Leserstimmen zu
Roter Mond

Benjamin Percy

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Cover Ganz simpel mit dem roten Mond auf schwarzem Grund kommt das Cover daher. Da ich grade auf der Suche nach einem Sci-Fi-Buch war konnte es meine Aufmerksamkeit gut auf sich ziehen und mit dem Klappentext hat mich „Roter Mond“ dann doch neugierig gemacht, obwohl es nicht in dem Genre spielt, nachdem ich Ausschau gehalten habe. Meinung Das Benjamin Percy schreiben kann, merkt man gleich zu Anfang. Spielend leicht, ohne durch den Schlagabtausch dramatischer Ereignisse gehetzt zu werden, kommt man in die Geschichte, die mehr in sich birgt, als ich zu Beginn gedacht hätte. Grob gegliedert ist „Roter Mond“ in drei Teile. Im ersten lernt der Leser sowohl die Protagonisten als auch die Rahmenbedingungen der Geschichte kennen. Man bekommt einen soliden Eindruck von der vorherrschenden Stimmung und den Charakteren, auf die ich mich dank der gelungenen Erzählweise gut einlassen konnte. Zum einen lernt man Patrick kennen. Ein junger Mann, der einen grausamen Anschlag der Lykaner überlebt hat. Trotz dieses Erlebnisses verteufelt er nicht jeden von ihnen, was ihn bei der Wahl seiner Freunde in große Gewissenskonflikte bringt. Grade diese Konflikte mit sich selbst machen Patrick sehr menschlich und nahbar. Man kann mit ihm fühlen und kann seine innere Zerrissenheit manchmal richtig spühren. Claire ist eine junge Lykanerin. Sie fühlt sich mit ihrem zweiten Ich nicht wohl und verwandelt sich nicht gerne. Es fällt sehr leicht sie zu mögen, da sie sehr sympathisch wirkt und sehr mit sich selbst kämpft. Als dritten wichtigen Charakter findet sich Chase in die Geschichte ein. Er bildet den politischen Strang der Handlung, zu der man mit Patrick und Claire eine umfassende Beleuchtung der Situation bekommt. Besonders den dritten Part, also der Erzählstrang von Chase, birgt in meinen Augen eine tolle Erweiterung zu vielen Büchern, die ich sonst über Lykaner und Menschen gelesen habe. Politsche Aspekte sind nicht immer leicht nachzuvollziehen aber sie bringen besonders in so einer Geschichte eine ganz eigene Dynamik und Sicht auf die Dinge mit. Schnell bekommt der Rassismus-Charakter einen Platz in der Story und der Fokus ist nicht mehr auf einem einzelnen Schicksal gesetzt sondern betrifft die ganze Bevölkerung. Mir haben die unterschiedlichen Charaktere und die verschiedenen Blickwinkel sehr gut gefallen. Sie machen eine Geschichte, die man so oder ähnlich schon mal gelesen hat zu einem ganz neuen Leseerlebnis und bringen viele neue Aspekte in ein bekanntes Terrain. Dies merkt man auch in den folgenden zwei Teilen dieses Buches, in dem sich der Kampf beider Rassen langsam aufbaut und ein Krieg entfacht. Es gibt nicht nur die Gewinner oder die Verlierer. Man sieht beide Seiten, die ihre Opfer zu beklagen haben und fühlt mit jeder Seite mit. Die wenigen Längen, die sich in dem Buch eingeschlichen haben sind in meinen Augen ein kleines Manko. Da diese aber weder überwiegen, noch von der Grundgeschichte ablenken war dies für mich zu verschmerzen und hat mir persönlich den Lesespaß nicht verdorben. Fazit Auf fast 640 Seiten hat Percy eine Geschichte geschrieben, die gut durchdacht und von unterschiedlichen Seiten beleuchtet wurde. Diese zu erkunden fand ich durchaus spannend und zusammen mit den authentischen Charakteren hat mich „Roter Mond“ bis auf Kleinigkeiten gut von sich überzeugen können.

