Leserstimmen zu
Ohne jeden Zweifel

Tom Rob Smith

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Inhalt: Daniel war sicher, dass seine Eltern glücklich sind und ihren Ruhestand in vollen Zügen genießen, seit sie zu ihrem letzten großen Abenteuer aufgebrochen waren und das Großstadtleben gegen ein beschaulicheres Leben auf dem Land tauschten. Sie haben ihre Gärtnerei und ihr Haus in London verkauft und einen abgelegenen Hof in Schweden erworben, dem Heimatland seiner Mutter, das sie im Alter von sechzehn Jahren verlassen hatte. Daniel hat seine Eltern in Schweden zwar nie besucht, zweifelte allerdings bislang nie daran, dass sie im ländlichen Schweden ihr Glück und auch neue Freunde gefunden haben. Umso schockierter ist er nun, als sein Vater ihn mit der Nachricht konfrontiert, dass seine Mutter unter einer Psychose leide und er sie in ein Krankenhaus einweisen lassen musste. Daniel beschließt, gleich am nächsten Tag nach Schweden zu reisen, doch noch bevor er sich auf den Weg machen kann, erreicht ihn ein Anruf seiner verzweifelten Mutter. Sie bittet Daniel, seinem Vater kein Wort zu glauben, denn sie sei nicht verrückt, brauche keinen Arzt, sondern die Polizei und sei schon auf dem Weg zu ihm nach London. Daniel weiß nicht mehr, wem er glauben soll, als seine Mutter kurz darauf am Flughafen ankommt und ihm immer wieder versichert, dass sie keine Wahnvorstellungen habe, sondern man sie nur zum Schweigen bringen wolle und in großer Gefahr schwebe. Erst als sie in Daniels Wohnung ist und sich sicher und unbeobachtet fühlt, erzählt sie ihm, dass sie in Schweden einem furchtbaren Verbrechen an einem jungen Mädchen auf die Spur gekommen sei, das von der verschworenen Dorfgemeinschaft vertuscht werde. Sein Vater habe sich sehr verändert und sei ebenfalls an diesem Komplott gegen sie beteiligt. Sie beschwört ihren Sohn, ihr zu vertrauen, denn er ist ihre letzte Hoffnung. Daniel ist hin- und hergerissen zwischen seinen Eltern, weiß nicht, welcher Version er Glauben schenken kann und beschließt deshalb, die Wahrheit selbst herauszufinden. Meine persönliche Meinung: Ich bin ganz zufällig über "Ohne jeden Zweifel" von Tom Rob Smith gestolpert, fand den Klappentext sehr ansprechend und war gespannt auf den Psychothriller eines britischen Autors, der den Schauplatz seines Buches in Schweden angesiedelt hat. Ich habe allerdings noch nie etwas von "Ohne jeden Zweifel" gehört, habe, um ehrlich zu sein, nicht allzu viel erwartet und mich nun umso mehr gefreut, durch Zufall auf einen ebenso spannenden wie tiefgründigen Psychothriller gestoßen zu sein, der mich von der ersten Seite an begeistert hat. Wenn es zwischen den Eltern zu Streitigkeiten kommt, geraten Kinder, egal welchen Alters, in einen schmerzhaften Loyalitätskonflikt, bei dem sie nicht mehr wissen, auf wessen Seite sie sich schlagen sollen. Man will nicht vor die Wahl gestellt werden, sich für ein Elternteil entscheiden zu müssen, sondern sich die Liebe und das Vertrauen beider bewahren. In einen solchen Konflikt gerät Daniel, als sein Vater ihm mitteilt, dass seine Mutter Wahnvorstellungen habe und sich Verbrechen und Verschwörungen einbilde, wo keine sind. Seine Mutter Tilda hingegen versucht alles, um Daniel davon zu überzeugen, dass