Leserstimmen zu
Während die Welt schlief

Susan Abulhawa

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Während die Welt schlief

Von: Gernot Steinweg aus Bonn

03.05.2019

Was für Deutschland "Die Buddenbrooks" von Thomas Mann sind, ist für Palästina "Mornings in Jenin" / "Während die Welt schlief", ins Deutsche übertragen von Stefanie Fahrner. Das beste Buch, das ich je über Palästina gelesen habe.

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Das Dorf Ein Hod. Dort lebt seit Jahrhunderten die Familie Abulhijas. Sie sind Obstbauern und führen ein beschauliches, friedliches Leben. Im Jahr 1948 ist alles zu Ende. Der Staat Israel wird ausgerufen. Die Abulhijas und alle übrigen Dorfbewohner werden von den Soldaten gewaltsam aus ihrem Dorf vertrieben. Ihnen bleibt nur Unterschlupf in einem Flüchtlingslager für Palästinenser zu suchen. Doch die Abulhijas trifft es doppelt hart. Ihr kleines Baby Ismael wird von einem israelischen Soldaten entführt, der ihn als seinen eigenen Sohn David ausgibt. Die jüngste Tochter der Familie, Amal, wird im Flüchtlingslager geboren. Sie lernt Kampf, Gewalt und Ungerechtigkeit aber auch Freundschaft und Zusammenhalt kennen. Jahre später stehen sich David und Yussuf, sein großer Bruder, als Gegner gegenüber.... So hervorragend kann also ein politisch brisantes Thema in einem Roman verwoben werden! Eine ungewöhnliche Einleitung zur eigenen Meinung, aber mich hat das Buch so begeistert, dass ich das dicke Lob gleich zu Beginn loswerden muss. Gleichzeitig ist es aber auch eines der aufwühlendsten Bücher, das ich je gelesen habe. Bisher habe ich Nachrichten über den Palästinenserkonflikt wie alle anderen Neuigkeiten betrachtet. Doch dieses Buch hat das geändert. Zukünftig höre ich besser zu, weil mich dieses Buch von Susan Abulhawa wachgerüttelt hat. Sie erzählt darin schonungslos am Beispiel der Familie Abulhijas welche Konsequenzen die Gründung des Staates Israel auf die dort lebende palästinensische Bevölkerung hatte. Das Thema hat bis heute nichts an seiner Aktualität verloren. Das Buch beginnt im Jahr 1948 - wohlgemerkt. Beim Lesen dieses Romans musste ich immer wieder unterbrechen, um das Unfassbare irgendwie zu verstehen und zu hinterfragen, denn alle Mitglieder der Familie Abulhijas und auch die übrigen Dorfbewohner sind mir richtig ans Herz gewachsen. Die Autorin hat es meisterhaft geschafft alle absolut authentisch darzustellen. Sei es mit ihren Sorgen und Nöten, aber auch mit all ihren Unzulänglichkeiten. Es könnten ganz einfach Nachbarn oder Freunde sein. Das verstärkt die Fassungslosigkeit noch mehr was diese Menschen erleben mussten. Wie kann man Menschen ihrer Heimat berauben, um selbst sein Glück darauf zu bauen? Hätte es denn keine gemeinsame friedliche Lösung gegeben? Ich kann das einfach nicht nachvollziehen. Ganz beschämend finde ich auch die Tatsache, dass letztendlich die schrecklichen Gräueltaten im Naziregime Auslöser dafür waren, dass den Palästinensern solches Leid widerfuhr. Wie man sieht, ist "Während die Welt schlief" ein absolutes Schwergewicht, das man nach dem Lesen nicht einfach beiseite legt. Es regt schon sehr zum Grübeln an. Vor allem auch dann, wenn man genauer über den Titel nachdenkt. Dieses Buch gehört auf jeden Fall in unsere höchste Bewertungsstufe. Ich freue mich schon auf das nächste Werk der Autorin, das ich unbedingt lesen möchte.

