Leserstimmen zu
Das Lachen und der Tod

Pieter Webeling

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Inhalt Der jüdische Komiker Ernst Hoffmann tritt am 11. Januar 1946 zum ersten Mal wieder in Amsterdam im Theater auf, seit er Auschwitz überlebt hat. Ein Gespräch mit dem Bühnenmeister Henri Toussaint macht deutlich, wie schwierig es für ihn ist, erneut auf der Bühne zu stehen, die ihn einst berühmt gemacht hat: "Alle sind begeistert, dass Sie wieder da sind. Aber jetzt auftreten...das dürfte nicht einfach werden." "Ich weiß nicht", sagte ich. "Ein Lacher ist und bleibt ein Lacher. Im Lager musste ich die Menschen auch zum Lachen bringen. " "Tatsächlich? Nun, wir haben es hier ebenfalls nicht leicht gehabt, wissen sie. In Amsterdam herrschten Hunger und Kälte. Und es gab Tote! Aber gut, die Deutschen und die Lager...Man hört da so einiges. Für Sie wird der Krieg bestimmt kein Zuckerschlecken gewesen sein." (S. 9) Das ist ein sehr euphemistische Beschreibung dessen, was dem Komiker nach seiner Deportation widerfährt. Im Rückblick schildert er in der Ich-Perspektive, wie er im Februar 1944 verraten und gemeinsam mit vielen anderen Juden in Viehwaggons nach Auschwitz deportiert wird. Im Waggon lernt er eine junge Frau kennen, Helena Weiss, die er als "Engel im grauen Mantel" bezeichnet - und in die er sich verliebt. Der Diamantenhändler Max de Ronde, der hofft, seine beiden Zwillinge und seine Frau zu finden, ist ebenfalls unter den jüdischen Gefangenen. Um die Stimmung im Waggon aufzuhellen, "tritt" Ernst auf und bringt die Leute zum Lachen. Die SS-Leute, die den Zug bewachen, schießen jedoch auf die lachenden Menschen und treffen dabei Max de Ronde tödlich. Ernst, der sich für Max Tod verantwortlich fühlt, findet in dessen Mantel einen Diamanten und versteckt ihn, mit dem festen Vorsatz, die beiden Kinder zu retten. In Auschwitz angekommen, wird er von Helena getrennt und einem Arbeitskommando Bau zugeteilt. Aufgrund der Ich-Perspektive und der leicht zugänglichen Sprache erlebt man beim Lesen die Strapazen, die sadistischen Grausamkeiten und die unfassbare Unmenschlichkeit unmittelbar mit. So erzählt Ernst, dass er in der Baracke den Platz eines verstorbenen Gefangenen einnehmen muss, der immer noch in der Nähe der Tür liegt. So etwas wie Stille gab es in der Baracke nachts nicht: Hunderte von Häftlingen schnarchten, murmelten im Schlaf, bliesen die Backen auf, seufzten und husteten. (...) Irgendwas bewegte sich bei der Leiche. Eine Ratte. Ich sah, wie sie an einer Nackenfalte schnupperte und begann, den Kopf anzuknabbern. Doch der Mann hörte einfach nicht auf zu lächeln. (S.58) Zunächst hat Ernst Hoffmann "Glück", er gerät an einen polnischen Blockältesten Schlomo, der Sinn für Humor hat und ihn bittet abends in der Baracke aufzutreten, um den Häftlingen Mut zu spenden. Jeden Tag ein Lacher? Nach dem Abendappell erzählt jemand einen Witz, einen komischen Vorfall, eine Erinnerung oder eine Anekdote mit dem einzigen Ziel, dass wir darüber lachen können. Der Beste bekommt vom Blockältesten ein Stück Brot oder Wurst, ganz nach dem Motte "Überleben mit Humor". (S.100) Es gelingt Ernst Briefe mit Helena auszutauschen, was ihm zusätzlich die Kraft zu überleben gibt. Dann jedoch erkrankt er am Fleckfieber und wird in die Krankenbaracke abgeschoben, was normalerweise den sicheren Tod bedeutet. Wiederum ist das Glück auf seiner Seite: Der behandelnde Arzt ist gemeinsam mit ihm deportiert worden und kümmert sich um ihn. Außerdem hält der Lagerkommandant seine Hand über ihn, da er möchte, dass Ernst als Komiker vor den SS-Wachsoldaten auftritt. Sein Vater hat genau wie der Ernst Vater im 1.Weltkrieg an der Somme gekämpft. Warum sollen wir hier kein Kabarett haben? Mit ihnen habe ich das große Los gezogen. Sie sind zur Hälfte deutsch, Sie beherrschen die Sprache, Und Sie sind ein Komiker auf hohem Niveau. Ich kann etwas für Sie tun und dafür sorgen, dass Sie den Krieg heil überstehen. (S. 145) Ernst weigert sich aufzutreten, da er dies nicht mit seinem Gewissen vereinbaren kann, doch statt ihn zu erschießen, weist ihn der Lagerkommandant dem Sonderkommando zu. Also denjenigen, die die Gefangenen empfangen und in die Gaskammern geleiten. Dort soll er die Menschen zum Lachen bringen (!). Gibt es eine perfidere Grausamkeit? Bevor er an dieser Aufgabe zerbricht, erscheint Helena, um mit weiteren weiblichen Gefangenen vergast zu werden, und Ernst gelingt es, sie zu retten - um den Preis, dass er dafür nun doch vor den SS-Wachmännern auftreten muss. Ein Auftritt, der Ernst in ein tiefes Dilemma stürzt: Um Helena zu retten, wird er ein SS-Komiker - ein Dilemma, das er vor sich selbst verantworten muss, für das seine Geliebte jedoch Verständnis zeigt. Immer wieder stellt er sich die Frage, wie weit er gehen darf? Ein anderer Künstler - der Clown Grosso wagt einen Akt des Widerstandes, und zieht fast alle anderen Künstler - auch die Musiker, die zur "Erbauung" der Gefangenen und vor allem der SS-Wachleute spielen, mit in den Tod. Ernst überlebt das Lager und der Roman endet zumindest für ihn mit einem persönlichen Hoffnungsschimmer. Bewertung Mehrmals musste ich den Roman aus der Hand legen und erstmal tief durchatmen. Obwohl ich schon viele Romane gelesen habe, die die sadistische Unmenschlichkeit der Aufseher in all ihren grausamen Facetten schilderen, ist mir diese Lektüre sehr nahe gegangen. Es mag an der Ich-Perspektive liegen, an dem sympathischen Protagonisten, der emotionalen Sprache und vor allem an dem Dilemma, in dem sich Ernst Hoffmann befindet - und natürlich auch an der Liebesgeschichte. Der Autor spricht bewusst die Emotionen seiner Leser/innen an, aber gerade dadurch wird das Entsetzliche greifbar - durch diese persönliche Geschichte. Im Klappentext heißt es über den Roman, dass er "die ambivalente Rolle des Humors in einem totalitären System lebendig macht." Das wird besonders an den Juden-Witzen deutlich, die Ernst Hoffmann vor den SS-Wachleuten erzählt und einmal wagt er es sogar, die Wahrheit in einer Pointe auszusprechen: "Es heißt immer, Deutsche hätten keinen Humor. Das ist genau so ein Unsinn wie die Behauptung, der deutsche Russlandfeldzug sei gescheitert!" (S. 264) Ein lesenswerter Roman, der das Dilemma jüdischer Künstler aufzeigt, sich im Lager instrumentalisieren zu lassen, um zu überleben, oder Widerstand zu leisten und zu sterben.

