Leserstimmen zu
Entführt

Hans Koppel

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Der Schreibstil des Autors ist sehr flüssig und in die wechselnden Szenen findet man leicht über. Die Geschichte beginnt mit einem brutalen Mord und kurz darauf erfolgt die Entführung. Unmittelbar in der Nähe ihres Wohnhauses wird Ylva dann in einem Keller gefangen gehalten und kann auf einem Bildschirm verfolgen, wie das Leben ihres Mannes und ihrer Tochter ohne sie selbst weitergeht. Ein wesentlicher Teil dieses Buches, den ich spannend aber auch aufwühlend fand. Die Vergewaltigungs-Szenen fand ich allerdings zu detailliert. Die hätte man nicht so "ausschmücken" brauchen. Die Charaktere wurden etwas zu oberflächlich beschrieben. Ylva, die gerne flirtet und schon einmal eine Affäre hatte, wird anfangs verdächtigt, dass sie wieder bei einem Liebhaber gelandet ist; ihr zu weicher Mann wird verdächtigt, sie selbst aus dem Weg geräumt zu haben; die Polizei, der man teilweise Desinteresse an diesem Fall vorwerfen könnte und dann noch die Entführer mit ihrem perfiden Racheplan. Hat man in manchen Büchern Personen, die man vielleicht besonders mag oder auch gar nicht sympathisch findet, so baut man hier keinerlei Beziehung zu einem der Darsteller auf. Mir haben zudem mehr Hintergrundinformationen zu den einzelnen Charakteren gefehlt, z.B. wie kommt Ylva mit der Entführung klar, bzw. was denkt sie über die Geschehnisse in der Außenwelt oder warum stört sich die Tochter kaum an der Abwesenheit der Mutter? Da hätte man das ein oder andere vielleicht noch zu schreiben können. Als Leser möchte man natürlich das Motiv der Entführer wissen und selbstverständlich auch, wie es ausgeht. Da hat der Autor ganze Arbeit geleistet und bietet Spannung bis zur letzten Seite. Zu meinen Lieblingsbüchern zählt dieser Roman nicht, denn aus der Geschichte hätte man eindeutig mehr herausholen können, dennoch finde ich die Story spannend und konnte den Roman kaum weglegen, bis ich ihn zu Ende gelesen hatte.

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Ylva hat sich entschlossen, nicht mehr mit den Kollegen einen trinken zu gehen, sondern gleich nach Hause.Auf dem Weg dorthin hält ein Auto neben ihr mit Bekannten, die sie fragen, ob sie sie mitnehmen sollen. Ihr ist nicht ganz wohl, aber sie steigt in das Auto ein. Was ein Fehler war, denn die beiden haben vor, Ylva zu kidnappen und sperren sie bei sich in einem schallgeschützten Keller ein, keine 100 m von Ylvas eigenem Zuhause entfernt.. Dort wird sie gedemütigt, geschlagen, vergewaltigt. Sie ist ihren Peinigern ausgesetzt und sieht keine Möglichkeit zur Flucht. Die kleinste Ungehorsamkeit wird bestraft. Die einzige Verbindung zur Außenwelt hat sie durch einen Monitor, der ihr Zuhause zeigt, so dass sie an dem Leben ihres Mannes und ihrer kleinen Tochter als Zuschauer teilhaben kann... Hans Koppel führt den Leser in einen absoluten Alptraum. Entführt, vergewaltigt, geschlagen und der einzige Blick nach draußen ist der zu ihrer Familie, an deren Leben sie nur als Zuschauer teilhaben kann. Der Autor lässt den Leser schon bald erahnen, was in der Vergangenheit passierte, was die beiden zu ihrem Rachefeldzug veranlasste, auch wenn der eigentliche Tathergang erst am Ende des Romans zum Zuge kommt. Er schildert die qualvollen Erlebnisse von Ylva im Keller. Vom anfänglichen Schockerlebnis hin zur Resignation, dem zeitweisen Aufbegehren, dem sich Fügen und der Hoffnung auf Flucht. Parallel dazu wird der Leser mit der Situation des Ehemanns Mike vertraut gemacht, der nicht von seiner Frau loskommt. Er wurde in der Vergangenheit von ihr betrogen und konnte trotzdem nicht von ihr lassen. Er ist nun hin- und hergerissen von Wut, Verzweiflung und letztendlich auch von Resignation. Seine anfänglichen Bedenken gingen dahin, dass Ylva sich wieder mit ihrem einstigen Liebhaber getroffen hat. Seine Reaktionen auf das Verschwinden seiner Frau mittels Anrufen auf ihrem Handy machen ihn nicht glaubhaft und vermitteln den Polizisten, dass er mit dem Verschwinden seiner Frau zu tun hat. Mit seinem flüssigen Schreibstil führt der Autor den Leser gut durch das Buch. Wenn er bei den Protagonisten auch nicht in die Tiefe geht, so zeigt er doch sehr wirksam die Gefühle von Ylva und Mike, die man sehr gut nachvollziehen kann. Ein spannungsgeladener Thriller, der auch gut und gerne ohne allzu detaillierte Vergewaltigungsszenen ausgekommen wäre.

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