Leserstimmen zu
Music from Big Pink

John Niven

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"Bad news on the doorstep..." Mit diesen Worten besingt Don McLean in "American Pie" den für ihn viel zu frühen Tod von Buddy Holly. Für McLean ist es "the day the music died". Ähnlich geht es auch dem Protagonisten aus "Music from Big Pink", dem fiktiven Kleindealer Greg. In Toronto des Jahres 1986 gestrandet vegetiert er vor sich hin und erfährt aus der Zeitung vom Tod seines ehemaligen Freundes. Jener Freund ist kein geringerer als Richard Manuel, Mitglied von "The Band", die in den Sechzigern als "Background-Truppe" von Bob Dylan starteten, Eric Clapton angeblich mit ihrem Debütalbum "Music from Big Pink" dazu veranlassten, die Erfolgsband "Cream" zu verlassen ("...it changed my life"), und auch andere Künstler dieser Ära wie "Crosby, Stils, Nash & Young", "Led Zeppelin" oder "Pink Floyd" maßgeblich beeinflussten. Greg erinnert sich an jene Momente, in der er zusammen mit der Band, Bob Dylan und Horden von Groupies in jenem pinken Haus abhing, das Namensgeber des Albums war, und nimmt den Leser mit auf einen unvergleichlichen Trip in die Zeit, die zwangsläufig zu dem führte, was wir heute als "Woodstock" kennen... Niven vermischt die fiktive Figur von Greg mit den "historischen verbürgten" Künstlern und Kulturschaffenden der Sechzigern und fängt ein Lebensgefühl ein - oder zumindest das, was wir heutzutage für das Lebensgefühl der Generation Woodstock halten, denn weder ich noch Niven dürften es selbst erlebt haben. Aber für mir als gameboyzockendem Neunzigerkind mit Boybandtrauma kam es zwar ein wenig klischeebehaftet, aber auch authentisch genug vor. Ein einziger Trip mit "hochwertigen stimmungsgestaltenden Mitteln" (S. 33), von einem exzessiven Drogenrausch zum nächsten, über freie Liebe und Meisterwerke der Musikgeschichte bis hin zum totalen Absturz von Künstler und auch Dealer. Ebenso nah beieinander liegen die Ausführungen Nivens, die einmal fast poetisch sind und im nächsten Moment derb und drastisch. Fast möchte man dem Buch einen Stempel mit "Parent Advisory" aufdrücken, wobei die Lyrik mancher deutschen HipHop-Artisten heutzutage deutlich expliziter sein dürfte und dieser Romantext dem geneigten Leser nach Dingen wie Feuchtgebiete eigentlich nur noch ein müdes Lächeln entlocken sollte. Nicht verwunderlich, dass der Roman im Programm von Heyne Hardcore angesiedelt ist. Davon solle man sich aber nicht abschrecken lassen, denn man bekommt hier eben keine Aneinanderreihung von Schimpfworten oder Ekeleien, sondern Unterhaltung, die einen glauben lässt, man wäre damals verdammt nochmal tatsächlich auf dieser Party von Bob Dylan gewesen und hätte diesen unglaublich guten Sex gehabt!^^ Wenn man mit "Nuschel nich, sing"-Bob jetzt nun gar nichts anfangen kann (also ihn weder hasst, noch liebt, sondern sich fragt, wer zur Hölle das eigentlich ist) und auch sonst nichts mit jener Zeit zu tun hat, wird wahrscheinlich recht wenig Spaß an der Lektüre finden. Auch wenn "Music from Big Pink" weniger radikal und provokant als Nivens andere Werke "Gott bewahre" und "Kill your friends" ist, war es für mich persönlich jedoch tolle Unterhaltung.

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