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Anhand der Geschichte einer palästinensischen Flüchtlingsfamilie, die sich von 1941 bis 2002 erstreckt, wird der Verlauf des Nahost-Konflikts um "das heilige Land" geschildert. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Gründung des Staates Israel 1948 werden die Menschen in Ein Hod mit Waffengewalt von den Juden aus ihren Häusern vertrieben und müssen fliehen. Im Flüchtlingslager in Jenin wird Amal als jüngste Tochter geboren, nachdem der jüngere Sohn der Familie auf der Flucht verschwunden ist. Amals gesamtes Leben ist geprägt von Krieg, Gewalt und Leid. Im Verlauf des Romans verliert sie nahezu alle Angehörigen und Freunde bzw. muss diese bei ihrer Flucht bis nach Philadelphia in den Vereinigten Staaten von Amerika zurücklassen. Auch wenn sie sich unsterblich in den Arzt Majid verliebt und die gemeinsame Tochter Sara zur Welt bringt, wird sie selbst nie glücklich werden und ein erfülltes Leben führen können. Anhand des Einzelschicksals von Amal wird das ganze Leid geschildert, was einer Familie im Krieg und auf der Flucht passieren kann. Vertreibung, Zerstörung, Gewalt, Kindesraub, gefolterte Kinder, Massenmord, unschuldig massakrierte Zivilisten,... es wird nichts ausgelassen. All dies geschieht auf dem Rücken der Palästinenser und die Welt sieht scheinbar tatenlos zu wie sich die Israelis dieses Recht herausnimmt. Da erscheinen Selbstmordattentate von Arabern, die Gewaltspirale noch weiter anheizen, fast schon gerechtfertigt. Das Buch ist sehr bewegend geschrieben und ist - aufgrund des realen Hintergrunds um fiktive Protagonisten - eine Mischung aus Dokumentation und Roman. "Während die Welt schlief" prangert an, dass die Palästinenser und deren Situation in den Flüchtlingslagern von der Welt in all den Jahren des Palästina-Konflikts nicht ausreichend wahrgenommen wurde. Die Autorin wirft sowohl Journalisten als auch Hilfsorganisationen vor, nicht vor Ort gewesen zu sein bzw. das Leid der Menschen in den Medien nicht dargestellt oder die Situation sogar verzerrt geschildert zu haben. Auch wenn es ein Roman mit mit frei erfundenen Protagonisten ist und die Geschichte deshalb keinen Anspruch auf Wahrheit erhebt, sollte dem Leser vor Kauf des Buches bewusst sein, dass der autobiographische Hintergrund der Autorin einen verständlicherweise großen Einfluss auf ihre Erzählweise hat, und der Israel-Palästina-Konflikt deshalb sehr subjektiv aus Sicht von Susan Abdulhawa dargestellt wird. Wer mehr über den Konflikt lesen möchte ohne allzu trockene Literatur oder Sachtexte zu lesen, kann durch dieses Buch viel über die Geschichte des heiligen Lands lernen.

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Ich möchte mal vorweg nehmen, dass es sich bei dem Buch um kein Sachbuch handelt, das den Konflikt zwischen Juden und Palästinensern in seiner reinen Form schildert. Es ist ein Roman mit fiktiven Personen, mit Ereignissen die sich so oder so ähnlich zugetragen haben können und ausschließlich aus Sicht der Autorin, die in einem palästinensischem Flüchtlingslager aufgewachsen ist, geschildert werden. Auch wenn im Nachwort diverse Quellen genannt werden, ist mir die Historie zu den Ereignissen nur aus den Medien bekannt . Politisch und geschichtlich bin ich zu wenig mit den beiden Völkern vertraut um mich diesbezüglich zu äußern. Ich Urteile weder über die eine noch über die andere Seite. Mir geht es rein um meinen persönlichen Leseeindruck über den Roman, bzw. um den Schreibstil und die darin vorkommenden Personen! Geschildert wird ein Völkerdrama in dem eine fiktive palästinensische Familie die Hauptrolle spielt. Zu beginn, in den 1940er Jahren, durchlebt man als Leser die scheinbar unbeschwerten Jahre einer Dorfgemeinschaft in der Nähe von Jerusalem. Hasan und Ari, ein arabischer und ein jüdischer Junge, verbindet eine tiefe Freundschaft. Die Familien lebten in Frieden und Eintracht zusammen. Die politische Situation spitzte sich immer mehr zu. Schließlich marschierte die Israelische Armee in das Gebiet ein und Hasan, seine Familie und alle Dorfbewohner wurden aus ihren Häusern vertrieben. Jenin, das Flüchtlingslager, wurde ihr neues Zuhause. Dort kam 1955 Amal zur Welt und verbrachte auch ihre Jugend in dem Lager. 1967 eskaliert die Situation mit den Israelis und Amal verliert ihre Eltern. Sie kommt in ein Waisenhaus in Jerusalem und erhält später ein Stipendium für Amerika. Dort versucht sie ein neues Leben anzufangen. Yussuf, ihr Bruder, macht sie in den USA ausfindig und sie begibt sich nach Beirut. Dort lernt sie ihre große Liebe Majid kennen. Sie heiraten und erwarten bald ihr ersten Kind. Sie wünschen sich ein friedliches Leben als Familie und planen ihre gemeinsame Zukunft in den USA. Doch das Schicksal hat andere Pläne…… Die zeitliche Spanne in dem Roman ist auf 60 Jahre aufgeteilt. In mehrere Teile und zeitlich eingegrenzte Kapitel erfährt man die Geschichte von Amal und ihrer Familie. In Amal konnte ich mich gut hinein versetzten. Ihre Gefühle, Ängste und Sorgen waren so greifbar. Die Sprache ist klar und deutlich, ohne Dinge zu verschönen. Der Schreibstil ist sehr bildhaft. Ich erhielt ein scharfes Bild der Landschaft, ebenso aber auch das grausame Bild des Krieges und des Todes. Ich lachte und weinte mit Amal, war aber auch bedrückt, schockiert und entsetzt. Eine Geschichte die mich gefesselt und bis zum Ende nicht mehr los gelassen hat! Mein Fazit: Auch wenn die Handlung nur aus palästinensischer Sicht dargestellt ist, hat mich der Roman in seiner Dramatik von Beginn an mit sich gezogen. Der Konflikt zwischen den beiden Völkern ist real, dies als Leser mitzuerleben ist erschreckend und in gewisser Weise auch surreal. Das Ende des Romans ist grausam, aber auch ein klein bisschen versöhnlich. Trotz all seiner realen Thematik ist der Roman für mich nur eine Geschichte. Eine Geschichte über den Krieg, die Freundschaft und die Liebe. Diese konnte mich fesseln bis zum Ende. Und das ist für mich das Wichtigste an diesem Drama!

