Leserstimmen zu
Der letzte Engel

Zoran Drvenkar

Der letzte Engel (1)

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Eine richtige Zusammenfassung des Inhalts scheint auch nach mehreren Tagen des Sackenlassens nahezu unmöglich, daher sei vorab nur folgendes gesagt: "Der letzte Engel" ist ganz sicher nicht das, was der Leser gemäß Klappentext erwarten würde. Selbst der genannte Protagonist Motte trägt in diesem Buch, das offensichtlich nur der erste Band einer mehrteiligen Reihe ist, nur einen kleinen Teil zur Geschichte bei. Vielmehr wird der Leser auf eine interessante und spannende Weise angefüttert und fragt sich schon während des Lesens, wohin denn all das führen soll und wann eigentlich mit Nachschub zu rechnen ist. Beide Fragen werden während der knapp vierhundertdreißig Seiten nicht geklärt – denn wenn "Der letzte Engel" eines ganz sicher schafft, dann ist das das Wecken einer unstillbaren Neugierde auf die Fortsetzung. Was sowohl vom Verlag als auch vom Autor eine ziemlich raffinierte Strategie ist, denn bisher hat Zoran Drvenkar nichts darüber verlauten lassen, dass man von ihm eine mehrteilige Fantasy-Thriller-Reihe erwarten kann, und auch der Verlag vermittelt beim Bewerben vom neuesten Werk des Autors nicht den Eindruck auf weitere Teile. Doch beim Lesen wird ziemlich schnell klar, dass die Thematik, die in Der letzte Engel angeschnitten wird, unmöglich in diesem einen Buch zufriedenstellend abgehandelt werden kann und auf jeden Fall noch einiges folgen muss. In welcher Form das passieren wird, bleibt auch nach Beendigung des Buches offen – lediglich ein “Ende vom ersten Teil“ wird dem Leser hier zugestanden – und so weit war er inzwischen dann auch schon gekommen. Was dem Leser ebenfalls recht schnell auffällt, ist die unglaubliche Recherche, die Zoran Drvenkar für diesen Roman hinter sich haben muss. Denn es geht bei Weitem nicht nur um einen Jungen, der eine seltsame Mail erhält und am nächsten Morgen quasi tot aufwacht, dieser ist nur ein kleines Bruchstück in einem riesigen Gebilde aus phantastischen, historischen, biblischen und Thriller-Elementen. Allein die verschiedenen Schauplätze in unterschiedlichen Zeitepochen sind bewundernswert arrangiert, die agierenden und mitunter berühmten Charaktere allesamt authentisch dargestellt und die Geschichte verspricht bereits auf den ersten Seiten eine derartige Komplexität, dass dem Leser von den vielen Informationen schnell der Kopf schwirrt, er trotzdem nicht in der Lage ist, das Buch zur Seite zu legen. Denn Sprache und Aufbau der Story sind so rasant, was auch das Lesen sehr schnelllebig gestaltet, dass trotz der Verwirrung durch die Sprünge zwischen den verschiedenen Zeiten und Charakteren kaum ein Luftholen möglich ist. Konzentriertes und wiederholtes Lesen mancher Stellen ermöglicht schließlich auch das Entwirren einiger Knotenpunkte, insgesamt bleibt "Der letzte Engel" jedoch schwierig und eignet sich wahrscheinlich eher für erwachsene Leser als für Jugendliche. Vor allem die Engelsthematik bekommt in Drvenkars Roman ein ganz neues Gesicht und stellt alles, was bisher dazu auf dem erzählerischen Buchmarkt zu finden ist, deutlich in Frage. Auffällig hierbei ist, dass es keinen offensichtlichen Bösewicht gibt, sondern vielmehr beide Seiten ihre guten und schlechten Argumente haben – und diese auch zur Genüge (und zur Unterhaltung des Lesers) betonen. Während am Anfang noch eine recht eindeutige Position bezogen werden kann, wird