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Autor: Benjamin Percy Titel: Roter Mond Originaltitel: Red Moon Gattung: Roman Erscheinungsdatum: 18.04.2016 Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag ISBN: 978-3-73410-0635 Preis: 19,99 € (gebundene Ausgabe) Seitenzahl: 640 Inhalt: Patrick Gamble überlebt als Einziger einen terroristischen Anschlag auf ein Linienflugzeug. Er wird als Held gefeiert, während landesweit in einer wahren Hexenjagd Verdächtige verfolgt werden. Als Regierungsbeamte Claire Forresters Haustür eintreten und ihre Eltern ohne zu zögern erschießen, ist ihr klar, dass sie selbst zur Zielscheibe geworden ist. Claire kann gerade noch fliehen, aber sie weiß: Ihr Volk, das durch Gesetze, Gewalt und Drogen in Schach gehalten werden soll, gilt als dunkle Bedrohung. Doch die Nacht des Roten Mondes rückt näher, in der die Welt für immer ihr Antlitz verändern wird – und die Schlacht gegen die Menschen beginnt … Cover: Das Cover ist dunkel und verbreitet eine düstere Stimmung, die sich auch recht schnell im Buch wiederspiegelt. Der ausdrucksstarke rote Mond auf dem Cover, zeigt nur noch eine weitere Parallelen zum Inhalt des Buches. Charaktere: Da im Laufe dieses Buches immer mehr Charaktere ihren ganz eigenen Auftritt haben, werde ich an dieser Stelle etwas kürzertreten. Sämtliche Protagonisten im Buch sind lebensecht, glaubhaft beschrieben und sind auch genauso rübergekommen. Durch das Wechseln der Handelsstränge musste man sich an einigen Stellen erst wieder in den jeweiligen Charakter hineinversetzen, dennoch war ich überrascht, dass der Autor es geschafft hat so viele Protagonisten unter einen Hut zu bringen, ohne dass diese blass oder gar unwirklich erschienen sind. Fazit: Im Großen und Ganzen fand ich die Idee hinter dem Buch gar nicht schlecht. Was mich im Laufe des Buches jedoch immer mehr gestört hat war zum einen, die Zeitform, mit der ich persönlich so meine Schwierigkeiten hatte, und zum anderen das ständige Wechseln der Charaktere und das obwohl ich persönlich eigentlich kein Problem mit dem Wechsel der Perspektive habe, doch dadurch das es in diesem Buch relativ viele Protagonisten gab, wurde dies für meinen Geschmack etwas zu sehr ausgereizt. Von mir gibt es drei von fünf Sternen.

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Patrick Gambles Welt gerät aus ihren Fugen, als er seinen Vater verlassen muss, der als Reservist wieder zum Militärdienst eingezogen wurde. So bleibt nur der Umzug zur in Scheidung vom Vater lebenden Mutter, mit der er seit vielen Jahren nur noch losen Kontakt hat und auf die er sich dementsprechend nicht besonders freut. Doch auf dem Überlandflug von San Francisco nach Portland wird auf das Flugzeug ein folgenschwerer Anschlag verübt, bei dem ein Lykaner blutige Ernte unter den Passagieren hält. Patrick überlebt als einziger Passagier und wird fortan mit einem großen Medieninteresse gequält, was ihm den Neuanfang bei seiner Mutter nicht wirklich leichter macht … Claire ist Lykanerin und träumt von einem ganz normalen Leben, fernab von den lykanerrechtlichen Themen, die durch ihre Eltern permanent aufgebracht werden, mit einer normalen Ausbildung, einem Freund, der sie aufrichtig liebt, und am Besten möglichst wenig Blick auf ihre zweite Natur. Diese Träume platzen jedoch, als nach dem Lykaneranschlag auf Patricks Flugzeug die amerikanische Regierung hart gegen mutmaßliche Lykaneraktivisten durchgreift und ihre Eltern von Regierungsbeamten erschossen werden. Von nun an ist Claire auf der Flucht, in einer Welt, in der sich die allgemeine Aufmerksamkeit auf alle richtet, die mit dem Lobos-Virus infiziert sind. Ideale Verhältnisse für Gouverneur Chase Williams, den sein findiger Berater Augustus Remington auf den Sessel des Präsidenten hieven will und der mit Anti-Lykaner-Parolen viel Zustimmung bei der Bevölkerung findet. Die folgenden Sanktionen gegen Lykaner verschärfen die Stimmung zwischen den »normalen« Bürgern und den Infizierten zunehmend, und Amerika taumelt einer Zukunft entgegen, in der nichts mehr so ist, wie es einmal war … Auf dem Schutzumschlag dieses über sechshundert Seiten dicken Romans befindet sich ein Zitat von John Irving: »Hätte George Orwell sich eine Zukunft mit Werwölfen ausgemalt, dann wäre genau dieser Roman dabei herausgekommen.