sie die Wahrheit sagt, ihr Verstand vollkommen klar ist und sein Vater sogar in den Komplott verwickelt ist, den die eingeschworene Dorfgemeinschaft in Schweden gegen sie führt. Daniel weiß nicht mehr, wem er nun glauben soll. Die Worte seiner Mutter klingen logisch und einleuchtend, zumal sie auch Beweise in ihrer Handtasche hat, die ihre Behauptungen stützen, aber sein Vater hat die Saat des Zweifels bereits gesät, sodass Daniel die Glaubwürdigkeit seiner Mutter trotzdem immer wieder in Frage stellt. Er nimmt sich sehr viel Zeit, um ihr die Möglichkeit zu geben, ihm ihre Sicht der Dinge in Ruhe darzulegen. Das Buch besteht überwiegend aus einem Dialog zwischen Mutter und Sohn, bei dem jedoch die Erzählungen der Mutter überwiegen und Daniel sie nur unterbricht, wenn er etwas nicht versteht oder sie ihn auffordert, ihre Vermutungen zu bestätigen. Schon zu Beginn dieses Gesprächs mit seiner Mutter, bricht Daniels harmonisches Bild von der Ehe seiner Eltern vollkommen in sich zusammen. Er erfährt, dass es zwischen seinen Eltern schon früher häufig zu Streitigkeiten und Konflikten kam, die jedoch immer vor ihm verborgen wurden, um ihn zu schützen. Besonders irritiert ist er aber, weil er dachte, dass seine Eltern ihren Ruhestand bequem finanzieren können, sich ganz bewusst für ein einfaches Leben auf dem Land entschieden haben und nicht ahnte, dass sie die Entscheidung, sich einen heruntergekommenen Hof in Schweden zu kaufen und dort ihr Gemüse selbst anzubauen, aus reiner Not getroffen hatten, weil ihre finanziellen Mittel gar nicht reichten, um weiterhin in London leben zu können. Im weiteren Verlauf des Gesprächs stellt er sich immer wieder die Frage, ob er seine Eltern überhaupt kennt und macht sich auch große Vorwürfe, sich im Grunde nie für ihr Leben interessiert zu haben. Er ging einfach immer stillschweigend davon aus, dass sie glücklich sind, hat auch nie mitbekommen, dass sie Probleme haben und sie auch nie mit seinen eigenen konfrontiert. Auch er war nie ehrlich zu seinen Eltern, hat nicht nur seine Homosexualität, sondern auch seine berufliche Erfolglosigkeit vor ihnen verheimlicht und sich von ihnen distanziert, weil er das Bild, das sie von ihm hatten, nicht zerstören und sie nicht enttäuschen wollte. Trotz aller Heimlichkeiten merkt man jedoch, dass Daniel seine Eltern liebt, sie auch ihn lieben und stellt sich unwillkürlich die Frage, wie gut man die Menschen, die man liebt, eigentlich kennt. Gerade weil er seine Eltern liebt, fällt es ihm nun so schwer, sich entscheiden zu müssen, auf wessen Seite er nun steht. Ist sein Vater tatsächlich in kriminelle Machenschaften verstrickt und somit selbst ein Verbrecher? Schwebt seine Mutter tatsächlich in Gefahr oder ist sie eine geistesgestörte, paranoide Frau mit Wahnvorstellungen? Weder das eine noch das andere will Daniel akzeptieren, muss allerdings eine Entscheidung treffen. Ich konnte mich sehr gut in die Gefühle und Gedanken, die Daniel während dieses Dilemmas hat, hineinversetzen, denn Tom Rob Smith hat seinen Hauptprotagonisten psychologisch sehr präzise und glaubwürdig ausgearbeitet. Im Nachwort seines Thrillers, das sehr berührend war, schildert der Autor die realen und autobiografischen Hintergründe seines