen und ungewöhnliche Querverbindungen zwischen Leben und Werk des Schriftstellers. Am Beginn scheint die Methode, aus einer von Handkes Erzählungen biographischen Aspekte abzuleiten vielleicht wenig wissenschaftlich, doch schon bald wird klar, wie sehr Handkes Werk autobiographisch geprägt ist und untermauert werden diese Feststellungen zudem immer wieder durch direkte Stellungnahmen Handkes. Es wird klar: Man kann Handkes Arbeiten kaum nachvollziehen, wenn man nicht von seinen slowenischen Wurzeln, seiner Familiengeschichte, den Nachkriegserfahrungen oder seiner Liebe zur Popmusik weiß, denn seine Arbeiten sind oft ein Erinnern, ein Zurückspringen, nicht nur in seine Kindheit, sondern überhaupt in alles Vergangene. Das Buch ist jedoch keine Lobeshymne oder ein Verriss der Person, wie es bei Biographien häufig der Fall ist, sondern es regt den Leser dazu an, sich eine eigene Meinung über Handke zu bilden. Es gewährt einen Blick hinter die Kulissen, offenbart Handkes persönliche Sorgen und Ängste und zeigt nicht bloß den Ruhm des Schriftstellers, sondern ebenso die großen Krisen seines Lebens, die sich fast immer in einer inneren Zerrissenheit Handkes spiegeln. Einerseits scheint er sich sein Leben lang nach Nähe und Gesellschaft zu sehnen, andererseits ist da dieser unglaubliche Drang nach Einsamkeit, der letztlich immer stärker zu sein scheint als das universell menschliche Bedürfnis nach Nähe. Herwig gelingt es, diesen Spagat in allen Lebens- und Schaffensphasen durchscheinen zu lassen. Meister der Dämmerung – Eine Biographie, die den idealen Einstieg in das Werk eines Schriftstellers bietet, dessen literarische Grenzgänge und Experimente ihn zu einer beinahe mythischen Person haben werden lassen. Malte Herwig hat es geschafft, diesen ‚Meister der Dämmerung‘ ins Licht zu rücken. Für jeden, der sich mit Handke beschäftigt, ein absolutes Muss…

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