Leserstimmen zu
Die Finkler-Frage

Howard Jacobson

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Wenn man gerne Gesellschaftsromane liest und den US-Autor Philip Roth kennt, dann weiß man auch über Howard Jacobson Bescheid. Sollte man annehmen. Doch dem dürfte in den allermeisten Fällen, erstaunlicherweise, nicht so sein. Jacobson ist Brite und hat überwiegend in der Heimat seine Bücher veröffentlicht. Immerhin hat ihm das mit 68 Jahren den Booker-Preis eingebracht. Da Jacobson sich, ebenso wie Roth, der jüdischen Tradition verpflichtet sieht, hält er auch in „Die Finkler-Frage“ daran fest. Und wie!!! Jacobson ist politisch und satirisch, sprachlich gewandt, mit spaßigen, jederzeit wertvollen Dialogen. Wie zu erwarten, machen die beiden „echten“ Juden dem Wunschjuden Treslow schnell klar, dass man als Jude lange und intensiv leiden muss. Das kann man sich nicht selbst aneignen, auch nicht mit dem Erlernen der hebräischen Sprache. Ohnehin ist ordentlich politischer Zunder bei den Beteiligten vorhanden. Für Samuel Finkler gibt es nur Palästina und kein Israel. Finkler stellt schon seit Kindeszeiten für Treslow genau das dar, was er sich unter einem beispielhaften Juden vorstellt. Mit Hepzibah Weizenbaum begibt sich Treslow auf ein jüdisches Liebesabenteuer, ganz nebenbei eröffnet die Dame in London ein Museum für anglo-jüdische Kultur. Jüdisches Dasein in der heutigen Gesellschaft im heutigen Leben der britischen Hauptstadt. Wie geht das? Auf all das findet Howard Jacobson vielleicht nicht die abschließende Antwort, aber er liefert plausible Hintergründe dafür. Mal nachdenklich, mal sich selbst hochnehmend. Das ganze Buch, von der ersten bis zur letzten Zeile, ist zwar anspruchsvoll, aber es ist ein wahrer Lesegenuss. Mit das beste, was ich im abgelaufenen Sommer lesen durfte.

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Identitätssuche

Von: Doris Küstner aus Bielefeld

29.09.2011

Drei Männer und die ewige Diskussion über Sex, Freundschaft, Frauen, Tod. Julian Treslove ist kein depressiver Mann; er hat einfach nur den Hang die Dinge etwas pessimistischer zu sehen als andere und daher kreisen seine Gedanken ständig um Themen wie das Leben im Allgemeinen, den Tod, das Glück. Während seine Kollegen bei der BBC die Karriereleiter unaufhaltsam erklimmen, bleibt er stehen. Sei...n Gerede von Trauer und Verlust mag niemand so recht verstehen. Libor Sevcik, fast 90jährig, Böhmen entronnen (Gott sei Dank)ist der Meinung dass es sich nur in England oder Amerika zu leben lohnt. Nun ist er, nachdem er 40 Jahre mit Malkie verheiratet war, Witwer. Wofür lohnt es sich jetzt noch zu leben? Ein Mann der davon überzeugt ist, dass man für Glück einen weitaus grausameren Preis bezahlen muss als für dessen Gegenteil. Sam Finkler, der Dritte im Bunde, inzwischen auch Witwer und mit Julian Treslove zusammen zur Schule gegangen, ist der Meinung Monogamie ließe sich nicht mit der Natur des Mannes vereinbaren und hat immer wieder Affären (seine Frau weiß davon). "Einem Mann steht es frei, mit seinem Körper zu tun, was ihm beliebt, solange er dabei nicht seine Familie in die Armut treibt oder sie infiziert"..... Im abendlichen London wird Julian dann auf dem Heimweg, nachdem er sich mit Libor und Sam getroffen hatte, von einer Frau überfallen. Von einer Frau! Ausgerechnet! War es Zufall oder eine der Frauen die ihn hasste, weil er sie noch unglücklicher machte als sie eh schon war? War es eine Verwechslung? Hat er antisemitische Äußerungen gehört? Ja, ganz sicher! Dieser Überfall ändert alles. Plötzlich fühlt er sich zugehörig und in seinen Bemühungen jüdisch zu denken und zu fühlen benimmt er sich jüdischer als seine beiden Freunde es jemals waren. Er lernt Hephzibah kennen. Sie entspricht überhaupt nicht seinem Frauenbild, ist aber so jüdisch dass ihm fast "das Herz schmilzt". Warum möchte er jüdisch sein? Weil er darin den direkten Weg in die Katastrophe sieht? Howard Jacobsen geht der "Finkler-Frage" mit Ironie, Wortspielereien und Witz auf die Spur dass es eine wahre Freude ist. Bei dieser Suche nach Identität habe ich mich köstlich unterhalten und kann das Buch wirklich jedem empfehlen der tragischkomische Geschichten mag.

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