Leserstimmen zu
Sprechende Männer

Jochen-Martin Gutsch, Maxim Leo

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Zwei Männer, Journalisten, um die 40 Jahre alt. Der Eine, Maxim Leo, ist verheiratet und hat zwei Töchter, der Andere, Jochen-Martin Gutsch, lebt alleine. Zwei Monate lang sollten sich die beiden über die grossen Fragen des Lebens unterhalten. Das ist die Ausgangslage bei “Sprechende Männer”. Es sei “das ehrlichste Buch der Welt”, verspricht der Heyne Verlag auf dem Cover. Doch schon der Titel ist gelogen. Denn Leo und Gutsch sprechen nicht miteinander, sie führen ihre Konversation per Mail. Mails, in denen die beiden Spracharbeiter sorgsam abwägen, was sie einander mitteilen oder antworten wollen. Und so ist die Unterhaltung der Beiden seltsam unemotional. Denn keiner der Männer steigt auf die Provokationen des Anderen ein. Der Single lässt sich die oft gönnerhaften und überheblichen Bemerkungen des Familienvaters meist gefallen und gibt ein paar rationale Antworten darauf. Umgekehrt reagiert auch Vater Leo sehr überlegt und besonnen, wenn Gutsch ihm etwa unterstellt, etwas weltfremd in der Glasglocke seines Familienidylls zu leben. Nur manchman, wenn es hoch kommt, wirft der Eine dem Anderen missionarischen Eifer vor. Das Buches beginnt vielversprechend. Denn Maxim Leo und Jochen-Martin Gutsch machen sich durchaus interessante Gedanken über ihre Leben und die Liebe. Gerade Familienvater Leo stellt sich gelegentlich auch selber kritische Fragen und wäre wohl gerne etwas näher dran am Leben seines Freundes, das er sich wild und frei vorstellt. Für Gutsch hingegen stellt sich eher die Frage, wie er sich als 40-Jähriger sein Netzwerk organisiert, in einem Alter, in welchem der Grossteil der Menschen vollständig durch ihre Jobs und Familien ausgelastet sind. Doch die Beiden drehen sich in ihren Gesprächen im Kreis. Fast alles dreht sich um das Thema Familienleben versus Single und fast immer geht es ihnen darum, den eigenen Lebensentwurf über den des Anderen zu stellen. Und so werden die beiden zu einer Art Konkurrenten, obwohl sie unterschiedliche Spiele spielen. Je länger das Gespräch dauert, je mehr scheinen sich die Beiden voreinander zu verschliessen. Selten zeigt einer von Beiden so etwas wie Demut oder Respekt dem anderen Lebensentwurf gegenüber. Nur an der nahezu obsessiven Neugierde gegenüber dem Sexleben des Singles Gutsch lässt sich manchmal ahnen, dass im 17-jährigen Eheglück von Leo die Spannung gelegentlich abhanden kommt. Zugeben würde er das allerdings nicht. Gutsch lernt zwar nach rund 200 Seiten eine Frau kennen und teilt Leo seine Erlebnisse und Ängste mit. Aber richtig Fahrt nimmt das Gespräch dadurch auch nicht auf.

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