« - ein Versprechen, das Benjamin Percy zu einem gewissen Teil einlösen kann, zu einem anderen jedoch Erwartungen weckt, die zwangsläufig enttäuscht werden müssen. Grundsätzlich ist die Alternativwelt sehr gut inszeniert: Durch das Lobos-Virus, welches durch Biss oder Konsum übertragen werden kann, werden aus normalen Menschen Lykaner, deren zweites Ich sich zu einem blut- und fleischgierigen Wolfswesen entwickeln kann. Ungebändigt eine tödliche Gefahr für andere Menschen, sodass die Regierung schon vor vielen Jahren verfügt hat, dass Lykaner nur durch die Einnahme des die lykanischen Regungen dämpfenden Volpexx-Medikaments ein aktiver Teil der Gesellschaft sein dürfen. Wer sich anpasst, ist mit dabei, allerdings oft auf Kosten der eigenen Lebensqualität, da Volpexx enorme Nebenwirkungen auf Physis und Psyche hat. Amerika befindet sich in der Gegenwart der Erzählung im Konflikt mit der paramilitärischen, zwischen Finnland, Russland und dem weissen Meer liegenden »Republik«, welche von freiheitsliebenden Lykanern beherrscht wird und in welcher sich wertvolle Bodenschätze befinden. Die dort stationierten Soldaten sollen sicherstellen, dass die Rohstofförderung in von US-Unternehmen betriebenen Minen reibungslos ablaufen, was natürlich nicht funktioniert – und immer wieder Menschen- und Lykanerleben fordert. Zu Beginn der Erzählung ist das Miteinander zwischen Menschen und ihren wölfischen Mitbürgern noch relativ gemäßigt möglich. Claire kann sich beispielsweise unter mehreren Colleges entscheiden, die eine gemischte Studentenschaft haben. Der Anschlag auf Patricks Flieger indes setzt eine Gewaltspirale in Gang, die erschreckend schnell die brüchige allgemeine Ordnung zerstört, von der ursprünglichen geordneten Gesellschaft nur noch Trümmer hinterlässt und offenbart, dass man kein Lobos haben muss, um innerlich zum Tier zu werden. Wer sich ein wenig mit geschichtlichen Verläufen beschäftigt, kann hier recht viele Anklänge zur Weimarer Republik und dem beginnenden Dritten Reich finden. Man muss vom Umgang mit Andersartigen her nur die Lykaner durch die Juden ersetzen, deren bürgerliche Rechte nach und nach beschnitten werden, bis sie schließlich alleine durch die Tatsache, anders zu sein, auf die Abschussliste der herrschenden Personen geraten. Anders als in der Realität aber regt sich bei den körperlich starken Lykanern der Widerstand, dessen Anschläge die Geschwindigkeit der Entwicklung ordentlich anziehen und schließlich zu einem völligen Zusammenbruch der bekannten Ordnung führen. Selbst wenn man sich sagt, dass Lykaner ein reines Phantasieprodukt sind, so schildert Percy das menschliche Verhalten im Angesicht der Krise so erschreckend und realitätsnah, dass man den Fantasyanteil des Weltkonstruktes recht schnell vergisst und einfach mit innerem Horror verfolgt, wie grausam Menschen miteinander umgehen können. Dem Autor gelingt es dabei, auch ohne direkte Schilderung von entsetzlichen Ereignissen die entsprechenden Bilder hervorzurufen, was auch ein Grund war, warum ich vergleichsweise lange Zeit gebraucht habe, bis ich »Roter Mond« durchgelesen hatte. Bei manchen Szenen wirkten die beschworenen Bilder durch ihre Intensität und Traurigkeit lange für mich nach, sodass ich immer wieder Pausen einlegen musste, um mich der Erzählung weiter stellen zu wollen. Gerade das in scheinbar locker hingeworfenen Nebensätzen stecken bisweilen Einblicke, die nur schwer zu verdauen sind. Dieses Buch ist definitiv nichts, das man einfach nebenbei oder leicht Während gerade beim Verfolgen des Patrick-Gamble-Handlungsstranges für mich das Gefühl irgendwann unerträglich wurde, dessen viel zu lange Zeit währende, stumpfe Handlungslosigkeit irgendwie anschieben zu wollen, entwickelt sich der Handlungsstrang um die ehemalige Widerstandskämpferin Miriam deutlich erschütternder und mitreißender. Die Handlung um den Lobos-Gegenmittelforscher Neal und seinen Grund, so verbissen nach einem Heilmittel zu suchen, hat mich stets mit einem Gefühl hoffnungsloser Traurigkeit erfüllt, die mir in diesen Abschnitten der Erzählung das Weiterlesen schwer gemacht hat. Claires Handlungsstrang scheint mir noch der nachvollziehbarste, in sie konnte ich mich beim Lesen am besten mit hineinversetzen, während die Erzählung rund um Chase den unangenehmen Eindruck hinterließ, sich weniger auf die Darstellung des Charakters selbst, sondern um das bequemere Füttern des Lesers mit Hintergrundinformationen aus der Richtung des Regierungsgeschehens zu konzentrieren. Durch die sehr unterschiedlichen Blickwinkel erlaubt der Autor ein vielschichtiges Bild auf die Situation. Doch hier liegt die eigentliche Crux des Romans - wegen der ebenso sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten der handelnden Personen und deren Herangehensweise an die Ereignisse lesen sich manche Kapitel ausgesprochen mühsam, während man von anderen nicht genug kommen kann; ein Spannungsbogen wird hier nur indirekt aufgebaut. Im Vergleich mit der dichten Atmosphäre, die es George Orwell bei seiner Überwachungsstaat-Dystopie »1984« zu schaffen gelingt, muss Benjamin Percys Erzählung zurückstecken. So bleibt »Roter Mond« sicherlich ein Buch mit einem interessanten, aufwühlenden Weltenkonstrukt, kann aber die zeitlose Klasse eines Orwell nicht wirklich erreichen. Nicht zuletzt, weil das sehr hohe Maß an Blood&Gore im vorliegenden Roman sehr an die Filmindustrie der Gegenwart erinnert und Orwells erzählerische Methoden über die Auswirkungen und das Verhalten der Menschen innerhalb eines so restriktiven Systems sehr viel feinteiliger sind. Fazit: Eine spannende Dystopie, die erschreckend glaubhaft geschildert wird, leider mit einigen Schwächen bei den handelnden Personen. Sieben von zehn möglichen Punkten.