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Jeden morgen, bei Sonnenaufgang, liest Amals Vater ihr aus den Werken großer Dichter vor. Diese Momente des Friedens und der Hoffnung trägt Amal ihr ganzes Leben im Herzen. Ihrem Leben, das in einem Flüchtlingslager begann und sie später nach Amerika führt. Immer geprägt vom Konflikt zwischen Israel und Palästina. „Jahrzehnte später, an einem trostlosen Februarmorgen in Pannsylvania, sollten Gibrans eindringliche Verse und die Erinnerung an Babas weichen Bariton mein einziger Trost sein.“ (S. 86) Meinung „‚Seltsam‘, dachte sie, ‚woran man denkt, wenn man sich in diesem Grenzbereich zwischen Leben und Tod aufhält’.‘’ (S. 7) Während die Welt schlief erzählt die Geschichte einer palästinensischen Familie über vier Generationen hinweg. Die aus Ein Hod, ihrer Heimat durch die Israels vertrieben wurden. Wir erleben, wie sich Amals Eltern kennen und lieben Lernen, ihre Geschwister bekommen, einen ihrer Brüder verlieren und vertrieben werden. Sie landen im Flüchtlingslager Jenin, in dem Amal später zur Welt kommt. Durch ihre Augen erfahren wir, wie es der Familie in den Zeiten der Vertreibung und des Krieges ergeht und was aus Amal und ihrer Familie wird. Das Buch ist so unfassbar traurig und berührend und gleichzeitig schön. Schön unter anderem aufgrund des emotionalen, tiefgründigen und bildhaften Schreibstils, der mir unter die Haut ging und mich von der ersten Seite an mitriss. Die Vorgeschichte und die Kapitel, die nicht Amal begleiten, sind in der dritten Person geschrieben. Amal selber erzählt uns in der Ich-Perspektive von ihrem harten Schicksal. Gekonnt baut Susan Abulhawa immer wieder kleine, offene Hinweise auf spätere Gegebenheiten ein, die mich als Leser immer tiefer in die Geschichte sogen und das Buch zu einem PageTurner machen. Die Charaktere waren allesamt stark, authentisch, einzigartig, kraftvoll und doch zu zerbrechlich und machen für mich das Buch zu etwas ganz Besonderem. Hautnah erleben wir ihre Zerrissenheit zwischen Trauer, Wut, Zorn, Verzweiflung aber auch Liebe, Zukunftsträumen und Hoffnung. „Die Bescheidenheit ihres größten Wunsches bringt mich noch heute zum Weinen.“ (S. 169) Unfassbar traurig und berührend ist Während die Welt schlief, aufgrund seiner Geschichte. Zwar sind die Charaktere und die Geschichte rund um die Charaktere fiktiv. Doch die Geschehnisse in Israel und Palästina und der Konflikt sind seit Jahrzehnten real. Diese Tatsache hat das Buch ganz besonders hart für mich gemacht. All diese grausamen Inhalte von Krieg, Tod, Terror, Folter, Massakern und zerbrochenen Familien geschehen wirklich und zwar heute noch tagtäglich im nahen Osten und erschüttern mich zutiefst. Konflikte, von denen im Buch eigentlich keiner mehr weiß, warum dies alles nur passiert. Und vermutlich ist dies auch im wahren Leben so – ein Kreislauf der Gewalt und der Rache, der kein Ende zu nehmen scheint. Während die Welt schlief hat mich aber auch positiv berührt. Denn trotz all dem Horror, den Amal und ihre Familie und Freunde durchmachen, gibt es immer wieder Momente des Friedens, der Liebe, des Glücks und der Hoffnung. Ein Stück Normalität in diesen harten Zeiten. Eine gelungene Mischung aus dieser tiefer Not, diesem menschenunwürdigen Leben und Familie, Freunde, Beständigkeit, Geborgenheit und Hoffnung. „Der kalte Stahl drückte gegen ihre Stirn. Ihre Erinnerungen zogen sie in die Vergangenheit, in eine längst verblasste Zeit, in eine Heimat, die sie nie gekannt hatte.“ (S. 8) Fazit Ein berührendes, emotionales Buch mit starken, kartvollen und gleichzeitig zerbrechlichen Charakteren das mich zu Tränen gerührt hat. Es ist nicht alleine die Geschichte von Amal und ihrer Familie, die rein fiktiv ist, sondern auch die Tatsache, dass die Geschehnisse in diesem Nahost-Konflikt wirklich passieren – das Leben deren Einwohner, egal auf welcher Seite, besteht aus Krieg, Angst, Tod, Terror und nicht selten auch Massakern. Dies machte das Buch für mich ganz besonders hart und grausam. Gleichzeitig strahlt es dennoch auch Hoffnung aus und zeigt, wie wichtig Liebe und Familie und ein kleines bisschen Normalität sein kann. Das Buch hat mich tief berührt, es war schmerzhaft und doch schön und wird mich lange nicht mehr loslassen.