Psychothrillers. Da er schon selbst in der Situation war, in der sich Daniel befindet, ist es nicht erstaunlich, dass er zwiespältigen Emotionen seines Hauptprotagonisten so eindrucksvoll, authentisch und nachvollziehbar schildert. Während Daniels Mutter streng chronologisch und bis ins kleinste Detail erzählt, was nun in Schweden genau vorgefallen ist, und genau erklärt, warum sie so sicher ist, dass sich die Leute im Dorf gegen sie verschworen haben, stellt sich nicht nur Daniel, sondern auch der Leser die Frage, ob man ihren Worten Glauben schenken kann. Häufig hört sich das, was sie sagt, durchaus glaubwürdig an, die Schlüsse, die sie zieht, scheinen mitunter auch logisch zu sein, aber dennoch gerät man hin und wieder ins Straucheln, weil gerade die Anschuldigungen gegen ihren Mann sehr absurd klingen. Sie macht es Daniel und damit auch dem Leser nicht leicht, eine Entscheidung zu treffen. Als Daniel seine Entscheidung schließlich doch getroffen hat, fühlt er sich jedoch nicht so recht wohl dabei, beschließt deshalb, selbst nach Schweden zu fahren und der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Dabei kommt er einem schrecklichen Familiengeheimnis auf die Spur, das weit in die Vergangenheit seiner Mutter reicht und sehr erschütternd war. Wer einen rasanten Thriller erwartet, wird von "Ohne jeden Zweifel" sicher enttäuscht sein. Die sehr ausführlichen Erzählungen von Tilda und der innere Konflikt des Hauptprotagonisten stehen zunächst vollkommen im Fokus dieses Psychothrillers, während das Verbrechen an dem jungen Mädchen, eher zweitrangig ist. Erst auf den letzten hundert Seiten, als sich Daniel in Schweden auf die Spurensuche begibt und selbst versucht, herauszufinden, was dem Mädchen, von dem ihm seine Mutter erzählt hat, zugestoßen ist und die Tragödie, die sich hinter der Geschichte seiner Mutter verbirgt, allmählich aufdeckt, nimmt das Tempo etwas zu. Trotz seiner ruhigeren Gangart hat mich dieser Psychothriller von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und vollkommen in seinen Bann gezogen, mich häufig tief bewegt und sehr nachdenklich, aber mit einem versöhnlichen Ende zurückgelassen. Ich bin froh, dieses Buch entdeckt zu haben und kann "Ohne jeden Zweifel" nur jedem empfehlen, der etwas gemächlichere, aber dafür umso tiefgründigere Thriller mag.

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Das Buch lässt sich sehr gut lesen. Das meisste ist ein Dialog zwischen Tochter und Sohn. Die ganze Zeit war ich gespannt was Tilde aufdeckt. Daniel hört die meisste Zeit still zu und versucht, dass Gespräch durch gezielte Fragen weiter zu bringen. Die ganze Zeit steht Daniel zwischen den Stühlen. Wem soll er glauben ? Seiner Mutter oder seinem Vater ? Seine Mutter wirkt verängstigt, aber nicht verwirrt. Ein brillianter Thriller mit einem Ende, dass niemand vorrausgesehen hat. Die Geschichte kommt erst langsam in Fahrt und als Leser fragte ich mich die ganze Zeit was denn nun die Wahrheit ist. Dies war mein erstes Buch von Tom Rob Smith, der genial und spannend schreibt. Einen kleinen Punktabzug gibt es, da dass Buch zwischendurch etwas langatmig war. Fazit: Ein psychologischer Thriller, der unter die Haut geht und spannend bis zur letzten Seite ist.

