Leserstimmen zu
Ich schreib dir sieben Jahre

Liz Balfour

(2)
(0)
(1)
(0)
(0)
€ 8,99 [D] inkl. MwSt. | € 8,99 [A] | CHF 11,00* (* empf. VK-Preis)

Wer ist M.

Von: Nicole Plath

15.04.2016

Als der Gesundheitszustand ihrer Mutter Ally von London zurück nach Irland zwingt, macht Ally eine Entdeckung. Alles, was sie glaubte über ihre Eltern zu wissen, wird in Frage gestellt. Sie findet im Haus ihrer Mutter Liebesbriefe eines M. an ihre Mutter. Diese Briefe stammen alle aus einer Zeit vor ihrer Geburt. War M. die große Liebe ihrer Mutter gewesen? Durch die Briefe von M. erfährt Ally die ganze Wahrheit über das merkwürdige Verhalten ihrer Mutter. Sie lernt eine andere Mutter kennen, als die Frau, bei der sie aufgewachsen ist. Allys Eltern haben sie als Mädchen zu Verwandten nach London gegeben, damit sie dort auf einem Internat die Ausbildung erhält, die ihr in der Heimat niemand geben konnte. Dies konnte Ally, mit der damals nicht darüber gesprochen wurde, ihrer Mutter nicht verzeihen, und so ist das Verhältnis der beiden Frauen nicht einfach. Von den anderen Problemen, denen Ally ausgesetzt ist, ganz zu schweigen. Ihr Ehemann Benjamin, Freundin Kate und Eoin, ein guter Freund ihrer Mutter, sorgen zudem in Allys Leben für ein kleines (Gefühls-) Durcheinander. Zwangsläufig stellt sich Ally die Frage, wer sie eigentlich ist und ob es das ist, was sie sein möchte. Eine Geschichte über Familie und Geheimnisse, zauberhaft erzählt von Liz Balfour. Um die Zeitgeschehnisse der Zeit, aus der die Briefe stammen, verstehen zu können, ist ein kleines Irland-Lexikon am Ende des Buches. Es erläutert die wichtigsten Begriffe und Hintergründe zu der damaligen Zeit. Doch keine Angst, es ist kein politischer Roman. Die erläuterten Begriffe liefern beim Lesen der Briefe von M. einfach nur Hintergrundinfos. Das Buch fesselt, und man möchte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Briefe sind zwischen den einzelnen Kapiteln und bringen so den Leser schon auf die eine oder andere Spur, wie es weiter gehen könnte, bevor Ally einen Schritt näher an das Geheimnis kommt.

Lesen Sie weiter

Die knapp 30-jährige Ally hatte nie einen guten Draht zu ihren Eltern. Schon als Teenager hat sie das Cottage in Irland verlassen und ist auf Anraten ihrer Eltern zu ihrer Tante nach England gezogen. Sie wollten, dass sie eine bessere Ausbildung und ein besseres Leben als auf dem Land erhält. Ally hat sich in London auch immer wohlgefühlt und Karriere als Anwältin gemacht. Inzwischen ist sie mit Benjamin verheiratet, mit dem sie gemeinsam eine Kanzlei in London führt. Der Kontakt zu ihren Eltern ist fast eingeschlafen. Ihr Vater ist zwischenzeitlich verstorben und jedes Mal, wenn sie ihre Mutter Deirdre besuchte, gerieten sie in Streit. Jetzt liegt Deirdre nach einem Herzinfarkt im Koma, weshalb Ally in das Cottage nach Irland zurückkehrt. Dort findet sie leidenschaftliche Briefe eines "M." aus den 1970er-Jahren, der offensichtlich verheiratet war, aber unsterblich in Deirdre verliebt war. Als sie von ihm schwanger wird, überlegte er sogar seine Familie zu verlassen. Durch die Briefe lernt Ally ihre Mutter völlig neu kennen und bereut, dass sie immer so ein schlechtes und inzwischen fast gar kein Verhältnis zueinander haben. Sie hat so viele Fragen und hofft, dass Deirdre aus dem Koma erwacht. In Irland trifft sie auch Eoin wieder, den sie bei einem Heimatbesich vor sieben Jahren bei einer Party kennenlernte und für den sie fast die Hochzeit mit Benjamin abgesagt hätte. Er macht sie auch heute noch nervös. Obwohl sie ihn kaum kennt, spürt sie eine enge Bindung zu ihm. Er war auch derjenige, der ihre Mutter nach dem Herzinfarkt gefunden und sich auch sonst um Deirdre, die in dem Cottage recht abgeschieden lebt, gekümmert hatte. Währenddessen beschäftigt Benjamin in der Kanzlei ein Fall einer Plagiatsaffäre in der Modebranche. Ein bekannter Modedesigner und Mandat der Kanzlei möchte Allys beste Freundin Kate verklagen. Ally ist in ihrer Solidarität zwischen Benjamin und ihrer gemeinsamen Kanzlei sowie ihrer Freundschaft zu Kate hin und hergerissen. Außerdem steht sie vor der Entscheidung, das Cottage zu verkaufen, was im Pflegefall der Wunsch ihrer Mutter war, um ihrer Tochter (finanziell) nicht zur Last zu fallen. Es liegt ein Angebot für das fehlende Stück Land vor, um eine Ferien und Freizeitanlage zu erbauen. Dieses Vorhaben missfällt Eoin, zu dem sich Ally immer mehr hingezogen fühlt, gewaltig. Puh... in dem Roman werden neben der Familien- und Liebesgeschichte sehr sehr viele Themen wie Tier- und Umweltschutz, Ehebruch und Fehlgeburten bis zum Nordirland-Konflikt angesprochen. Meines Erachtens ist der Roman damit etwas überladen. Das zerrüttete Familienleben sowie die Entwicklung und Aufklärung desselbigen kamen mir dabei etwas zu kurz. Die Zusammensetzung der einzelnen Puzzleteile und Aufösung der Rätsel um Deirdra, ihre verlorene Liebe und den verstorbenen Ehemann kam am Ende des Romans sehr ad hoc und die vorhersehbare Versöhnung von Mutter und Tochter war dann doch sehr seicht. Nichtdestotrotz sorgt "Ich schreib dir sieben Jahre" für kurzweilige Lesestunden, vor allem für Freunde von Familiengeschichten in irischer Kulisse. Es ist aber kein Roman, der mir länger im Gedächtnis bleiben wird.

