Leserstimmen zu
Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims

Annabel Pitcher

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Der zehnjährige Jamie ist mit seinem Vater und seine 15-jährigen Schwester Jas aus London weggezogen, als die Mutter, die in einer Trauergruppe einen anderen Mann kennengelernt hat, die Familie verlassen hat. Vor fünf Jahren wurde Jas' Zwillingsschwester Rose bei einem islamistischen Anschlag getötet. Niemand in der Familie hat den Verlust der Tochter bzw. Schwester verarbeitet, weshalb ihre Überreste in einer Urne im Wohnzimmer auf dem Kaminsims gehütet werden. Der Vater tröstet sich mit Alkohol und ist nach dem Umzug kaum mehr in der Lage, seine Kinder zu versorgen. Schwester Jas vermisst ihre Zwillingsschwester, fühlte sich nach deren Tod aber zunehmend von ihren Eltern vernachlässigt und beginnt zu rebellieren. Jamie kann die Trauer in der Familie nicht verstehen, da er sich kaum an seine Schwester Rose erinnern kann und nie um sie geweint hat. In der neuen Schule, in der Jamie der Außenseiter ist, der Tag für Tag dasselbe Spider-Man-T-Shirt trägt, dass er von seiner Mutter zum Geburtstag bekommen hat, lernt er Sunya kennen. Sie ist die einzige, die ihn gegen seine Mitschüler verteidigt und keinen Streich gegen diese und die Lehrerin Mrs. Farmer auslässt. Sunya ist aber Muslima und Jamie weiß, dass sein Vater durchdrehen würde, wenn er von seiner Freundschaft zu ihr wüsste. Für ihn sind alle Muslime pauschal Terroristen. Jamie wünscht sich so sehr, dass alles wieder ist wie früher, dass sein Vater aufhört zu trinken und vor allem, dass seine Mutter wieder zurückkommt. Nach einem traurigen Weihnachtsfest, das Jas und Jamie ohne Eltern feierten, beschließt Jamie, sie und seine Schwester bei einer Talentshow zu bewerben, um die Familie durch einen Auftritt im Fernsehen wieder zusammenzuführen. Der Roman ist aus der Sicht eines 10-jährigen Jungen geschrieben, der die traurige Situation, in der er lebt, auf eine kindlich ehrliche Art beschreibt. Im Gegensatz zu den Erwachsenen und seiner fünf Jahre älteren Schwester geht er mit dem Verlust und der Trauer um die Schwester viel nüchterner um. Er vermisst Rose schlichtweg nicht, was er aber nicht aussprechen darf. Stattdessen vermisst er eine "normale" Familie. Mutter und Vater, die sich beide um die Kinder kümmern, sich nicht streiten und einer geregelten Arbeit nachgehen sowie eine Schwester, die genügend isst. "Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims" behandelt ein tragisches Thema, ist aber durch die Schilderungen des Jungen keinesfalls deprimierend, sondern stellenweise richtig lustig zu lesen. Annabel Pitcher ist ein sehr bewegendes Buch über den Verlust eines Familienmitglieds und dessen Folgen gelungen. Es ist ein Buch über Trauerbewältigung und den Zusammenbruch einer Familie, aber auch über Freundschaft un den Mut zur Vergebung und für einen Neuanfang. Traurig, aber herzerfrischend schön!

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