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Daniel, einziges Kind seiner Eltern, lebt in London, während sich seine Eltern in Schweden von ihrer Gärtnerei getrennt und sich, weitab vom Schuss, ein neues Zuhause gekauft haben. Immer wieder wird er von seinen Eltern eingeladen, sie doch dort einmal besuchen zu kommen, aber er kann und will das nicht, auch wegen seines Lebensgefährten, von dem die Eltern nichts ahnen. Da erhält er eines Tages einen Anruf seines Vaters, dass seine Mutter in der Psychiatrie eingeliefert sei und unter Wahnvorstellungen leiden würde. Er kann das nicht so richtig glauben und ist schon fast auf dem Weg nach Schweden, als sich seine Mutter bei ihm meldet. Ihre Version lautet, dass sie einer Verschwörung auf die Spur gekommen sei und dass sein Vater mit darin verwickelt wäre. Sie hat sich selbst aus dem Krankenhaus entlassen und wäre nun auf dem Weg zu ihm nach London. Er möchte doch seinem Vater kein Wort davon erzählen. Daniel sitzt nun mit seinen Gefühlen und Gedanken zwischen Baum und Borke. Seine Mutter erzählt ihm die Verschwörungstheorie und untermauert diese mit einer Handtasche voller Beweise. Sie erzählt ihm alles, was sie dort im Dorf erlebt hat. Daniel weiß nicht, was er glauben soll. Einerseits sind einige Beweise schon belastend, andererseits kann er nicht glauben, dass sein Vater zu solch Taten bereit gewesen sein soll. Während seine Mutter ihre Geschichte erzählt, versucht der Vater ebenfalls nach London zu kommen und seine Wahrheit zu offenbaren. Daniels Mutter stellt ihm ein Ultimatum, sollte er mit seinem Vater sprechen, ist sie weg und sollter er ihr nicht mehr glauben, ist er nicht mehr ihr Sohn. Harte Bedingungen, die seine Mutter stellt, aber er willigt ein, will unbedingt die ganze Geschichte hören und sich selbst ein Bild von allem machen. Er muss sich entscheiden, wem er Glauben schenken soll. Von Hause aus soll dieses Buch ein Thriller sein. Mir jedoch fehlen die Aspekte, die einen Thriller ausmachen. Die fehlten meiner Meinung nach völlig hier. Was mich am Buch gestört hat, war die Langatmigkeit der Erzählung seiner Mutter. Obwohl sie immer betont, sie würde nur das wichtigster wiedergeben, verliert sie sich in Beschreibungen und Erklärungen, die mir wie Füllstoff vorkommen. Großzügig erzählt sie und verliert sich dabei im Detail, das unwichtig ist und oftmals keinen Bezug zur Sachlage hat. Daniel steckt nun in der Zwickmühle zu entscheiden, was davon Wahrheit ist und was "konstruiert". Dass es seiner Mutter mit den Beschuldigungen ernst ist, spürt er, auch ihre Angst kommt real rüber. Aber wie passt nun wirklich alles zusammen? Von den Protagonisten konnte mich keiner anhaltend überzeugen. Daniel kommt mir wie ein kleiner Junge vor, der liebend gern den Kopf in den Sand stecken möchte, um sich nicht mit den Problemen auseinandersetzen zu müssen. Auch seine Angst, den Eltern von seiner Homosexualität zu erzählen, macht ihn mir nicht gerade sympathisch. Alles in allem ist das Buch ein wenig zäh und langatmig, so dass ich mehrere Anläufe brauchte, um richtig in die Story hineinzukommen. Die Story an sich ist gut durchdacht, nur verliert sie durch die Langatmigkeit an Spannung. Für mich war es das erste Buch von Tom Rob Smith, voll überzeugen konnte es mich jedoch nicht.

