Leserstimmen zu
Kind 44

Tom Rob Smith

Leo Demidow (1)

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Mordermittlung in der Sowjetunion anno 1953

Von: Philipp Schneider aus Waltrop

08.06.2015

Was Tom Rob Smith mit seinem Thriller "Kind 44", der bald in den Kinos laufen wird, bietet ist weniger eine außerordentliche Geschichte, als vielmehr ein Einblick in den Alltag und das Wesen der Sowjetunion, den es so bisher sicherlich noch nicht gab und der beängstigt, aber dennoch fesselt. Erzählt wird in diesem ersten Teil einer Trilogie die Geschichte rund um die Mordermittlung des Geheimdienstlers Leo Demidow. Die Story beginnt kurz vor Stalins Tod im Winter 1953. Auf Bahngleisen in Moskau wird die grausam hingerichtete Leiche eines Kindes gefunden. Dass es sich dabei um einen Mord handelt, wird dem Leser schnell klar. Problem nur, dass es in der Sowjetunion Stalins keine Morde gibt. Und schon gar keine Serienmörder, denn Leo findet schnell heraus, dass in der ganzen Sowjetunion - von der heutigen Ukraine bis nach Wladiwostok - ähnlich hingerichtete Leichen auftauchen. Obwohl Leo treuer Staatsdiener ist und weiß, dass er sich nicht beliebt macht, wenn er beginnt zu ermitteln, nimmt er sich der Mordreihe an und beginnt zu ermitteln, bis er selbst zum Gegner des Staates und in die Provinz strafversetzt wird. Aber ohne sich beirren zu lassen, ermittelt Leo weiter und entdeckt Grausames. Tom Rob Smith erzählt die durchaus spannende Geschichte um die Mordermittlung Leos, doch für den aufmerksamen Krimi- und Thrillerleser ist schnell klar, was vor sich geht und daher vermochte mich "Kind 44" weniger zu unterhalten, als vielmehr aufzuklären. Denn der eigentliche Verdienst Smiths ist der schonungslose Blick auf das System Stalin. Daher eignet sich der Thriller auch nicht als angenehme Sonntagslektüre und für einen Strandurlaub. Dieses Buch erzählt von dem brutalen, intriganten, unfairen, angsteinflößenden Machenschaften des Staatsapparats der Sowjetunion: Unschuldige werden diffamiert, festgenommen, hingerichtet und zur Schau gestellt. Der Staat ist überall präsent, die Wände hören zu und man kann keine Geheimnisse haben. Orwells Ausspruch "Big Brother Is Watching You" bekommt hier eine ganz neue Bedeutung. Die Angst hingerichtet zu werden, ist omnipräsent. Maxim des gesamten Staats- und Ermittlungsapparats lautet: "Besser, zehn Unschuldige leiden, als ein Spion entkommt." Und "leiden" heißt nicht nur leiden, sondern oft auch sterben. Und auch nur deswegen habe ich vier Sterne vergeben. Die Geschichte ist wenig überraschend und erinnert mehr an den üblichen Krimi/Thriller. Auch die Figuren waren nicht wirklich überzeugend und für mich auch nicht lebhaft, denn auch sie wirkten zu normal, zu schablonenhaft. Selbst die Beziehungskiste zwischen Leo und seiner Frau, die viel Raum einnimmt, ist nicht wirklich überzeugend. Die Geschichte an sich erinnert zu sehr an den 08/15-Krimi/Thriller. Der Background macht es!

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Titel: Kind 44 Autor: Tom Rob Smith Verlag: Goldmann Trilogie: Kolyma und Agent 6 Kind 44 ist ein Thriller von T.R.Smith, der es in sich hat. Die Geschichte spielt in der Sowjet Union unter Stalin und beginnt im Jahre 1933, als zwei Jungen im Wald eine Katze jagen, um sie zu essen. Zu dieser Zeit sind die Lebensmittel in den Dörfern mehr als knapp und der Winter ist dabei auch nicht sehr hilfreich. Pavel und sein Bruder Andrej sind auf der Suche nach der Katze im Wald gelandet, wo sie sie sogar fassen können. Als sie auf dem Rückweg getrennt werden, wird Pavel verschleppt und Andrej findet sich ganz allein im Wald wieder. Es ist das Jahr 1953. Moskau. Der Krieg ist vorbei, die Revolution und der Aufbau des Kommunismus im vollen Gange. Leo gehört zum MGB, dem Sicherheitsdienst Russlands. Eigentlich befasst er sich mit dem Ergreifen von Verrätern, denn im Kommunismus gibt es keine Kriminalität. Aber nun ist er auf dem Weg zu einem Kollegen, der der Meinung ist sein jüngerer Sohn sei ermordet worden. Dabei war es ein Unfall. Als Leo später selber in die Schusslinie gerät, ändert sich nicht nur sein Bild von der Regierung, sonder auch seine Selbstwahrnehmung und die Sicht auf seine bisherige Arbeit. Mir fehlt noch etwa ein Drittel vom Buch, aber mittlerweile weiß ich auch, warum das Buch Kind 44 heißt. Und so langsam besteht auch eine Verbindung zwischen der Einleitung und dem Leben von Leo. Die Spannung steigt immer mehr und ich bin schon echt gespannt. Nebenbei muss ich immer an die Worte meiner Oma denken, von der ich das Buch empfohlen bekommen habe, die meinte, sie behält das Buch vor allem, weil es zeigt wie es damals wirklich war. Erschreckend. Ich bin absolut bestürzt, weil ich mir so viel Misstrauen gar nicht vorstellen kann, vorstellen will. Und so viel anders war es ja unter Hitler auch nicht, mit dem vielen Misstrauen, gegenseitiges Anzeigen bei der Gestapo und und und. Ich kann dieses Buch also nicht nur wegen seiner Spannung empfehlen, sondern auch wegen der Geschichte. 1953. Da waren meine Eltern noch nicht mal geboren. Auf jeden Fall ein Stück Geschichte, was nicht verloren gehen sollte.