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Wenn ich so einen dicken Schinken sehe, habe ich ja meistens das Problem, davon abgeschreckt zu werden und das Lesen am besten so lange wie möglich vor mir her zu schieben. Und bei "Roter Mond" war es auch nicht anders. Auch das Thema Wölfe, dass in Benjamin Percys Dystopie eine große Rolle spielt, hat mich davon abgehalten, sofort nach dem Erhalt des Buches mit dem Lesen anzufangen. Trotzdem hat mich der Inhalt des Buches angesprochen, sonst hätte ich mich nicht bei Blogg dein Buch dafür beworben. Der Autor baut eine faszinierende Welt im Hier und Jetzt auf, die sehr komplex und logisch durchdacht ist. Besonders die Tatsache, dass die Geschichte nicht in der Vergangenheit oder der Zukunft, sondern in der Realität spielt, ist einen Blick hinter den Buchdeckel wert. Ich persönlich war gespannt, wie die "Ausgestoßenen" und die Menschen zusammenleben und wie sich der ganze Konflikt mit der heutigen Technik und dem Wissen lösen, bzw. ob er sich überhaupt lösen lässt. Die Themen, die Percy in seinem Buch behandelt, sind ja nicht neu. Es geht um Rassismus in etwas anderer Form, Politik, die Gesellschaft und vor allem die Menschlichkeit. Schreibstil-mäßig ist dieses Buch ein Meisterwerk. Benjamin Percys Stil ist komplex, aber irgendwo dann doch schlicht und leicht verständlich. Er schmückt seine Sätze mit dem gewissen Etwas aus, ohne dass sie zu philosophisch und überladen wirken. Leider konnte man erkennen, dass der Autor eine gewisse Liebe zum Detail hat. Manche langen Beschreibungen hätte man auch weglassen können, weil sie manchmal sogar den roten Faden der Geschichte unterbrachen und viel zu ausführlich waren, sodass ich mich teilweise schnell gelangweilt gefühlt habe. Trotzdem war die Geschichte durchgehend sehr spannend und konnte mich jedes Mal mitreißen, wenn ich die Seiten wieder aufgeschlagen habe. Bei dicken Büchern überfällt mich oft der Drang dazu, vor dem Umblättern auf die Seitenzahl zu schauen und dann nachzusehen, wie viele Seiten es noch bis zum nächsten Kapitel oder gar bis zum Ende sind. Glücklicherweise ist mir das bei "Roter Mond" sehr sehr selten passiert. Dafür gesorgt, dass die Spannung aufrechterhalten wurde, haben auch die ständigen Perspektivenwechsel. Es wurde oft in das Leben verschiedener Charaktere Einblick gegeben, was sehr viel Abwechslung aber auch Verwirrung mit sich gebracht hat. Da Percy sich sehr viele einzigartige Charaktere ausgedacht hat und manche sogar mehrere Namen hatten, wusste ich teilweise nicht mehr, was vorher passiert war oder wer diese Figuren genau waren. Zu den Charakteren mag ich ehrlich gesagt im Einzelnen nicht viel sagen. Sie sind jeder auf seine Art und Weise einzigartig und sind mir ans Herz gewachsen - die "Guten" wie die "Bösen". Jeder geht seinen eigenen Weg und hat entschlossen ein Ziel vor Augen. Das war auch das, was mir so sehr gefallen hat. Keine Hilfs- und Schutzbedürftigen Charaktere, die anderen nur am Bein kleben sondern Figuren, die ihr Leben - wenn es sein muss - selbst in die Hand nehmen können und nicht bei jeder Kleinigkeit anfangen zu weinen. Dass mich das Ende enttäuscht hat, würde ich nicht unbedingt sagen, jedoch hatte ich anderes erwartet. Besonders der Epilog deutet darauf hin, dass es durchaus noch weitergehen könnte. Die offenen Fragen sind geblieben und werden - wenn nicht ein zweiter Band erscheint - der eigenen Kreativität und den Gedanken überlassen. FAZIT Auf keinen Fall sollte man sich vom Umfang des Buches abschrecken lassen, denn hinter dem Buchdeckel steckt eine spannungsgeladene Geschichte und teilweise versteckte Gesellschaftskritik, die sich auch an uns heute richtet. Das Wort "Werwolf" sollte man bei "Roter Mond" auch auf keinen Fall in den Mund nehmen. Die einzigartigen, verschiedenen Charaktere hauchen der Geschichte besonderes Leben ein und verleihen dem Buch die Spannung, die es braucht. Kurz: Ein Buch, dass man nach dem Lesen zwar weglegt, aber sicher nicht so schnell vergisst.