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Würdest du deiner Mutter glauben, wenn sie mit einer Geschichte zu dir kommt, die unter anderem deinen Vater als bösen Menschen bezeichnet, der sie unbedingt zu Menschen mit weißen nach hinten geschnallten Westen sperren will? Schweden. Die 16-jährige Mia, adoptiert und beim einflussreichen Farmer Hakan und seiner Frau lebend, soll einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein. Tilde, Daniels Mutter, sammelt Beweise (Fotos, Zeitungsartikel, Häkeldeckchen, Trolle) und führt Tagebuch über die Geschehnisse in dem Dorf. Mit diesem Sammelsurium reist sie voller Angst und Panik, zu ihrem Sohn Daniel nach London, denn ihre Verfolger sind ihr bereits auf den Fersen. Paranoide Gedanken, Vorstellungen und Einbildungen. Die Grenze zwischen Wahn, Fantasie und Realität. Wo liegt, beginnt oder endet was? Spannung findet man hier genauso wenig wie an einer defekten Steckdose. Aber ich habe sie auch nicht gesucht, denn von Anfang an war für mich klar, dass diese Story auch ohne Spannung gut auskommt. Das Cover finde ich sehr ansprechend. Polaroidbilder aneinander gereiht, die die schwedische Natur mit ihren einsamen Häusern, Höfen und Farmen widerspeigelt. Genau passend zur Story. Der Originaltitel lautet: The Farm, der deutsche: Ohne jeden Zweifel – wie unterschiedlich die Übersetzung doch sein kann. Der Schreibstil und die Wortwahl finde ich stimmig und gelungen. Am Ende des Buches gibt uns Herr Smith noch einen kleinen Einblick in sein Privatleben. Sympathisch, wie ich finde. Von Tom Rob Smith habe ich vor einigen Jahren “Kind 44″ gelesen, und war da schon von ihm begeistert. Mit Freude habe ich gesehen, dass es auch verfilmt wurde und der Film diesen Sommer in unseren Kinos anläuft. Wissen Sie eigentlich was ein “Sandwichkind” ist? Ich bis zu diesem Buch auch nicht. Lesen Sie es doch, und finden es heraus :-)

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Der Roman „Ohne jeden Zweifel“ von Tom Rob Smith ist im Goldmann Verlag unter dem Label Manhattan erschienen. Ein großer Teil des Buchs besteht aus einem Dialog zwischen Daniel, dem dabei allerdings hauptsächlich nur die Zuhörerrolle bleibt, und seiner Mutter Tilde. In diesem Gespräch erzählt Tilde ihrem Sohn von ihrem ungeheuren Verdacht auf ein Verbrechen, das in Zusammenhang steht mit dem Verschwinden eines jungen Mädchens aus ihrer Umgebung in Schweden. Das Cover setzt sich aus vielen einzelnen Bildern zu einem Gesamtbild zusammen, synonym zu Tildes Beweisstücke, die sie zur Untermauerung ihres Verdachts während ihrer Schilderung aus einer mitgeführten Tasche zieht. Der Titel des Buchs nimmt Bezug auf ihre Einstellung zum Geschehen, sie hat keine Zweifel an ihrer Deutung der Ereignisse. Daniel ist Dachgartengestalter und lebt in London in der Wohnung seines Lebensgefährten. Seine Eltern sind vor einem halben Jahr nach Schweden ausgewandert. Doch eines Tages erreicht ihn der verzweifelte Anruf seines Vaters, dass seine Mutter ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Daniel bucht sofort einen Flug, um seinen Eltern beizustehen. Noch auf dem Londoner Flughafen erhält er auf dem Handy den Anruf seiner Mutter, die ihm berichtet, dass sie nicht im Krankenhaus, sondern in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen wurde, die Ärzte aber von ihrer geistigen Gesundheit überzeugen konnte und nun auf dem Weg zu ihm sei. Erst nachdem Tilde das Zugeständnis ihres Sohns erhalten hat, ihr ohne Unvoreingenommenheit zuzuhören, beginnt sie mit ihrer Erzählung. Die Ereignisse, die sich in Schweden zugetragen haben sollen, sind für Daniel nicht nur verwirrend, sondern die Schilderung zerstört auch seine Vorstellung von der heilen Welt seiner Eltern. Der Roman beruht nach Aussage des Autors auf wahren Begebenheiten. Die Ereignisse, die Tilde im Buch schildert, sind die seiner eigenen Mutter. So, wie Tom