Lesen Sie weiter

Dies ist der Debütroman der studierten Theaterwissenschaftlerin Liz Balfour. Mich hat der Klappentext neugierig gemacht, weil er nicht nach einer gewöhnlichen Liebesgeschichte klang sondern eher nach einer geheimnisvollen Familiengeschichte. Ich wurde nicht enttäuscht, denn die Geschichte hat mich gleich in ihren Bann gezogen. Die Hauptprotagonistin Ally musste ich zuerst ein bisschen kennenlernen, um sie einschätzen zu können, denn der erste Eindruck täuscht. Anfangs kamen mir ihre Empfindungen und ihr Verhalten ihrer Mutter gegenüber doch etwas merkwürdig vor. Nach und nach erfährt der Leser doch mehr über die Hintergründe, die vieles erklären. Allerdings bleibt das „kühle“ ja fast ablehnend wirkende Verhalten der Mutter lange undurchsichtig. Recht unsympathisch war mir allerdings Allys Ehemann Benjamin, der auf mich den Eindruck machte, dass ihm Karriere und Erfolg wichtiger sind, als seine Frau, seine Ehe und Freundschaft. Die Geschichte wirdaus Allys Sicht erzählt, die immer wieder Rückblicke in ihre Kindheit und Jugend gibt und damit langsam erklärt, wie es zu dem angespannten Verhältnis zu ihrer Mutter kam. Die geheimnisvollen Briefe an Allys Mutter Deirdre, die auch immer wieder Informationen zur Vergangenheit preisgeben, sind geschickt zwischen den einzelnen Kapiteln platziert. Diese Briefe sind einfach wunderbar und gefühlvoll formuliert und haben mich sehr berührt. Ein Zitat: „Ich wache morgens auf und sehne mich nach dir. Ich quäle mich durch den Tag und sehne mich nach dir. Ich warte auf die Nacht, in der ich endlich von dir träumen kann.“ (Seite 163) Aber in der Geschichte geht es nicht nur um die Liebesgeschichte zwischen Deirdre und dem mysteriösen Briefeschreiber. Ally hinterfragt, ausgelöst durch die aktuellen Ereignisse, ihr Leben und ihre Ehe und versucht dem Geheimnis ihrer Mutter auf die Spur zu kommen. Dann gibt es noch Allys beste Freundin Kate, die mit größeren Problemen zu kämpfen hat und die Unterstützung ihrer Freundin braucht. All das sorgt für Spannung und beste Unterhaltung, da sich die Puzzleteile erst nach und nach zusammensetzen. Die Autorin erzählt die Geschichte nicht nur vor der schönen Kulisse Irlands sondern verarbeitet auch die Zeitgeschichte, Kultur und Lebensart des Landes sehr authentisch. Mit ihrem lockeren aber mitreißenden Schreibstil hat die Autorin mich begeistert und mitgenommen nach Irland. Die tolle Mischung aus verschiedenen Themen, glaubhaften und gut gezeichneten Figuren, hat in mir die unterschiedlichsten Emotionen ausgelöst und mich durchgängig an das Buch gefesselt. Ein gelungener Debütroman der Lust auf weitere Bücher von Liz Balfour macht!

Lesen Sie weiter