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"Ich fragte mich, ob der Mensch dem Leid entfliehen kann, indem er einfach mit einem Lachen darüber hinweggeht." (S.93) Der niederländische Komiker Ernst Hoffmann wird 1944 in einem Viehwaggon mit anderen Verfolgten in ein Konzentrationslager in Polen gebracht. Um seine Mitgefangenen vor der endgültigen Verzweiflung zu bewahren, unterhält er sie abends mit Witzen. Als der deutsche Lagerkommandant davon erfährt, will er Hoffmann dazu bringen, vor den SS- Leuten als Kabarettist aufzutreten. Erst weigert sich der Komiker, doch dann verspricht ihm der Lagerkommandant eine bestimmte Frau am Leben zu lassen... (Quelle: Klappentext) Schon bevor ich mit den ersten Seiten begonnen hatte, stellte ich mir natürlich die Frage, wie das funktionieren kann: Humor und Holocaust. Aber jetzt- knapp 300 Seiten später, weiß ich wie. Für den Komiker Ernst Hoffmann bildet der Humor eine Möglichkeit sich nicht in den Schrecken der Konzentrationslager zu verlieren, sondern viel mehr an Hoffnung festzuhalten. Täglich einen Lacher, das ist sein Ziel. Ernst Hoffmann, der Protagonist dieses außergewöhnlichen Romans, ist kein Held. Vielmehr ein Mensch mit Fehlern und Schwächen, der es schafft zu überleben. Seine Geschichte übersteigt Grenzen. An den Punkten, an denen andere Bücher dieser Art aufhören, geht Webeling noch einen Schritt weiter. Es dringt in Bereiche vor, die ich bisher nicht kannte. Und obwohl Das Lachen und der Tod so voller Schmerz ist, steckt in jeder Seite auch Liebe und Warmherzigkeit. Diese etwas andere Herangehensweise an das Thema Holocaust bringt dem Leser die Geschehnisse auf besonders eindringliche Weise näher. Jetzt, im neuen Jahrtausend, werden die Zeitzeugen immer weniger. Selbst die ehemaligen SS- Leute, die sich vor Gericht für Völkermord verantworten müssen, gehen schon auf die 100 Jahre zu. Wirklich erinnern wird sich bald niemand mehr an die Schrecken der Konzentrationslager. Aber was uns bleibt sind literarische Werke, wie jenes von Webeling. Humor ist etwas, das jeder von uns kennt, ganz egal aus welcher Generation. Und an diesen Punkt knüpft der niederländische Autor an, um die furchtbaren Ereignisse des 2. Weltkrieges für einen kurzen Moment lebendig und greifbar zu machen.