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Inhalt: Patrick tritt eine ungewollte Reise an, die in einer Katastrophe endet mit ihm als einzigen Überlebenden. Er wird zum Helden, der er nicht sein will, weil er einen feigen Terroranschlag der Lykaner überlebt hat und nun irgendwie seinen Platz in der Gesellschaft finden muss. Claire muss mit ansehen, wie ihre (lykanischen) Eltern von einem Sonderkommando erschossen werden und begibt sich auf die Flucht. Auch sie muss ihren Platz und einen Weg zum Überleben finden. Die Lykaner leben unter uns – sie sind Menschen wie wir, die an einer Krankheit leiden. Aber ihre Andersartigkeit führt dazu, dass sie ausgegrenzt und unterdrückt werden. Ihnen wird das Übel der Welt in die Schuhe geschoben und sie begehren dagegen auf. Auf beiden Seiten gibt es diejenigen, die sich mit der anderen Seite arrangieren wollen und können und auf beiden Seiten gibt es Fanatiker und Extremisten. Und so kommt es, wie es kommen muss: die Welt versinkt im Krieg. Als sich Patrick und Clair begegnen, wissen beide vom jeweils anderen nichts. Sie kommen sich näher, werden Freunde. Doch dann erfährt Patrick, dass Claire eine von denen ist, gegen die sein Vater, den er über alles liebt, in den Krieg gezogen ist… und plötzlich versinkt auch die kleine Welt von Patrick und Claire im Chaos. Meine Meinung: Ich habe bei diesem Roman zugegriffen, weil er laut Werbung von Stephen King und Justin Cronin gelobt wurde. Nun gebe ich normal nicht viel auf solche Zitate, aber wenn gleich zwei meiner Lieblingsautoren herangezogen werden, muss das Buch doch gut sein :wink: Und um es vorweg zu nehmen: dieser Roman ist auf jeden Fall lesenswert. Nun hätte es sicher nicht unbedingt "Lykaner" gebraucht, um das andersartige Element auszufüllen. Aber Mutationen gab es schon und selbstgemachte Seuchen hat nicht zuletzt eben jener zitierte Cronin schon großartig verarbeitet. Das Thema ist also durchaus nicht neu, aber wie Percy seine Gesellschaftskritik formuliert und platziert ist sehr gut und vieles ging mir noch lange nach. Verwirrend war für mich nur, dass so viel „echtes“ in der Handlung vorkommt (zum Beispiel eine Diskussion um Angelina Jolie und Cameron Diaz), aber andererseits die Welt mit der Republik der Lykaner doch sehr fiktiv ist. Auch, dass reale Terroranschläge (wie 9-11) den Lykanern „in die Schuhe geschoben“ werden, fand ich eher störend. Es hat mich aus dem Lesefluss gerissen, weil ich doch noch nicht so weit bin, mir Lykaner in unserer Realität vorstellen zu können. Aber vielleicht ist das ja auch ein Fehler meinerseits. 8-[ Auf jeden Fall ist „Roter Mond“ ein Spiegel unserer Gesellschaft mit all ihrer Machtgier, Gewalt und Angst vor allem, was anders ist, aber auch Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal anderer. Politiker, die Ängste schüren, skrupellose Machtbesessene, denen Elend und Schmerz anderer nur Mittel zum Zweck sind – all das wird es wohl immer geben, solange es Menschen gibt. Und ganz klar ist auch, dass Gewalt immer Gewalt provoziert. Percy malt zum Glück nicht schwarz-weiß, sondern gibt beiden Seiten Sympathen und Widerlinge, so dass ganz klar wird, dass das Übel in der Natur des Menschen ganz allgemein liegt und nicht darin, welcher Rasse er angehört. Der Autor lässt einigen Figuren Raum zur Entwicklung, andere dürfen sich nicht verändern – aber beides ist gut so und passt hervorragend zur Geschichte. Eine kurze Phase lang hatte ich die Befürchtung, dass die Story in ein Teenager-Melodram abdriftet, aber das ist zum Glück nicht der Fall. Es gibt jede Menge spannende Momente, Langeweile kommt nicht auf, nur gegen Ende geht der Handlung ein bisschen die Luft aus. Da gibt es dann die ein oder andere Wendung, die ich ein bisschen an den Haaren herbeigezogen fand. Und im Epilog macht Percy dann ganz klar, wieviel Lernpotential Percy uns Menschen zutraut. Nichtsdestotrotz gibt es von mir 4 Sterne und eine klare Empfehlung für alle, die Gesellschaftskritik gepaart mit Endzeitstimmung und einigen blutigen Kampfszenen mögen und sich an dem Fakt „Lykaner“ nicht stören. Fazit: Wie gehen wir Menschen mit denen um, die anders sind als wir? Stoff zum Nachdenken mit Lykanern als Mittel zum Zweck.

