Leserstimmen zu
Die großen Hörspiele

Thomas Mann

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Alle drei Hörspiele, voran aber die beiden großen, machen das Beste aus den Werken Manns, was man in einem Hörspiel nur daraus machen kann. Die Charaktere sind ganz stark gesprochen, die Effekte zurückhaltend aber absolut passend. Die natürlich gekürzte Textauswahl trifft das Wesentliche. Die Buddenbrooks sind mit Abstrichen bei der Hanno-Handlung ein so perfekt auskomponierter Roman, dass eine Bearbeitung nur verlieren kann. Zur Hochform läuft die Box aber beim Zauberberg auf. Die immer etwas gezwungen wirkende Abfolge der Charaktere, die den Roman bei aller Kraft der Dialoge und der Szenerie im Vergleich zu den Buddenbrooks doch deutlich hölzerner wirken lässt, vor allem das all zu unvermittelte auftreten Peeperkorns – durch die Straffung ist davon wenig zu spüren. Ich höre dennoch lieber die ausführliche Westphal-Lesung, aber nur, weil das Hörspiel eben nach nicht mal 10 Stunden vorbei ist. Künstlerisch, da betreibe ich gern Blasphemie, ist speziell das Zauberberg-Hörspiel besser als der volle Roman.

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Erster Eindruck: Intensive literarische Umsetzung (Teil 2)

Von: Poldis Hörspielseite

26.09.2011

Die Hörspiele stammen aus unterschiedlichen Jahren und von unterschiedlichen Produktionsteams, sodass eine einheitliche akustische Gestaltung nicht auszumachen ist. Allen gemein ist aber, dass sie recht sparsam instrumentalisiert wurden, sodass die von den Sprechern erzählte Geschichte weit in den Vordergrund rückt. Auch die wenigen eingesetzten Geräusche dienen lediglich dazu, leise Akzente zu setzen als zusätzlichen Eindruck schinden zu wollen. Das alles passt hervorragend zu den Vorlagen, die so einen würdigen Klang erhalten haben. Für die drei Hörspiele auf 19 CDs ist natürlich eine entsprechend dicke Box nötig, der vorhandene Pappschuber ist mit einem ansprechenden Foto versehen, dass ein Stillleben eines Beistellschrankes zeigt. Die einzelnen Hörspiele haben dann aber ihre eigenen, passenden Cover erhalten, die das Flair des jeweiligen Stückes einfangen können. In den Booklets sind immer wieder kleine Extras zu finden, beispielsweise Fotos von den Aufnahmen oder ein kurzer Lebenslauf von Thomas Mann. Fazit: Die großen Werke von Thomas Mann wurden mit herausragenden Sprechern feinsinnig intoniert, sodass die anspruchsvollen Geschichten sowohl unterhaltsam als auch bedeutend umgesetzt wurden.

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Erster Eindruck: Intensive literarische Umsetzung (Teil 1)

