Leserstimmen zu
Ganz andere Geschichten

Ali Smith

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Im Buch finden sich zwölf Kurzgeschichten, die zwischen sechs und zwanzig Seiten lang sind. Es sind also ziemlich kurze Geschichten, die alle völlig unterschiedlich sind. Das Zitat, welches das Buch einläutet, lautet: "Jeder, ob real oder erfunden, verdient doch ein offenes Schicksal." (Grace Paley) Es passt ziemlich gut zum Stil des Buches. Man wird jedes Mal in die Geschichten reingeworfen - zum Anfang und zum Ende hin bleibt die Handlung offen. Es werden keine Anführungszeichen für die wörtliche Rede verwendet. Das besondere an dem Buch ist, dass innerhalb der Geschichten häufig Zeit und Ort abrupt wechseln bzw. mehr als nur eine Geschichte erzählt wird. In einer Geschichte spült beispielsweise eine Person das Geschirr ab. Sie grübelt vor sich hin und beginnt ein imaginäres Gespräch mit ihrem Partner, der noch nicht zu Hause ist. Sie denkt an alte Geschichten, eine Busfahrt in jungen Jahren oder an ihren Vater, mit dem sie in einer Kunstgalerie war und der gerade im Gästezimmer sitzt. So zaubert Ali Smith aus alltäglichen Situationen ganze Geschichten, die oftmals verworren sind. Die letzte Geschichte "Eine Geschichte von Liebe" spiegelt das ganze Buch meiner Meinung nach sehr gut wieder. Es geht um ein Paar, das sich immer im Bett vor dem Einschlafen Geschichten erzählt. Oftmals sind es kurze Geschichten. So wünscht sie die erste Person eine Liebesgeschichte: "Es geht los. Es war einmal ein Mädchen und so weiter. Hund. Sie wünschte sich ganz fest einen Hund, bekam aber nie einen. Ende und aus." Die "halben Geschichten" verfolgen die erste Person. Sie frägt sich: Aber warum wollte sie unbedingt einen Hund? Warum bekam sie nie einen? Was hatte es für Folgen, dass ihr das im Leben verwehrt blieb? Ist sie hundelos gestorben? Nicht, dass die Geschichten in "Ganz andere Geschichten" halbe Geschichten wären. Aber es verhält sich ein wenig wie auf dem Cover. Durch den Schwimmreifen sehen wir nur einen Ausschnitt und so sind auch die Geschichten nur ein kleiner Ausschnitt und lassen noch so viel Platz zum Nachdenken und Weiterspinnen, wie die Personen in die Situationen gekommen sind und wie es nach der Geschichte weiter geht. Das ist meiner Meinung nach das Wunderbare an diesen Geschichten. Mir haben zwar nicht alle gleich gut gefallen, dennoch kann ich das Buch guten Gewissens weiterempfehlen. Vor allem für Leute, die diese Art der Geschichten gerne liest. Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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Als passionierte Leserin verschlinge ich Tag für Tag neue Geschichten, mal kürzer mal länger. Selten mache ich mir dabei Gedanken über das Verhältnis zwischen Erzähler und Leser – außer es handelt sich um ein Buch von Ali Smith. In ihren Romanen und Kurzgeschichten geht es nämlich meist um das Erzählen selbst. Das war schon in ihrem letzten Buch mit dem Titel „Wem erzähle ich das?“ so. In dieser Kurzgeschichtensammlung rückt sie erneut die Beziehung zwischen Erzähler und Leser bzw. Zuhörer in den Vordergrund und lässt sie sogar als Protagonisten auftreten. Schon in der ersten Erzählung „Gottesgabe“ legt die schottische Schriftstellerin verwirrende Fährten. Besteht ein Zusammenhang zwischen einer kleinen Rettungsaktion im Garten und der Erinnerung an einen Urlaub in Griechenland? Dies bleibt der Fantasie des Lesers überlassen. Fest steht, dass man ihre Geschichten mit größter Aufmerksamkeit liest – denn darum scheint es ihr auch beim Erzählen zu gehen: seine Umgebung mit Aufmerksamkeit zu betrachten, genau hinzusehen und auf Details zu achten, sei es das Kommen und Gehen am Eingang eines Supermarkts oder eine Menschenschlange an der Bushaltestelle. Sie beobachtet die sich ständig verändernde Nähe und Distanz zwischen den Menschen oder auch zwischen Mensch und Tier. Aus diesen Alltagsszenen zaubert sie ungewöhnliche, häufig in sich verschachtelte Geschichten, die mal witzig, mal melancholisch, mal romantisch, mal unheimlich sind. Die für Kurzgeschichten typischen überraschenden Pointen findet man hier weniger – dafür eine sehr interessante Form des experimentellen Schreibens. Ein Thema, das Ali Smith besonders beschäftigt, scheint die Verletzlichkeit zu sein. In einer Geschichte wird um ein Haar eine Drossel getötet, in einer anderen isst ein Mädchen so wenig, dass sie immer weiter abmagert und kurz davor ist, sich ganz aufzulösen. Man könnte meinen, dass der Autorin Geschichten deshalb so wichtig sind, weil sie dadurch vergängliche Momente und Zustände konservieren kann. Am besten gefiel mir „Eine Geschichte von Liebe“, die zeigt, welche Macht der Erzähler auf den Zuhörer ausüben und welche Spielchen er mit ihm treiben kann. In letzter Zeit hörte ich öfters, dass das Vorlesen auch unter Erwachsenen wieder in Mode gekommen ist. Das würde Ali Smith bestimmt gefallen.