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der Autor: Benjamin Percy wuchs im tiefsten Oregon auf. Vor Roter Mond schrieb er sein Romandebut Wölfe der Nacht, das in Deutschland im Luchterhand Verlagerschien, sowie zwei hochgelobte literarische Einzelbände. Er lehrt Creative Writing an der Iowa State University Klappentext: Sie leben unter uns. Sie verwandeln sich. Sie kämpfen gegen ihre Unterdrücker – uns! Als Regierungsagenten Claire Forresters Haustür eintreten und ihre Eltern ermorden, muss sie erkennen, dass sie und ihre Familie schon immer Ausgestoßene waren. Chase Williams hat seinen Wählern versprochen, die USA vor Terror zu beschützen. Doch nun wird er selbst zu dem, was er zu vernichten geschworen hat. Bis heute wird die Bedrohung durch Gesetze, Gewalt und Drogen in Schach gehalten. Doch die Nacht des Roten Mondes rückt näher, wenn die Welt für immer ihr Antlitz verändern wird – und die Schlacht um die Menschlichkeit beginnt … Eine überzeugende Parabel auf die Welt, in der wir leben. Charaktere: Claire ist eine sehr zwiegespaltene Persönlichkeit. Sie lebt als Lykanerin und doch kann sie sich nie richtig mit Ihrem Wolf anfreunden und versucht diesen auszublenden, wo sie nur kann. Sie ist ein recht eigenwilliges, stellenweise auch egoistisches, verwöhntes Mädchen ohne Respekt gegenüber Ihren Eltern oder Ihrer Umwelt. Dies ändert sich schnell, als Ihr komplettes Leben auf den Kopf gestellt wird und sie von heute auf morgen gezwungen ist, auf eigenen Beinen zu stehen und ums Überleben zu kämpfen. Sie entwickelt sich zu einer pragmatischen jungen Frau, welche trotz ständigem Überlebenskampf lernt, was zählt im Leben und was es heißt, für andere einzustehen und Verantwortung zu übernehmen. Patrick ist ein Durchschnittsteenager. Nie ganz vorne, nie ganz hinten und nie auffällig. Das ändert sich, als er gleich zu Beginn auf dem Flug zu seiner Mutter als einziger Überlebender eines Lykanermassakers hervorgeht. Plötzlich steht er als Held im Rampenlicht und wird zum Zeichen des Kampfes gegen die Lykaner. Doch davon will er eigentlich gar nichts wissen, da er es selbst als pures Glück empfindet, mit dem Leben davongekommen zu sein. Ab diesem Moment geht er seinen Weg, immer bestrebt, das Richtige zu tun, auch wenn dies für Ihn bedeutet, auf Dinge, die ihm am Herzen liegen, verzichten zu müssen. Gouverneur Chase Williams ist ein Lebemann, der nicht selten in einschlägigen Etablissements gesichtet wird, gerne mal zu tief ins Glas schaut, aber auch keinen Hehl aus seinen Vorlieben macht. Er ist jung, attraktiv und gewohnt zu bekommen, was er möchte, dies war schon als Teenager so. Es ist ihm egal, obwohl er als Präsident kandidieren möchte, dass Wähler daran Anstoß nehmen könnten. Er ist, wie er ist und steht dazu. Die Lykanerangriffe sieht er als seine Chance zur Kandidatur indem er auf diese Eingeht und der Bevölkerung verspricht, dass er für Schutz sorgen wird. Diese Beschneidung der Lykaner versucht er mit allen Mitteln durchzusetzen, unter anderem auch um sein eigenes Geheimnis zu vertuschen, was natürlich auf Grund der starken Angst in der Bevölkerung auf großen Zuspruch trifft. Miriam ist eine starke, bodenständige Frau, die auf eigenen Beinen steht. Ihre Vergangenheit als Frau des Lykanerführers hat sie mit Ihrem alten Leben abschließen lassen, sie lebt zurückgezogen und allein im Wald, immer auf der Hut, da die Gruppe mit allen Mitteln versucht, sie zurückzuholen, notfalls mit Gewalt.Als sie gezwungen ist, sich um Claire zu kümmern, fällt ihr das nicht leicht, dennoch versucht sie nach und nach Claire in allem zu trainieren, was ihr das Überleben sichert. Sie zeichnet sich aus durch Ihren ungebrochenen Überlebenswillen, der ihr in den kommenden Situationen in denen Sie sich wiederfindet, immer wieder abverlangt wird. Meinung: Benjamin Percy hat mit Roter Mond ein Szenario erschaffen, welches, gerade in der heutigen Zeit, zum Nachdenken anregt. Ein Paket aus Angst, Hass, Unterdrückung und Unwissenheit sind auch bei realen Szenarien bekannt und somit vorstellbar und deshalb wirkt der Roman trotz Lykanern nicht unrealistisch. Durch seinen Schreibstil schafft er es, von Anfang an zu fesseln und die Leser in seinen Bann zu ziehen. Zum Einen helfen seine sehr detaillierten Umgebungs- und Zustandsbeschreibungen, sich das Bild der Umwelt und Umstände sehr gut vorzustellen, sodass man diese fast vor Augen hat und sich direkt „hineinlesen“ kann. Zum Anderen generieren die häufigen Wechsel zwischen den einzelnen Protagonisten einen sehr guten Spannungsbogen, sind aber auch nicht so häufig, dass es für den Leser unübersichtlich werden könnte. Man möchte immer noch eine Seite weiterlesen um zu erfahren, wie es jetzt im jeweiligen Handlungsstrang weitergeht. Mein einziger und größter Kritikpunkt ist das Ende. Generell habe ich keine Probleme damit, dass ein Buch teilweise Fragen zurücklässt, für meinen Geschmack hat der Autor hier jedoch zu viele offene Baustellen hinterlassen. Ein bisschen konkreter wäre dann doch wünschenswert gewesen