Rob Smith die Schilderungen aufbereitet, sind sie nicht nur von Beginn an spannend, sondern auch glaubwürdig. Ein gewisses Quäntchen Zweifel, das auch in Daniel steckt, streut der Autor auch beim Leser jedoch von Anfang an dadurch, dass Daniels Vater seine Frau für krank und verrückt erklärt. Kann man ihr überhaupt glauben? Mit ihm ist auch der Leser während der Gespräche auf der Suche nach Details im Verhalten, der Stimme und Mimik Tildes, die die Aussage des Vaters erhärten würden. Gleichzeitig wünscht Daniel sich, dass die Erzählung seiner Mutter der Wahrheit entspricht. Die Erzählstrecken sind nicht zu lang, sondern werden in teils recht kurzen Kapiteln durch eine Reaktion Daniels auf den Gesprächsfluss seiner Mutter unterbrochen. Währenddessen steht aber auch sein eigenes kleines Geheimnis, das er bisher vor seinen Eltern verborgen hat, davor, aufgedeckt zu werden. Neben einer ungewöhnlichen Story nimmt das Buch den Leser mit in einen gedanklichen Ausflug nach Schweden aufs Land. Die Weite der Landschaft ist typisch, das Verhalten der Menschen zum Glück eher nicht. Für den Leser bleibt es lange unklar, wem Daniels Eltern Vertrauen können und welche Erklärung es für einiges undurchsichtigem Verhalten gibt. Nebenher gibt es einen Ausflug in die Mythologie Schwedens und zum Schluss ein für mich unerwartetes Ende. Wer gerne an der Auflösung miträtselt und unblutige Krimis mag ist hier richtig und erhält von mir eine Leseempfehlung.

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Daniel ist in einer heilen Welt aufgewachsen. Seine Eltern haben alles Schlechte und Böse von ihm ferngehalten. Es gab keinen Streit und keine Probleme. Umso mehr fällt er aus allen Wolken, als er von seinem Vater erfährt, dass seine Mutter in die Psychiatrie eingeliefert wurde. Als ihn dann noch seine Mutter versucht zu überzeugen, dass sie nicht verrückt, sondern Opfer einer Verschwörung ist, wird die Situation für Daniel fast unerträglich. Die Handlung des Buches ist absolut genial und perfekt verpackt. Die meisten Begebenheiten werden nicht direkt, sondern über Erzählungen der Eltern (vor allem der Mutter), beschrieben. Der Leser sitzt so quasi im selben Boot mit dem verunsicherten Sohn und schwankt ständig in seiner Meinung, wie das alles, was er da erfährt, wirklich zusammenpasst und sich auflösen lässt. „Ohne jeden Zweifel“ entwickelt dabei einen absoluten Sog. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Die ständigen Zweifel, die irreführenden Berichte und seltsamen Begebenheiten ergeben erst Stück für Stück überhaupt einen Sinn. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, so verzweifelt wollte ich die Wahrheit wissen. Da die Eltern ihren Altersruhesitz in einem winzigen Dorf in Schweden gesucht haben, bekommen manche Berichte fast etwas Mystisches. Zusätzlich tragen die Isolation des kleinen Ortes und die zum Teil doch sehr seltsamen Bewohner zur Spannung des Buches bei. Ich habe von Tom Rob Smith bisher schon „Kind 44“ gelesen und war damals begeistert von der gebotenen Spannung, den Charakteren und der besonderen Situation dieses Thrillers. Jetzt hat mich auch „Ohne jeden Zweifel“ total mitgerissen. Von der ersten bis zur letzten Seite wird die Spannung aufrecht erhalten und die schlussendliche Auflösung der Geschichte war wunderbar glaubwürdig aber nicht zu simpel. Ich habe mich die ganze Zeit über gefragt, wie ich in dieser Situation wohl reagieren würde. Woher weiß man, ob das Gehörte die Wahrheit oder nur Ausgeburt einer kranken Psyche ist? Kann man das bei der eigenen Mutter objektiv beurteilen? Ich kann dieses Buch allen ans Herz legen, die wie ich derartige spannende Gedankenexperimente in Büchern mögen. Ich gebe 5 von 5 Leseratten für einen Thriller, der ohne viel Brutalität und Blutvergießen, ohne Serienkiller und Klischeepolizisten eine unwahrscheinliche Spannung erzeugt und mich absolut unterhalten hat.