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Inhalt: Menschen erzählen sich Geschichten, weil sie sich lieben, und andersherum: Geschichten beweisen, dass es Liebe unter den Menschen gibt. So ist es jedenfalls in Ali Smiths Universum, in dem das Erzählen Menschen zusammenbringen und trennen kann, in dem Geschichten so wichtig sind, dass sie sich gegenseitig ins Wort fallen oder auseinander entstehen oder zu etwas ganz Neuem führen. Die Blumensendung eines Unbekannten, ein verwundeter Vogel, den die Katze ablegt, ein Sonnenbad auf dem Garagendach, Gedanken beim Geschirrwaschen – aus ganz alltäglichen Situationen zaubert Ali Smith Geschichten voller Menschlichkeit und Zärtlichkeit, Witz und Lebenslust. Mein Lieblingszitat: Meine Meinung: Da ich von Ali Smith vor ein paar Monaten bereits eine Kurzgeschichtensammlung gelesen und geliebt habe, wollte ich mir diese hier natürlich auch ansehen. Einmal mit dem Lesen angefangen, habe ich die zwölf kleinen Geschichten in einem Rutsch gelesen. Frau Smith hat bei jeder Erzählung in einem anderen Schreibstil geschrieben, mal hat sie in der Vergangenheit, mal in der Gegenwart, mal in der Ich-Perspektive, mal aus der Perspektive eines Protagonisten, mal in schlichten und mal in hochgestocheneren Worten geschrieben, was meiner Meinung nach für eine große Abwechslung im Lesevergnügen gesorgt hat. Selbstverständlich mochte ich nicht jede Geschichte genauso gerne, wie die vorherige, aber es gab keine einzige, die ich nicht mochte, oder die mich nicht in ihren Bann gezogen hat. Mit der Vielfalt der Geschichten kommt natürlich auch eine Vielfalt der Charaktere auf, die vollkommen unterschiedlich gehandelt und gedacht haben. Beruhend auf der Tatsache, dass jede Erzählung ein anderes Thema behandelt, ist für jeden Geschmack etwas dabei und man sollte ich genug Zeit nehmen, um über die einzelnen Geschichten nachdenken zu können. An dieser Stelle kann ich nur sagen: Überzeugt euch selbst von der Kreativität der Autorin, indem ihr das Buch lest! Mein Fazit: Ich kann diese Kurzgeschichtensammlung jedem ans Herz legen, den die kleinen, aber wichtigen Situationen des Lebens faszinieren und der gerne über sie liest! Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar! Ganz andere Geschichten bekommt von mir volle 5/5 Sterne!

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