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Dieses Buch ist wirklich äußerst bewegend. Ich habe zwar schon viel über den zweiten Weltkrieg gelesen, sowohl Romane als auch Sachbücher, aber dieses Buch hat mich trotzdem durch die beschriebenen Schrecken und Grausamkeiten zutiefst erschüttert. Ich glaube, ich habe selten so lange an einem Buch gelesen – und das nicht, weil es mir nicht gefallen hätte, sondern weil ich es zwischendurch immer wieder aus der Hand legen musste, weil es mich so traurig und betroffen machte... Es ist so bildgewaltig, detailreich und realistisch geschrieben, ja, so erschreckend muss es damals in den Lagern wirklich gewesen sein. Die Geschichte und Liebe von Ernst und Helena ist grausam und hoffnungsvoll zugleich und dieses Buch zeigt uns, wie Humor den Menschen unter solch schockierenden Bedingungen helfen konnte, zu überleben aber dennoch nicht dieselben zu bleiben. Obwohl es mir sichtlich schwer fiel das Buch zu Ende zu lesen, kann ich es jedem nur wärmstens ans Herz legen. Für mich ist es eines der besten Bücher der letzten Zeit und vielleicht aktueller denn je.

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Ernst Hoffmann ist ein halbjüdischer Komiker, welcher sehr bekannt ist. Seine Bekanntheit schützt ihn aber nicht vor dem Weg nach Auschwitz. Im Zug nach Auschwitz lernt er einige neue Menschen kennen, wenn auch unter schlimmen Umständen. Unter den Menschen ist auch Helena und Ernst ist auf den ersten Blick in sie verliebt. Doch kaum in Auschwitz angekommen, werden Männer und Frauen getrennt und Ernst sieht seine Helena lange Zeit nicht wieder. Da er von ihr keinerlei Lebenszeichen hört, will er ihr Briefe schreiben. Doch wie gelangen diese Briefe nur zu ihr? Der Barackenälteste überredet Ernst, als Komiker vor den anderen aufzutreten und im Gegenzug, will er seine Kontakte spielen lassen und den Brief an Helena weiterleiten. Ernst tritt nun regelmäßig in seiner Baracke auf und versucht so, das Leid der anderen etwas zu lindern, indem er sie zum Lachen bringt. Schon bald erfährt auch der Lagerkommandant von Ernst und zwingt ihn, vor den Nazis aufzutreten. Erst will Ernst sich weigern, aber im Gegenzug wird ihm die gesundheitliche Versorgung von Helena versprochen. Und für sie würde er alles tun... In diesem Buch geht es um die Liebe, das Lachen und natürlich ist der Tod immer in der Nähe. Ernst (und so viele andere) leben da unter schlimmsten Bedingungen und dennoch versucht er, den Mut und seinen Humor nicht zu verlieren. Dieses Buch ist wahnsinnig schön, traurig und bedrückend zugleich. Man weiß gar nicht so recht, wie man mitfühlen soll. Da das Buch in der "ICH-Perspektive" geschrieben ist, kann man dem Buch sehr gut folgen und hat das Gefühl, als würde man ein Tagebuch lesen. Der Schreibstil ist wirklich gut und beschreibt jedes Detail. Ich bin von der Geschichte immer noch sehr beeindruckt und weiß nicht recht, wie ich sie beschreiben soll. Jeder der Interesse and Geschichten "Gegen das Vergessen" hat, sollte es lesen. Es zeigt natürlich die schlimmsten Zeiten auf...aber auch das es viele Menschen gab, die ihren Lebensmut nicht verloren haben und in ihrer eigenen, schlimmen Situation, immer noch anderen geholfen und Mut gemacht haben.