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Der 29-jährige Daniel wohnt in London, seine Eltern sind vor einigen Monaten auf einen Hof in Schweden gezogen. Eines Tages erhält er einen Anruf von seinem Vater: Seine Mutter Tilde musste in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden. Bevor Daniel ins Flugzeug steigen kann, ist seine Mutter schon bei ihm in London eingetroffen. Daniel ist ihre letzte Hoffnung, denn sie weiß: Ihr Mann versucht mit anderen Bewohnern der Gegend, ein Verbrechen zu vertuschen. Mit Hilfe von Beweisstücken erzählt sie Daniel streng chronologisch ihre Geschichte. Wie wird Daniel darauf reagieren? Das Buch beginnt mit einem längeren Kapitel, in dem Daniel von der Einweisung seiner Mutter erfährt und diese kurz darauf bei ihm in London eintrifft. Wie konnte sie so schnell die Klinik verlassen? Sie selbst ist überzeugt davon, gesund zu sein; ihr Mann der sie hat einweisen lassen ist ihrer Meinung nach Teil der Verschwörung. Gleichzeitig erhält Daniel aber auch Anrufe von seinem Vater, der ihn auf die Krankheit seiner Mutter hinweist und ihn warnt, dass sie auch gewalttätig werden könnte. Wem soll Daniel glauben? Ich konnte sein Dilemma nachvollziehen und war gespannt auf seine Reaktion. Daniel beschließt zunächst, seiner Mutter die Chance zu geben, ihre Geschichte zu erzählen. Diese beharrt darauf, chronologisch vorgehen zu müssen, damit alles verständlich ist. Sie beginnt ihre Geschichte mit dem Umzug nach Schweden, und als Leser weiß man nicht, worauf ihre Erzählung überhaupt hinauslaufen soll. Ihre Geschichte wird immer wieder von Daniels kurzen Reaktionen auf das Berichtete unterbrochen. Für mich als Leserin war es interessant abzuwägen, ob das Erzählte tatsächlich der Wahrheit entspricht und ob die von Tilde vorgelegten Beweisstücke tatsächlich als solche angesehen werden können. Tildes Erzählung wirkt zwar authentisch, war mir aber etwas zu ausschweifend. Nach 310 Seiten Erzählung folgen 90 Seiten Konsequenzen. Dieses Seitenverhältnis war mir zu unausgeglichen, den ersten Teil empfand ich als zu lang und den zweiten als zu kurz. Dennoch faszinierte mich das Verwirrspiel des Romans. Da Daniel noch nie selbst in Schweden war, kennen er und auch man selbst als Leser die beteiligten Personen nur so, wie Tilde sie schildert. Doch wie bösartig sind Chris, Håkan, Doktor Norling und der Bürgermeister wirklich? Diese Ungewissheit sorgt für eine beständige, untergründige Spannung. Die Beantwortung aller drängenden Fragen kommt im Verhältnis zu Tildes Geschichte wie gesagt etwas kurz, hat mich aber überraschen und überzeugen können. „Ohne jeden Zweifel“ lebt von der Ungewissheit des Lesers, inwiefern das Erzählte der Wahrheit entspricht und welche Konsequenzen dies haben wird. Dies führt zu einer beständigen untergründigen Spannung während der eher ruhigen Geschichte. Wer psychologische Verwirrspiele mag und bei der Suche nach Wahrheit Hartnäckigkeit beweisen kann, ist bei diesem Buch richtig.

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