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Roter Mond

Von: Prettytiger

07.03.2015

Inhalt: Lobos – eine von Prionen hervorgerufene Krankheit spaltet die Welt, in der Patrick Gamble lebt. Sie wird bei direktem Kontakt durch das Blut des Infizierten übertragen. Die Betroffenen durchlaufen bei Krankheitsausbruch die Verwandlung in ein wolfsähnliches Wesen, das von Jagdlust getrieben ist. Mithilfe von Volpexx, eines Medikaments, das die Symptome unterdrückt, im Gegenzug jedoch hochgradig abhängig macht, ist ein friedliches Nebeneinander zwischen Menschen und Lykanern bisher möglich gewesen. Viele Jahre haben die Lykaner als Einzelkämpfer gelebt, bist 1958 die Republik von Lupos gegründet worden ist. Dort, in einem kargen Landstrich zwischen Russland und Finnland, können die von Lobos befallenen Menschen in Frieden leben. Die gesamte Region steht unter der Aufsicht der amerikanischen Regierung und der US Army, die mögliche Aufstände sofort im Keim ersticken soll. Seit in der Republik große Uranvorkommen entdeckt worden sind, wird das Erz abgebaut und exportiert. Doch die Rebellionen gegen die amerikanische Besatzung werden immer häufiger. Zahlreiche Lykaner fordern Autonomie für die Republik. Immer wieder kommt es zu Terroranschlägen. Doch nun droht die Lage vollkommen zu eskalieren. Die Welt befindet sich im Krieg und jeder Mensch kämpft für sich alleine – um sein Überleben. Mein Eindruck: Der Einstieg in den Roman ist leicht gemacht, alle Fakten zur Krankheit Lobos werden schnell geliefert, sodass ein umfassender Überblick sofort gewährleistet ist. Der naturwissenschaftliche Kontext ist gut recherchiert und wird glaubhaft in die Geschichte eingewoben. Es ist wirklich spannend, zuzusehen, wie der Autor fantastische Elemente mit moderner Wissenschaft und Medizin verflicht. Auch Elemente eines Politthrillers oder einer Dystopie lassen sich finden, sodass ein vollkommen neuer Genremix geschaffen wird. Dennoch ergänzen sich alle thematischen Bausteine sehr gut, sie greifen gelungen ineinander und machen die Erzählung insgesamt überaus lesenswert. Das gesamte Buch gliedert sich in drei etwa gleich große Teile. Im ersten wird der Leser langsam an die Thematik herangeführt. Der Grundstein für die Handlung wird gelegt und die Hauptprotagonisten vorgestellt. Im Wesentlichen sind das drei grundverschiedene Charaktere, deren Leben durch Zufall miteinander verbunden ist. Dadurch wird dem Leser ein umfassender Überblick gegeben, denn jeder von Ihnen stammt aus einem anderen Umfeld. Patrick, als Junge, der sich nie sonderlich für die Politik interessiert hat, Claire, die gelernt hat, mit ihrem inneren Wolf zu leben, sowie Senator Chase, durch den die Geschehnisse auch von der politischen Seite aus beleuchtet werden. Bis auf Chase Williams sind alle Hauptfiguren absolute Sympathieträger und machen es dem Leser sehr leicht, sich in deren jeweilige Sichtweisen hineinzuversetzen und ihr Schicksal nachzuvollziehen. Zusätzlich tummeln sich noch viele weitere Nebencharaktere, die allesamt jedoch gut gezeichnet sind und die Geschichte durchaus bereichern. Insgesamt ist die Spannungskurve des Romans sehr hoch. Benjamin Percy heizt das Geschehen durch kurze, prägnante Sätze auf und erzeugt somit einen regelrechten Sog. Nur zu Beginn wirkt der Schreibstil etwas abgehackt und holprig, dieser Eindruck legt sich jedoch während der Lektüre recht zügig wieder. Mit bildreichen Beschreibungen entführt er seine Leser und spart dabei auch nicht mit blutigen, grausamen Szenarien, die für Zartbesaitete durchaus nicht leicht zu verdauen sind. Zwischenzeitlich weist das Buch mit seiner enormen Seitenzahl auch einige Passagen auf, die sich etwas schleppend lesen lassen, doch immer wieder gelingt es dem Autor, seine Leser mit neuen spannenden Entwicklungen erneut zu bannen. Leider hat dieser grandiose Roman jedoch eine Schwachstelle. Sein Ende. Die Erzählung ist bis auf die letzten hundert Seiten wirklich spannend, atmosphärisch dicht erzählt, sodass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Doch dann nimmt der Autor selbst seiner Geschichte den Wind aus den Segeln. Zunächst scheint das Buch mit der endgültigen Zusammenführung der drei Hauptprotagonisten in einem absoluten Höhepunkt zu gipfeln, doch die Handlungsstränge werden flach zu Ende geführt, sie werden zu schnell abgehakt und beiseitegelassen, obwohl sie über viele Kapitel hinweg bis ins kleinste Detail beleuchtet worden sind. Viele Punkte werden offengelassen, manche Charaktere nicht noch einmal erwähnt, sodass die ganze Sache leider nicht richtig rund wirkt. Obwohl es bisher nicht geplant scheint, ist hier durchaus ein Ansatzpunkt für einen Nachfolgeroman zu erkennen, der direkt an das Ende dieses Romans anknüpfen könnte.

