Leserstimmen zu
Metamorphose am Rande des Himmels

Mathias Malzieu

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Wenn Malzieu eine Geschichte erzählt, kann man sicher sein, dass sie von Liebe und Fantasie nur so überquillt. Nicht anders ist es in der Geschichte des Stuntman Tom, der den Traum vom Fliegen nicht aufgibt. Die Geschichte hat einen traurigen Beigeschmack, was aufgrund des Themas nicht vermeidbar ist. Man vergisst den Tod in Form der roten Beete nie. Mir kommt vor, das Buch ist ernster, als seine anderen, hat weniger phantastische Elemente, ist aber trotzdem wunderbar skurril und verzaubernd. "Fliegen" eignet sich wunderbar für tolle Metaphern, für die Malzieu so berühmt ist. Seine sprachlichen Bilder sind unvergleichbar. Die Geschichte plätschert an manchen Stellen leider ein bisschen vor sich hin und es fehlt an Spannung. Das Buch ist sehr kurz und doch hab ich länger gebraucht, da ich nicht immer nach Unterbrechung der Lektüre sofort wissen wollte, wie es weitergeht. Der leisen Schönheit des Gesamtwerkes tut dies aber keinen Abbruch. Malzieu hat wieder wunderbare Figuren kreiert, deren Unmöglichkeit zu existieren so selbstverständlich dargestellt wurde, als ob es das Normalste überhaupt sei. Malzieu verflechtet gekonnt Realität mit Phantastik und spielt mit den Möglichkeiten der Fantasie. Der Wunsch dem gegenwärtigen Zustand zu entkommen, zieht sich durchs ganze Buch. Die Metamorphose zur Freiheit ist das Ziel. Einem Vogel wird ein gewisser Grad an Freiheit zugesprochen. Wer hat sich noch nicht gewünscht ein Vogel zu sein und einfach wegfliegen zu können, zu Orten, die unerreichbar scheinen. Tom hat Krebs und will ihm natürlich entfliehen, damit sein Traum vom Fliegen wahr wird. Fazit Wiedermal eine traurigschöne Geschichte, die mit einer bildhaften Sprache und schönen Metaphern über das Leben überzeugt. Zwischendurch fehlt es zwar an Spannung und es kommt einem langwierig vor, jedoch machen die Liebe und die Fantasie alles wieder wett. Malzieu versteht die Liebe auf eine besondere Art und Weise, er versteht es vor allem sie wundervoll in Worten auszudrücken.

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Bereits als kleiner Junge wollte Tom Cloudman nichts anderes als Fliegen zu können, schon immer unterhielt er seine Mitmenschen mit seinen waghalsigen, jedoch zum Scheitern verurteilten, Flugversuchen. Welche Laufbahn käme da eher infrage als die eines Stuntmans? Doch Tom ist und bleibt ein Tollpatsch mit erhöhter Verletzungsgefahr, ein wirklicher Stuntman kann er so nicht werden. Deshalb bricht er komplett aus der Normalität aus und baut sich sein eigenes, rollendes Fortbewegungsmittel, einen Sarg, mit welchem er von Ort zu Ort ziehen kann, um seine risikoreichen Flugversuche zum Besten zu geben. Schon bald gehören für seine Zuschauer die Bruchlandungen mit zu Toms Kunststücken, dessen Gesundheit leidet jedoch mit jedem Absturz mehr. Er will es aber nicht wahrhaben, weder sein zunehmendes Alter, noch dass sein Traum vom Fliegen unmöglich ist und verletzt sich bei einem missglückten Stunt so sehr, dass er ins Krankenhaus eingeliefert wird. Dort fühlt er sich eingeengt und die tödliche Diagnose raubt ihm den Atem - bei einem Fluchtversuch trifft Tom dann auf die schöne Endorphina, die ihm ein ungewöhnliches Angebot macht. Mathias Malzieu hat eine ganz eigene, zauberhafte Prosa, welche auch in seinem märchenhaften Roman „Metamorphose am Rande des Himmels“ bildhafter und reicher an originellen Metaphern nicht sein könnte. (...) Mathias Malzieu hat mit „Metamorphose am Rande des Himmels“ eine phantastische Liebesgeschichte geschrieben. Tom Cloudman kann nur durch die Liebe zur Vogelfrau Endorphina (deren Name wie der des Protagonisten symbolträchtiger nicht sein könnte, so verheißungsvoll und glücksbringend ist sie) eine Verwandlung durchmachen und so geheilt ein neues Leben beginnen. Endorphina hingegen riskiert bewusst den Verlust von Tom, nur um ihm so das Leben zu retten und ihm seinen Lebens- und Herzenswunsch zu erfüllen. Auch in einer zauberhaften Welt wie dieser, welche Malzieu bildgewaltig vor dem Leser ausbreitet, ist niemand vor dem Tod gefeit. So kann nur die Kraft der Liebe den Tod besiegen und ihn in der größtmöglichen Metapher als Verwandlung in etwas Neues überwinden. „Metamorphose am Rande des Himmels“ ist ein wunderschöner, kleiner Roman, dessen ebenso liebevolle wie zauberhaft-phantastische Welt einen als Leser lange nicht mehr loslässt. Ein kurzweiliges Vergnügen ist es, in Malzieus metaphernreicher, ganz einzigartiger Prosa zu versinken - eine eigenwillige literarische Stimme, deren Nähe zum Märchen einer verwunschenen Rarität gleichkommt. Benjamin Lacombes Illustrationen übersetzen dabei den Zauber von Mathias Malzieus Prosa in eine ebenso märchenhafte Optik.