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<em>Der Holocaust zieht eine lange, an Verästelungen und Schattierungen reicher werdende Spur der Rezeption, sei es in der Forschung, sei es in den Künsten. Das ist im Angesicht der Dimensionen des Dämonischen, die sich in der industriemäßigen Vernichtung der europäischen Juden entfesselten, nicht verwunderlich. Generationen von Zeitgeschichtlern, Soziologen, Philosophen haben dem Phänomen nachgespürt. </em> Joachim Fest fragte in seiner Hitler-Biographie, ob man ihn, Hitler, soll groß nennen können. Hannah Arendt prägte das Wort von der "Banalität des Bösen". Das Monströse war groß und banal zugleich, nicht aber großartig oder gar tief. Wo es aber gleichwohl in solch verstörender Weise dem Unrecht die Krone aufsetzt, bleibt am Ende nur Spott und Humor, um in dunkler Nacht ein Licht zu nähren. Charlie Chaplin hat dies getan mit seiner kongenialen Parodie auf den „großen Diktator“. Und in heutiger Zeit werden die Annäherungen an das Dritte Reich und dessen verbrecherische Protagonisten immer öfter in humoristischem Aggregatzustand unternommen, denn der Humor ist alter, anthropologisch erprobter Austreiber des Bösen. Mit dem Roman von Pieter Webeling „Das Lachen und der Tod“ liegt ein Stück Aufarbeitung des Dritten Reiches in eben diesem Sinne vor. Der auktoriale Erzähler Ernst Hoffmann ist berufsmäßiger Spaßmacher. Gegen Ende des Krieges wird er in ein Konzentrationslager deportiert. Die nach allem dürsten, was Menschlichkeit ausmacht, seine Mitgefangenen, nehmen die stärkende Nahrung des Lachens gern von Hoffmann entgegen. Selbst die SS meldet Bedarf an. Und Hoffmann lässt sich kaufen, denn es gibt eine Frau, derportiert wie er selbst, die er liebt und deren Leben er retten will. Webeling bringt mit dieser Anordnung jene Elemente in Stellung gegen Vernichtung, Auslöschung und Barbarei, die sich noch immer als die stärkeren erwiesen haben: Die Zuversicht und die Hoffnung, das Lachen mithin. Und die Liebe. Ein eindringliches, lesenswertes Buch. Dies dürfte nicht zuletzt an dem Umstand liegen, dass sein Autor als niederländischer Journalist viele Zeitzeugeninterviews mit Überlebenden des Holocaust geführt hat, eher er sich der epischen Form anvertraute. Autor der Rezension ist Karl Sensburg. Er rezensiert für den Literaturblog von Detlef M. Plaisier [Der Mann für den Text] Leipzig.

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Der niederländische Journalist Pieter Webeling interviewte in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Menschen, die Hitlers Konzentrationslager überlebten. In der vorliegenden Ich-Erzählung lässt er seine halbjüdische Hauptfigur Ernst Hoffmann aus Amsterdam eindringlich sachlich mit starken Bildern zu Wort kommen. Von Beruf Komiker lebt er für den Applaus und vom Vergnügen der Zuschauer, “ein Lacher pro Tag” ist seine Devise. Sein Vater kam psychisch geschädigt als Soldat aus dem 1. Weltkrieg zurück (für Deutschland im Feld gewesen), seine Mutter war Jüdin und er machte die NSDAP mit politischen Witzen auf sich aufmerksam. So sehr, dass er sich in einem Viehwaggon auf dem Weg in ein Lager wiederfand. Dort angekommen erlebte er die industrielle Massenvernichtung von Menschen und hält sich mit Vorstellungen vor der SS über Wasser. Als Insasse des Sonderkommandos für Künstler muss er statt körperlich schwerer Arbeit nun Neuankömmlinge mit Witzen zum Lachen bringen, denen die direkte Vernichtung in den “Duschen” durch Vergasung bevorsteht… Die Sprache ist bildhaft, so sehr, dass man sich während des Lesens vor Ort wähnt. Der Inhalt handelt größtenteils vom Überleben und dessen geringe Chancen in einem KZ irgendwo in Polen. Das Buch ist klar und gut geschrieben, hervorragend übersetzt. Es ist eindeutig ein Roman für Erwachsene gegen das Vergessen. Denn die Überlebenden der Konzentrationslager sterben altersbedingt allmählich aus. WBELING, P. (2015): Das Lachen und der Tod, Heyne Verlag

