Leserstimmen zu
Sprechende Männer

Jochen-Martin Gutsch, Maxim Leo

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Schon der Titel macht stutzig: "Sprechende Männer". Natürlich sprechen Männer, sie unterhalten sich, sie halten Vorträge und erzählen Geschichten. Darüber ein Buch zumachen, das den Untertitel "Das ehrlichste Buch der Welt" trägt, macht neugierig. Schon der Vorspann macht deutlich, daß ein anderes "Sprechen" von den beiden Journalisten gemeint ist. Klar, in der Medienwelt ist vieles anders und Journalisten reden gerne. Und die beiden leben in verschiedenen Welten, verschiedenen "Männerwelten". Der eine (Jochen-Martin Gutsch) ledig und los, der andere (Maxim Leo) verheiratet, mit zwei Kindern. Beide um die 40 Jahre alt. Um das Gespräch zu vervielfältigen fand sich auch ein Verleger, der eine Vorgabe machte: "Ihr macht ein Experiment. Das längste Männergespräch der Welt. Total offen, intim, ehrlich. Ohne Tabus." Er ergänzte und jetzt wird es ehrlich: “Ihr sollt gar kein Männergespräch führen, sondern ein Frauengespräch.” Liest man dann in den Gesprächen, weiß man was gemeint ist. Kein Mann würde sich in die Kneipe (oder wo soll so ein Gespräch stattfinden: im Büro, in einem Restaurant, Zuhause?) setzen und mit seinem Kumpel, auch nicht mit seinem besten, solche Inhalte in dieser Form bereden. Die nächste Einschränkung folgt auf der gleichen Seite: Kommuniziert wird per eMail. “Also keine Telefonate, kein Treffen – nur die E-Mails.” Tja, damit ist der Effekt des Gespräches dahin. Jetzt ist klar, das können sogar Männer, ins Besonderen wenn es Journalisten sind, schreiben lässt sich über jedes Thema. Dem anderen in die Augen schauen und dabei intime Gespräche führen, nein, dafür sind Männer nicht geschaffen. Also, bevor der Spaß beginnt, muß man feststellen, daß "Das ehrlichste Buch der Welt", auf zwei Lügen basiert: Erstens ist es kein Männergespräch, sondern ein Frauengespräch, das von zwei Männern nachempfunden wird. Und zweites ist es kein Gespräch, sondern ein eMail-Austausch. Das soll nur niemanden davon abhalten, das nach Themen und Tagen gegliederte Werk zu lesen, es gibt genug Passagen, die es wert sind. Das ist jedoch kein Männer-, sondern ein Frauenbuch!

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Zwei Männer, Journalisten, um die 40 Jahre alt. Der Eine, Maxim Leo, ist verheiratet und hat zwei Töchter, der Andere, Jochen-Martin Gutsch, lebt alleine. Zwei Monate lang sollten sich die beiden über die grossen Fragen des Lebens unterhalten. Das ist die Ausgangslage bei “Sprechende Männer”. Es sei “das ehrlichste Buch der Welt”, verspricht der Heyne Verlag auf dem Cover. Doch schon der Titel ist gelogen. Denn Leo und Gutsch sprechen nicht miteinander, sie führen ihre Konversation per Mail. Mails, in denen die beiden Spracharbeiter sorgsam abwägen, was sie einander mitteilen oder antworten wollen. Und so ist die Unterhaltung der Beiden seltsam unemotional. Denn keiner der Männer steigt auf die Provokationen des Anderen ein. Der Single lässt sich die oft gönnerhaften und überheblichen Bemerkungen des Familienvaters meist gefallen und gibt ein paar rationale Antworten darauf. Umgekehrt reagiert auch Vater Leo sehr überlegt und besonnen, wenn Gutsch ihm etwa unterstellt, etwas weltfremd in der Glasglocke seines Familienidylls zu leben. Nur manchman, wenn es hoch kommt, wirft der Eine dem Anderen missionarischen Eifer vor. Das Buches beginnt vielversprechend. Denn Maxim Leo und Jochen-Martin Gutsch machen sich durchaus interessante Gedanken über ihre Leben und die Liebe. Gerade Familienvater Leo stellt sich gelegentlich auch selber kritische Fragen und wäre wohl gerne etwas näher dran am Leben seines Freundes, das er sich wild und frei vorstellt. Für Gutsch hingegen stellt sich eher die Frage, wie er sich als 40-Jähriger sein Netzwerk organisiert, in einem Alter, in welchem der Grossteil der Menschen vollständig durch ihre Jobs und Familien ausgelastet sind. Doch die Beiden drehen sich in ihren Gesprächen im Kreis. Fast alles dreht sich um das Thema Familienleben versus Single und fast immer geht es ihnen darum, den eigenen Lebensentwurf über den des Anderen zu stellen. Und so werden die beiden zu einer Art Konkurrenten, obwohl sie unterschiedliche Spiele spielen. Je länger das Gespräch dauert, je mehr scheinen sich die Beiden voreinander zu verschliessen. Selten zeigt einer von Beiden so etwas wie Demut oder Respekt dem anderen Lebensentwurf gegenüber. Nur an der nahezu obsessiven Neugierde gegenüber dem Sexleben des Singles Gutsch lässt sich manchmal ahnen, dass im 17-jährigen Eheglück von Leo die Spannung gelegentlich abhanden kommt. Zugeben würde er das allerdings nicht. Gutsch lernt zwar nach rund 200 Seiten eine Frau kennen und teilt Leo seine Erlebnisse und Ängste mit. Aber richtig Fahrt nimmt das Gespräch dadurch auch nicht auf.

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