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"Während die Welt schlief" erzählt die bewegende Geschichte einer palästinensische Familie über vier Generationen, die direkt Betroffene des Nahostkonflikts sind. "Ein großartiges Buch über Frieden, Krieg und Hoffnungen." Zitat: Für Sie Meine Meinung Der Nahostkonflikt dürfte jedem durch Jahrzehnte langer Berichterstattung ein Begriff sein. Doch gerade aufgrund dieser langen Geschichte dieses Krieges fällt es teilweise schwer heute noch nachzuvollziehen, wie es dazu kam und wer welche Rolle spielt. Dieses Buch ist nicht nur in dieser Hinsicht eine Bereicherung! Es hat in mir ein Interesse geweckt, das über die Buchseiten hinausgeht. In den letzten Tagen habe ich einiges im Internet über Israel und Palästina nachgelesen. Die Anonymität täglicher Nachrichten versperrt einem oft den Zugang zu einem Thema. Doch „Während die Welt schlief“ lässt uns teilhaben an den furchtbaren Schicksalsschlägen einer Familie. Man leidet mit, da man mit den Menschen vertraut ist - man kennt ihre Geschichte. Susan Abulhawa übermittelt einem die Hoffnungen, Hilflosigkeit und Ängste von Palästinensern in Flüchtlingslagern auf eine sehr emotionale Weise. Und zeigt so auch die nachvollziehbaren, wenn auch nicht immer gerechtfertigten, Folgen dieser Zerstörungen. Eine Zerstörung, die die Menschen vor allem auch psychisch kaputt macht und es ist schon fast unerträglich von diesen Leiden zu lesen. Es handelt sich um eine fiktive Geschichte und dennoch bindet die Autorin die historischen Ereignisse so gut in die Geschichte ein, dass es einem schwer um´s Herz wird, angesichts dessen was die Menschen durchmachen. Sie appelliert an unsere Menschlichkeit und lässt uns diesen Konflikt aus ganz anderen Augen sehen, als es uns durch die tagtäglichen Nachrichten möglich ist. Fazit „Während die Welt schlief“ zeigt uns, dass wir in einer Welt leben in der man nicht so leicht zwischen Gut und Böse unterscheiden kann. Diese beiden Seiten liegen leider oft viel näher beieinander, als man denkt und gerade Kriege& Leid kann die Menschen auf grausame Art und Weise verändern. Wenn ihr euch also für eine Familiengeschichte während des Nahostkonflikts interessiert, ist dieses Buch ein Must-Read. Zitat S. 415 „Wie kann man in einer Welt leben, die sich schon so lange von derartiger Ungerechtigkeit abwendet?“ 5 von 5 Sternen

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