im Laufe des Buches immer undeutlicher, auf wessen Seite der Leser sich schlagen sollte. Denn sowohl die „Familie“ als auch die „Bruderschaft“ haben ihre Vorzüge, die sie gut zu inszenieren wissen. Und obwohl Motte als vermuteter Hauptcharakter von allen Figuren am wenigsten mitkriegt und erklärt bekommt, ist der Leser selbst immer auf aktuellem Stand. Auch diese Tatsache sorgt für einige Verwirrung, zeigt aber auf, dass Motte eben nicht die Hauptfigur des ganzen Gebildes darstellt. Zoran Drvenkar hat sich wirklich Mühe gegeben, als er die Geschichte des letzten Engels entwickelt hat. Eine gründliche Recherche bringt dem Leser verschiedene Punkte näher und selbst Historikmuffel finden in "Der letzte Engel" so manche Information, die ihre Neugier zu wecken versteht. Die Mischung aus den verschiedensten Genre-Komponenten ist mit Bedacht ausgewählt und zusammengestellt – im Grunde gibt es kaum einen literarischen Bereich, den dieser Roman nicht abdeckt. Natürlich nicht in vollem Maße, das wäre beim verhältnismäßig geringen Umfang auch gar nicht möglich, es ist jedoch zu vermuten, dass der Großteil der Leser auf seine Kosten kommen wird. Ein Griff zum vermeintlichen Jugendbuch lohnt sich also in jedem Fall, nicht nur für die jungen Leser, auch wenn nach Beendigung so manche Frage offen bleibt und der hoffentlich baldigen Fortsetzung mit Ungeduld entgegen geblickt wird. Fazit: Für ein Jugendbuch mit Empfehlung ab 14 Jahren ist "Der letzte Engel" sehr komplex und anspruchsvoll. Selbst erwachsene Leser könnten bei den Sprüngen zwischen Zeit und Charakteren ihre Probleme haben. Mit diesem offensichtlichen Reihenstart wirft Zoran Drvenkar jedoch nicht nur eine Menge Fragen auf, sondern zieht auch so manchen Glauben in Bezug auf Engelswesen, ihren Ursprung und ihre Aufgabe in eine zweifelhafte Position. Spannend zu betrachten ist also nicht nur die Entwicklung der Geschichte selbst, auch die kommenden Reaktionen darauf dürften einigen Staub aufwirbeln. Wertung: 4 von 5 Schwertpaaren Handlung: 3,5 / 5 Charaktere: 4,5 / 5 Lesespaß: 3,5 / 5 Preis/Leistung: 4 / 5

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"Das Leben ist manchmal voller Zufälle, das Leben ist manchmal voller Absichten." (Seite 371) Kannst du dir das vorstellen? Du denkst an nichts Böses, und dann bekommst du eine E-Mail, in der steht, dass du am nächsten Tag tot bist. Du glaubst, einer erlaubt sich einen Scherz mit dir und lachst, als du dich am nächsten Morgen noch lebendig fühlst. Und doch musst du begreifen, oder zumindest es versuchen, dass MOTTE, der du bisher warst, tatsächlich tot im Bett liegt und nicht mehr atmet. Und dass dir auf deinem Rücken Flügel wachsen. Da vergeht dir echt das Lachen, und Verwirrung macht sich in dir breit. Denn deine Zukunft sieht nicht rosig aus: Du wirfst keinen Schatten, dein Herz schlägt nicht, und am nächsten Pinkelwettbewerb darfst du nicht teilnehmen, weil dir das Werkzeug fehlt. Da ist es ein schwacher Trost, dass dich dein bester Freund Lars sehen kann. Denn dein Vater kann es nicht. Jetzt bist du DER LETZTE ENGEL. Und es ist der Anfang von etwas Neuem. Oder das Ende? Oder das Mittendrin? Jedenfalls ist es ein Hin und Her. Eine Irrfahrt. Für dich. Für den Leser. Zwischen die Zeiten. Zwischen die Welten. Zwischen die Interessen. In ein Haus nach Irland, in dem acht Mädchen und ihre Gouvernanten gemeuchelt werden. Es gibt nur eine einzige Überlebende: MONA, die Erinnerungen der Person abrufen