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Im Winter 1933 herrscht große Hungersnot in Russland. Auch der 10-jährige Pavel hungert, zusammen mit seiner Mutter und seinem 7-jährigen Bruder Andrej. Als Pavel jedoch eine Katze im Wald sieht, beschließt er, sie zu jagen, damit die Familie Nahrung hat. Seine Mutter besteht darauf, dass Andrej mitgeht, doch noch während der Jagd wird Pavel von einem Unbekannten angegriffen und verschleppt. Auf Grund der Hungersnot geht seine Familie davon aus, dass auch Pavel einem Jäger zum Opfer gefallen ist - er taucht nie wieder auf. Im Winter 1953 ist Stalin an der Macht in der Sowjetunion, in der alles großartig ist, es gibt kaum Verbrechen und Mörder schon mal gar nicht. Leo Stephanowitsch Demidow arbeitet für den Staatssicherheitsdienst MGM, dessen Aufgabe es ist, der Feinde des Staates habhaft zu werden. Zur Zeit ist Leo hinter Anatoli Tarasowitsch Brodsky her, einem Tierarzt, der im Verdacht steht, ein Spion zu sein. Diese Verfolgung muss er jedoch vorerst unterbrechen, denn sein Vorgesetzter, Generalmajor Kuzmin beauftragt ihn, eine Familie "mundtot" zu machen, die den Tod ihres jüngsten Sohnes Arkadi Fjodorowitsch Andrejew als Mord deklarieren - ein Unmöglichkeit in Stalins Reich, zumal der Familienvater selbst für den MGM arbeitet. Nachdem er die Familie "beruhigen" konnte, verfolgt er weiter Brodsky und wird diesem auch habhaft. Doch mit diesem Mann wird sich seine Weltanschauung ändern - erste Zweifel belasten sein Gewissen. Als jedoch eine weitere Leiche auftaucht, beginnt Leo zu realisieren, dass es tatsächlich einen Mörder gibt und nicht nur das. Er beginnt zu ermitteln und stößt auf immer weitere vertuschte Kindstötungen und der kleine Arkadi ist gemäß seiner Liste bereits Kind Nr. 44. Leo, der auf Grund seiner Ermittlungen in Ungnade fällt und mit seiner Frau Raisa Gawrilowna Demidowa in die Provinz verbannt wird, untersucht die Morde jedoch weiter, denn er weiß, der Mörder ist real, schlimmer noch, ein Serienmörder und er muss endgültig gestoppt werden. Der Staat jedoch, hat ein Auge auf ihn und versucht mit aller Macht zu verhindern, dass Leo dem Mörder näher kommt. Eine unvorstellbare Geschichte! Der Plot wurde sehr detailliert erarbeitet, jedoch fand ich den Klappentext etwas irreführend, da es um die Morde erst ab etwa der Hälfte des Buches geht, vorher ist die Entwicklung des Protagonisten Leo im Vordergrund, was sicher nicht verkehrt ist, jedoch gewöhnungsbedürftig. Den Schreibstil empfand ich als angenehm und abwechslungsreich zu lesen, sodass ich das Buch am Stück gelesen habe, weil ich ja unbedingt wissen wollte, wie sich die Gesichte auflöst. Die Figuren wurden sehr tiefgründig und facettenreich erarbeitet. Besonders gut hat mir Protagonist Leo gefallen, der zu Beginn ein Meta-Amphetamin-einnehmender staatlicher Roboter ist, im Laufe der Story jedoch wirklich ein Gewissen entwickelt und dementsprechend handelt. Mit der Figur der Raisa hingegen konnte ich eher weniger anfangen. Anfangs war sie mir durchaus noch sympathisch, bis zu dem Zeitpunkt, wo sie ihren wahren Charakter gezeigt hat. Ob ich den 2. Band der Reihe "Kolyma" noch lesen werde, muss ich ggf. spontan entscheiden, bis dato konnte mich die Reihe nicht 100%-ig überzeugen.

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