Von: Poldis Hörspielseite

26.09.2011

Johann Buddenbrook der Ältere, Familienoberhaupt und Inhaber einer Getreidegroßhandlung, hat zu einem kleinen Essen geladen und unterhält seine Gäste nebst köstlichen Speisen. Doch er ist auch knallharter Geschäftsmann, gemeinsam mit Johann Buddenbrook dem Jüngeren bringt er seinen verstoßenen Sohn um sein Erbe... (Die Buddenbrooks) Hans Castorp, der bei seinen Großeltern aufwächst, besucht vor seinem Volontariat bei einer Schiffswerft seinen Vetter Joachim in einem Sanatorium. Schnell ist er fasziniert von dem merkwürdigen Ort und entschließt sich, länger als geplant zu bleiben. Dort trifft er auch auf einen Literaten, der zu einem guten Freund wird... (Der Zauberberg) Der Schriftsteller Gustav von Aschenbach reist nach Venedig, um seinem bisherigen Leben wenigstens für einen Moment entfliehen zu können. Dort trifft er auf den Jüngling Tadizio, von dem er gleich fasziniert ist. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf... (Tod in Venedig) Thomas Mann ist einer der wohl bedeutendsten deutschen Schriftsteller. Viele seiner Werke gehören zur Weltliteratur und sind auch heute noch, über 50 Jahre nach seinem Tod, lesenswert. Das hat auch der Hörverlag erkannt und gleich drei seiner Romane als Hörspielumsetzung in einer dicken Box veröffentlicht — satte 19 CDs mit über 1100 Minuten erwarten den geneigten Hörer. Weitab von dem, was sich ansonsten so auf dem Hörspielmarkt tummelt, ist diese Box alles andere als leichte Kost. Die recht alte Sprache, der sich Mann bedient, sträubt sich ein wenig dem momentanen Sprachfluss, sodass das Zuhören gerade zu Anfang recht schwer fällt. Auch die bedeutungsvolle und teilweise recht komplexe Handlungsfolge bedarf einer gewissen Eingewöhnungszeit und ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Dafür wird ein umso interessanter Einblick in die Charaktere gewährt, werden spannende Zusammenhänge aufgedeckt und tragische Entwicklungen vorangetrieben. Dabei versetzt Mann seine Werke immer mit einer Spur Ironie, hintergründig und manchmal erst spät zu erkennen. „Die Buddenbrooks“ ist dabei das komplexeste Werk, da viele Charaktere eine wichtige Rolle haben und die Familiensaga über einen langen Zeitraum spielt, sodass alle Verstrickungen nur schwer zu überblicken sind. „Der Zauberberg“ ist der bildhafteste der drei hier vertonten Romane und hat recht anspruchsvolle Deutungsmöglichkeiten. „Tod in Venedig“, welches auf nur 2 CDs Platz findet, ist das kürzeste und auch kurzweiligste Hörspiel der Box, die Geschichte entwickelt schnell eine ganz eigene Dynamik. Insgesamt sehr anspruchsvolle Hörspiele, die hier vereint sind, eine sehr gute Umsetzung von wirklicher Weltliteratur. In jeder der drei Produktionen treffen sehr gute Schauspieler aufeinander, die die Rollen ausfüllen können. In „Die Buddenbrooks“ ist als Familienoberhaupt Johann der Ältere Hans Tügel zu hören, der mit seiner betonten und ruhigen Sprechweise den komplexen Charakter gut erfassen kann. Auch Lotte Brackebusch, die seine Frau spricht, kann mit ihrem variationsreichen Spiel in jeder Situation sehr genau auf ihre Rolle eingehen und sie mit viel Leben ausstattet. Erzähler ist Gert Westphal, seine ruhige und dunkle Stimme führt gekonnt und eindringlich durch die Handlung. In diesem Hörspiel sprechen zudem Ruben Herzberg, Petra von der Linde und Horst Tappert. „Der Zauberberg“ hat mit Konstantin Graudus einen sehr kompetenten und ausdrucksstarken Sprecher in der Hauptrolle des Hans Castorp gefunden, der hier eine Top-Leistung abliefert. Felix von Mannteuffel steht ihm in nichts nach und erweckt mit seiner Stimme Ludovico Stterbrini zum Leben. Die wunderbare Traugott Buhre ist als Mynheer Peeperkorn einer sehr gute Wahl und überzeugt mit ihrem variationsreichen Spiel. Hier sind noch Udo Samel, Hans-Werner Meyer und Hans Kremer zu hören. Ulrich Noethen, vielen eher aus Filmproduktionen bekannt, ist in „Tod in Venedig“ als Erzähler zu hören und gestaltet diese Aufgabe recht lebendig — gut so, denn ihm fallen große Passagen zu, die so alles andere als zäh wirken. Rüdiger Vogler spricht hingegen Gustav von Aschenbach mit der notwendigen Menge an Ausdruck und Intensität und übertrifft sich immer wieder aus Neue. Weitere Sprecher sind hier Heinrich Giskes, Heinz Meier und Oliver Kraushaar.

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