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Darum geht’s: Ernst Hoffmann ist Komiker, Holländer und Jude. Er wird in ein Konzentrationslager in Polen deportiert. Dort erleidet er ungeheure Qualen und beobachtet ungekannte Grausamkeiten – bis sein Humor ihm ein besseres Leben verschafft: Er darf vor SS-Offizieren auftreten. Oder besser gesagt: Er muss. Es ist kein Vergnügen. Jeder Witz muss wohl überlegt sein, und das, was er darbietet, wird ein eigener Überlebenshumor, eine Lagerhumor, eine Mischung aus Zynismus, Verachtung und ab und an ein wenig vorsichtiger Ironie. Und? Gut? Dieses Buch überschreitet Grenzen. Ich habe schon viele Bücher über den Holocaust gelesen, alle haben Grausamkeiten beschrieben. „Das Lachen und der Tod“ geht einen Schritt weiter. Es beschreibt Gräuel, wo andere Bücher aufhören, und ist deshalb ungeheuer wichtig. Doch das Buch ist nicht nur schonungslos. Es ist auch warmherzig. Es ist unfassbar, wie ein Mensch nach Erlebnissen, wie Ernst Hoffmann sie machen musste, weiterleben kann. Aber es geht wohl. Das macht Hoffnung. Lesen Sie das Buch. Erwarten Sie das Schlimmste, das Menschen Menschen antun können. Und erwarten Sie das Beste, das ein Buch zu tun vermag: bewegen.

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Klappentext: Der niederländische Komiker Ernst Hoffmann wird 1944 in einem Viehwaggon mit anderen Verfolgten in ein Konzentrationslager in Polen gebracht. Um seine Mitgefangenen vor der endgültigen Verzweiflung zu bewahren, unterhält er sie abends mit Witzen. Als der deutsche Lagerkommandant davon erfährt, will er Hoffmann dazu bringen, vor den SS-Leuten als Kabarettist aufzutreten. Erst weigert sich der Komiker, doch dann verspricht ihm der Lagerkommandant, eine bestimmte Frau am Leben zu lassen… Zum Inhalt: Ernst Hoffmann, ein niederländischer Komiker und Halbjude wird 1944 zusammen mit vielen anderen Juden in einem Viehwaggon in ein polnisches Konzentrationslager deportiert. Während der Fahrt voller Strapazen und Leid lernt er Helena kennen und – trotz der Kürze der Zeit – auch lieben. Gleich nach der Ankunft im KZ beginnt der Kampf ums Überleben. Ernst und Helena werden getrennt und wissen nicht, ob sie sich jemals wieder sehen werden. Um das Leid seiner Mithäftlinge zu lindern und um ihren Lebenswillen zu erhalten, tritt Ernst jeden Abend in seiner Baracke als Komiker auf. „Jeden Tag ein Lacher“, diese Aussage macht sich Hoffmann zum Leitspruch. Seine Auftritte, der Gedanke an Helena und die Hoffnung, sie wieder zu sehen, halten Ernst trotz schwerer Krankheit und den vielen Gefahren im Lager am Leben. „Das Lachen und der Tod“ von Pieter Webeling ist, so könnte man meinen, eines von vielen Büchern über den Holocaust. Doch dieses ist anders, denn das grausame Stück deutscher Geschichte wird aus einem völlig neuen Blickwinkel, nämlich aus der Sicht des Komikers Ernst Hoffmann erzählt. Humor und Komik? Ist das im Zusammenhang mit dieser schrecklichen und menschenunwürdigen Thematik überhaupt möglich und angebracht? Dem Autor ist dies jedenfalls hervorragend gelungen ohne die Grausamkeit und das unvorstellbaren Leid der Menschen damals in Frage zu stellen. Webeling schreibt mit viel Ironie und bringt den Leser stellenweise tatsächlich zum Lachen, schafft es fasst im nächsten Satz, dass eben jenes dem Leser aufgrund schonungsloser und detaillierter Schilderungen des Grauens und der menschenunwürdigen Zustände, sofort im Halse stecken bleibt. „Das Leben und der Tod“ ist ein großartiges Buch über das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte. Ein Buch voller Brutalität, Fassungslosigkeit und Leid, aber auch eines voller Hoffnung und Liebe das zeigt, dass Lachen Leben retten kann. Ein Buch das mal wieder deutlich macht, wie wichtig es ist, gegen Rassismus und Antisemitismus zu kämpfen, damit so etwas nie wieder, egal wo auf der Welt, passieren wird. Keine leichte Lektüre, aber eine Leseempfehlung von mir.

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