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Schon immer hatte Tom "Häma-Tom" Cloudman McMurphy den Traum vom Fliegen. Alles hat er versucht, schon als Kind baute er sich Flügel, um die Weiten des Himmels zu erobern. Leider immer ohne Erfolg, es kam nur immer wieder zu Verletzungen und Hämatomen, weswegen er seinen Spitznamen weg hatte. Doch nicht nur Fliegen ist Toms Passion. Er leidet an einer Normalitätsphobie und um diese auszuleben, macht er alles, was nicht als "normal" gilt. Während seiner Schulzeit hatte er es nicht leicht - beliebt war er bei seinen Mitschülern nur auf Grund seiner gewagten Kunststücke, die doch jedes Mal daneben gingen. Doch eines Tages hat er die zündende Idee. Wenn er sowieso andere Menschen mit seinen Unfällen so gut unterhalten kann und er alles andere als "normal" ist, kann er doch sein Leben mit einem Straßentheater inklusive seiner Bruchlandungen bestreiten. Gesagt, getan, doch um von einem Ort zum anderen zu gelangen, benötigt er natürlich auch ein Fahrzeug. Ein Auto ist zu gefährlich, von anderen Fortbewegungsmitteln nicht zu sprechen, von daher entschied er sich für das in seinen Augen sicherste überhaupt: einen rollenden Sarg. Es gelang ihm wirklich, einige Zeit lang sein Publikum mit seinen Kunststücken und vor allem Bruchlandungen zu unterhalten, doch nur wenige erkannten Tom als denjenigen, der er war, denn zu seinen Auftritten trug er stets eine Zorromaske. Dann jedoch hat Tom eines Tages, wie es seine Art ist, mit seinem rollenden Sarg einen Unfall. Es war ein schwerer Unfall und dennoch ist dies nicht der Grund, warum Tom besorgt ist, als er im Krankenhaus aufwacht, denn die Station, auf der er sich wiederfindet ist die Krebsstation. Ja, Tom hat Krebs und es sieht nicht gut für ihn aus. Unerwartet erhält Tom wenig später auf der Krebsstation Besuch vom 8-jährigen Victor, der ein großer Fan von Tom und an Leukämie erkrankt ist. Doch Tom will partout nicht von seinem Traum vom Fliegen lassen. Heimlich klaut er anderen Patienten die Feder aus ihren Kopfkissen, um sich Flügel zu machen, doch leider wird er erwischt und seine Flügel zerstört. Dann sieht er bei einem Spaziergang im Krankenhauspark, wie Federn vom Krankenhausdach wehen, doch nicht irgendwelche Feder, es sind rote. Als er nachsehen geht, findet er ein menschengroßes Vogelweibchen in einem hautengen Federanzug vor. Überrascht muss er jedoch feststellen, dass dies gar kein Anzug ist, sondern die Feder wirklich die Haut der Frau bedecken. Ihr Name ist Endorphina und sie bietet Tom ein Tauschgeschäft vor, das ihm endlich den Traum vom Fliegen ermöglicht. Wenn er mit ihr ein Kind zeugt, wird sie ihn ebenfalls zu einem Vogel machen, doch die Zeit ist knapp, Toms Leben hängt am seidenen Faden ... Der Traum vom Fliegen! Der Plot wurde ausgesprochen fantastisch und abwechslungsreich erarbeitet. Hierbei handelt es sich definitiv um ein modernes Märchen, das zum Träumen anregt. Die Protagonisten wurden facettenreich erarbeitet, wobei mir die Gedankengänge von Tom nicht immer wirklich geläufig waren, das liegt aber wohl daran, dass ich an keiner Normalitätsphobie leide und auch der Traum vom Fliegen nicht tief in mir verankert ist. Den Schreibstil empfand ich als sehr angenehm zu lesen, ja gerade traumhaft wurde dieser erarbeitet, sodass sich das Buch einfach am Stück lesen musste, ich war förmlich in der Geschichte gefangen.