kann, die sie berührt. Und sich einen weiteren ENGEL damit an Land zieht: ESKO. Das ist der, der später die E-Mail schreibt. Aber das nur am Rande. Verantwortlich für das Massaker zeichnet LAZAR, ein Söldner, der aussieht wie Christopher Walken, ein schwer bis gar nicht zu durchschauender Typ. Der Leser lernt viele weitere Protagonisten kennen, unter anderem zwei Gräfinnen, die Brüder Grimm und den Zaren in Sankt Petersburg. In einem Moment ist es 1815, dann wieder heute, und erneut wandert der Leser in die Vergangenheit. Fliegende Wechsel allenthalben. Daneben abstruse Experimente, viele sterbende Jungen, die meisten davon tun dies nicht freiwillig, eine Bruderschaft, die (sogenannte) Familie, über deren Zweck und Ziele der Leser wenig Klarheit erhält. Gleichzeitig lässt sich die Frage nach Gut oder Böse nicht beantworten. Eine ständige Ungewissheit liegt über dem Geschehen. Die vielen unerwarteten Zeitsprünge und Positionswechsel und die Informationsdichte verlangen hohe Aufmerksamkeit vom Leser. Gekonnt werden nicht nur Zeitepochen und Schauplätze und Zeitformen, sondern auch das biblische ENGELsmotiv mit fantastischen Fäden verwoben. Denn Zoran Drvenkar greift die Thematik der Existenz von ENGELN auf eine besondere Weise auf. Seine ENGEL sind männlich, gleichwohl (im wahrsten Sinne des Wortes) geschlechtslos. So erscheint die Geschichte des letzten ENGELS zwar äußerst komplex und unübersichtlich. Trotzdem reizen die zügigen Wechsel den Leser zum Weiterlesen, bannen ihn ans Buch und lassen ihn hoffen, einen angefangenen Faden verfolgen zu können. Allerdings hält er oft ein loses Ende in der Hand, so dass sich der Sinn (noch) nicht begreifen lässt. Dadurch bleibt die Charakterisierung der Figuren manchmal etwas auf der Strecke, der Leser entwickelt zum Teil nur andeutungsweise Sympathie und Ablehnung. Mit MOTTE trifft der Leser auf einen Jungen einnehmenden Wesens, mit dem er sich identifizieren kann, weil er vielleicht ein wenig träge, aber trotzdem mit seiner Zuversicht versehen ist, dass er alles packen wird, was auf ihn zukommt. Ihm zur Seite steht Lars, sein bester Freund, nicht der Mutigste, der erst wegrennt, den aber danach sein Ego schüttelt und fragt, ob er denn vollkommen ohne Ehre und Würde wäre. Das ist er natürlich nicht. Und auch Rike muss erwähnt werden, das Mädchen, bei dem Motte von Liebe spricht, und die es wert ist. Äußerst geschickt positioniert der Autor historische Personen in der Geschichte und haucht diesen gleich den fiktiven Figuren Leben ein, spielt mit dem ihm dadurch gegebenen Möglichkeiten. Zoran Drvenkars Erzähltempo ist durchaus rasant und anspruchsvoll, dürfte den jugendlichen Leser jedoch nicht überfordern. Wer sich darauf einlässt, den erwartet ein mitreißendes Abenteuer, dessen offenes Ende und ungelösten Fragen zugegebenermaßen einerseits nicht befriedigt, andererseits jedoch zum Lesen der Fortsetzung verlockt. "Sucht den Schlüssel, der das Tor zu den Engeln öffnet. Und suchen müsst ihr, denn der Schlüssel ist verborgen im Kern des Lebens, verborgen tief in den Gebeinen. Denn wie das Wasser die Erde erweckt, werden es vier Engel sein, die uns erwecken." (Seite 212)