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Meine Meinung: Das ist das dickste Buch, welches ich seit Langem gelesen habe. Aber die 600 Seiten habe ich innerhalb von zwei Tagen ausgelesen und das ohne zu versuchen, das Buch schnellstmöglichst fertig zu lesen. Daher lasst euch bitte nicht von der Dicke abschrecken. Ich halte mich schon seit der ganzen Twilight-Sache von Büchern mit hauptsächlich Vampiren oder Werwölfen fern. Das hat zum einen den Grund, dass die Handlung dieser Bücher häufig deckt. Irgendwann hat man dann diese Einstellung, dass man denkt "Hast du eines dieser Bücher gelesen, hast du alle gelesen." Vampir verliebt sich in Werwolf / Mensch / Fee / irgendeine andere magische Rasse, oder eben andersherum. Es geht immer wieder um die selben Themen, die Charaktere sind sich ähnlich und strotzen vor Klischees und so weiter und so fort. Dennoch habe ich mich entschlossen Roter Mond zu lesen. Was mich an diesem Buch gereizt hat, war das Setting. Die Welt in der das Buch spielt ist unsere Welt. Keine Dystopie, keine Fantasy, keine Urban Fantasy. Benjamin Percy hat sich dazu entschlossen, eine Welt zu kreiren, in der Lykaner mit den Menschen zusammen leben. Doch ist das kein friedliches Zusammenleben der beiden Gruppen. Es gibt Menschen, so wie auch Lykaner, die gegen die andere Gruppe sind und sich zu rassistischen, radikalen und gewaltbereiten Organisation zusammenschließen, um die andere "Rasse" zu vernichten. Die Umstände spitzen sich immer mehr zu, bis ganze Gebiete unter einem ständigen Krieg ähnlichen Zustand leiden. Menschen und Lykaner werden öffentlich gelyncht, gehetzt und gejagt. Die Handlung und das Setting sind sehr komplex und logisch. Hier wird nichts an den Haaren herbeigezogen, alles liest sich so, als wäre es die Wirklichkeit. Der Autor hat sich politische und gesellschaftliche Gedanken gemacht, das merkt man auch beim Lesen. Es wird aus der Sicht von verschiedenen Charakteren erzählt, deren Handlungsstränge sich treffen, wieder auseinandergehen und am Ende zu einem Ganzen verschmelzen. Zum einen ist da Claire, ein junges Mädchen, welches sich Gedanken über ihre Zukunft macht. Sie lebt in einer normalen Lykaner-Familie, ist nicht besonders stolz auf ihr Lykaner-Erbe und möchte einfach nur weg, auf ein entferntes College. Das alles ändert sich, als ihre Familie von irgendwelchen Leuten in ihrem eigenen Haus umgebracht wird. Claire flüchtet zu ihrer Tante, die ihrerseits ebenfalls gejagt wird … Dann ist da noch Patrick, im selben Alter wie Claire, ein Mensch. Er überlebt einen Lykaner-Attentat in einem Flugzeug und muss zu seiner Mutter, da sein Vater eingezogen wird. Eines abends rettet er Claire, die beinahe von einem maskierten Irren umgebracht wird. Was er vorerst nicht weiß, ist dass Claire ebenfalls eine Lykanerin ist. Neben Patrick und Claire, hat mir auch Claires Tante Miriam sehr gut als Charakter gefallen. Sie ist zäh, stark und mysteriös. Obwohl sie selber bis zum Hals in Schwierigkeiten steckt, nimmt sie Claire bei sich auf und zeigt ihr wie man sich als Lykaner verteidigt. Alle Charaktere im Buch haben eine eigene Persönlichkeit, eigene Ziele und Konflikte. Zum Ende hin machen alle eine Charakterentwicklung durch, die einen zum Guten, die anderen zum Schlechten … Benjamin Percy schreibt sehr bildhaft und spannend. Seine Sätze schmückt er nicht durch schöne Metaphern aus, stattdessen beschränkt er sich auf einfache, klare Sätze. Etwas Anderes würde auch nicht zu diesem Buch passen. Er scheut sich nicht davor, auch mal brutalere Szenen umgeschminkt zu beschreiben, daher ist das Buch eher für hartgesonnerere und ältere Leser geeignet. Es gibt so einige Szenen, die nicht jugendfrei sind, also seid gewarnt. Gerade durch die kurzen und einfachgebauten Sätze, wird einem gar nicht bewusst, wie man plötzlich 600 Seiten gelesen hat. Die Handlung zieht sich in keinster Weise. Es ist immer spannend und es passiert immer etwas. Man hat nie das Gefühl, dass es momentan nicht vorwärts geht. Das Buch ist in Abschnitte eingeteilt. Der erste Teil liest sich wie eine lange Einführung, beinahe schon wie ein Prolog. Hier werden die Charaktere und die Welt eingeführt, erst im zweiten Teil fängt die Hauptgeschichte an und das Tempo steigt mit jedem der Teile immer mehr. In der Kürze liegt die Würze: Kritischer Roman, der schon fast als Gesellschaftsroman bezeichnet werden könnte; auch die Fantasyliebhaber werden hier ihren Spaß haben; schnelles Tempo; angenehme Schreibweise; interessante und echt wirkende Charaktere Bewertung: Eigentlich wäre das Buch perfekt für mich. Wenn es nicht so ein Ende hätte. Diese letzten Seiten haben mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich weiß, dass manche Leser solche Enden mögen und auch ich mag Ähnliches, wenn es begründet ist. Aber so, wie es in diesem Buch ist, habe ich nur das Gefühl, dass der Auto gewollt einen bestimmten Effekt beim Leser erzielen wollte. Dadurch wirkt das Ende zu statisch für mich und passt nicht zu den restlichen 636 Seiten. Roter Mond bekommt dennoch ? ? ? ? Herzchen von mir.

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