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Tom Cloudman als Protagonistin ist mehr als interessant: er ist der schlechteste Stuntman, den die Welt je gesehen hat, doch er braucht die Bestätigung anderer, um sich lebendig zu fühlen. Dass er damit jedes Mal sein Leben aufs Spiel setzt, steht auf einem anderen Blatt. Außerdem hat er eine “Normalitätsphobie”. Eine wahnwitzige Idee, aufgrund derer er sich ein neues Gefährt gebaut hat, bringt ihn schließlich ins Krankenhaus. Und hier erhält er eine schockierende Botschaft. “Ich heiße Tom >>Häma-Tom<< Cloudman. Man sagt, ich sei der schlechteste Stuntman aller Zeiten. Ganz falsch ist das nicht. Ich bin außergewöhnlich ungeschickt und laufe ständig überall gegen. Ich beneide die Vögel um ihre Freiheit, vielleicht schaue ich zu oft zu ihnen hoch.” (Seite 9) Was ich persönlich nicht erwartet hätte: dass der Autor uns hier mit einer Krankheit, die oft unheilbar ist und tödlich endet, auseinander setzt. Das konnte ich mir bei der Kurzbeschreibung gar nicht vorstellen. Doch die geheimnisvolle Endorphina bietet Tom einen Pakt an, mit dem er die Krankheit mit großer Wahrscheinlichkeit überleben kann. Doch diese Krankheit spielt eine zentrale Rolle und so bekommt die Schwelle zwischen Himmel und Erde auch eine ganz andere Bedeutung. Und so traurig das auch ist, schafft der Autor es immer wieder, dass man als Leser zwischendurch schmunzelt. Sei es dadurch, dass er die Krankheit mit einem Gemüse vergleicht und nur noch so benennt, oder dass man sich einfach den Pastor im Eichhörnchenkostüm vorstellt. Mit dieser doch etwas abgedrehten Idee konnte der Autor mich allerdings packen. Wieder einmal hat er es geschafft, Worte in Bilder umzuwandeln und viele Metaphern geschickt einzusetzen. Das kann ihm so schnell keiner nachmachen. In seiner märchenhaften Sprache heißt es beispielsweise nicht “Lichtschalter anknipsen”, sondern “Der Lichtschalterdirigent lässt die Neonröhren explodieren, das Krankenhaus flammt auf wie eine elektrische Sonne” (Seite 19). Welch anderer Autor schafft so etwas? Mir fällt da nur noch John Boyne ein… Die Reise, auf die uns Malzieu hier mitnimmt, ist geprägt von Hochs und Tiefs: der Stuntman Tom ist erfolglos, doch er zaubert den Zuschauern durch seine Ungeschicktheit immer ein Lächeln aufs Gesicht. Im Krankenhaus kann man seine Niedergeschlagenheit merken. Doch zum Ende der Geschichte hin, kann er wieder den Leuten zu Aufmunterung verhelfen: “Es ist ein schöner Anblick. Ein Kind, das durch eine schwere Krankheit zu früh erwachsen geworden ist, hat wieder Träume. Nichts anderes wollte Tom Cloudman erreichen.” (Seite 126) Bei diesem Buch passt einfach alles. Das Cover zeigt, dass es hier um ein Märchen für Erwachsene geht, und in welcher Beziehung Endorphina und Tom zueinander stehen. Die Aufmachung des Innenlebens, die Schrift, die thematisch passenden Großbuchstaben am Kapitelanfang. Lediglich eine Frage konnte ich bis zum Ende nicht beantworten. Diese kam in unserer kleinen Lesegruppe öfter auf. Dafür, dass ich da jetzt auch noch keine Antwort drauf habe, gibt es einen ganz kleinen Abzug. Ansonsten kann ich dieses Buch jedem empfehlen, der sich auf eine fantastische Welt einlassen kann und der sich auf eine Reise durch ein in Worten gefasstes Bilderbuch begeben möchte.

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