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Genau das passiert dem 16-jährigen Markus, genannt Motte, genau so wurde es in der Mail angekündigt, die er kurz zuvor bekommen hat. Irgendwie ist Motte aber auch nicht richtig tot, immerhin kann er noch seinen besten Freund Lars anrufen, aber er atmet definitiv nicht mehr – dafür hat er Flügel auf dem Rücken! Was Motte nicht weiß, daß er als Engel mitten in eine uralte Geschichte rein geraten ist: plötzlich hat er Feinde und Freunde, die er bisher noch nie gesehen hat. Laut Autorenseite ist dieses Buch der Auftakt zu einer Dilogie und ohne bisher den zweiten Teil zu kennen, behaupte ich, daß man in jedem Fall dieses Buch zuerst lesen sollte, um die ganzen Zusammenhänge und Hintergründe zu kennen. Der Autor erzählt eine spannende Geschichte von Engel und Menschen, „der Familie“ und der Bruderschaft, mysteriöse Experimente, gnadenlose Rächer und Erlöser, die Gebrüder Grimm und russische Gräfinnen sowie einer uralten Prophezeiung. Wie man das bei Zoran Drvenkar kennt, springen die Zeitebenen munter hin und her, der Leser bekommt immer mehr Brocken hingeworfen, ohne sie wirklich einordnen zu können. Dann, wenn die Verwirrung am größten ist, führt der Autor die verschiedenen Handlungsstränge geschickt zusammen und gibt dem Leser Antworten auf seine zahlreichen Fragen. Der Zeitrahmen beläuft sich von 1816 bis in die Gegenwart – obwohl, das ist nicht ganz richtig, denn es spielt noch eine Schlacht zwischen Engel und Menschen eine Rolle, die vor ungefähr einer halben Million Jahren stattgefunden hat, so genau können sich die Beteiligten auch nicht mehr daran erinnern. Ebenfalls gewohnt, wechselt der Autor immer wieder die Erzählsperspektiven, oftmals wird der Leser miteinbezogen, in dem Drvenkar in die Du-Perspektive wechselt. Die Charaktere sind ebenfalls wieder sehr gelungen, es gibt kein einfaches Gut und Böse – und nach der Lektüre dieses ersten Bandes bin ich mir immer noch nicht sicher, wer auf welcher Seite steht und welche Ziele verfolgt. Ich habe den Verdacht, es steckt ein uralter Plan dahinter, nur habe ich keine Ahnung (und wahrscheinlich auch die Beteiligten), wer die Regeln tatsächlich bestimmt. Ebenfalls typisch für den Autor ist, daß nicht gerade wenige Figuren ihr Leben lassen – und nie ist vorher klar, wer überlebt und wer nicht. Ich fand es etwas schade, daß Motte schlussendlich relativ wenig Raum in dem Buch hat, aber ich denke, das wird sich im zweiten Teil grundlegend ändern; der erste Band lässt den Leser und Motte in die Vergangenheit eintauchen, um zu verstehen, warum er zum letzten Engel wurde. Einige Fragen werden beantwortet, aber es bleiben auch noch genügend Fragen offen, auf deren Beantwortung im zweiten Band ich sehr gespannt bin. Da das Buch mit einem fiesen Cliffhanger endet, bin ich froh, daß der zweite Teil in wenigen Tagen erscheinen wird.

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Markus "Motte" Hakonson ist ein ganz normaler, 16-jähriger Teenager. Er ist verliebt und verbringt dementsprechend gerne Zeit mit seiner Freundin oder auch mit seinem besten Kumpel Lars. Er lebt zusammen mit seinem Vater Erik, Professor der Mirkobiologie, in Berlin und bereitet sich auf sein Abitur vor. Die Mutter Natalia hat die Familie vor Jahren verlassen und hat seitdem keinen Kontakt mehr zu Motte. Doch eines Tages erhält er eine E-Mail von einem unbekannten Absender. Wenn er einschläft und wieder aufwacht, wird er tot sein. Motte ist es etwas unheimlich, deswegen versucht er diese Nacht durchzumachen, doch irgendwann siegt das Schlafbedürfnis und tatsächlich, als er wieder aufwacht, fühlt er sich irgendwie anders. Er kurz danach wird ihm klar, dass er keinen Herzschlag mehr hat, dafür aber Flügel - er ist ein Engel. Sein zu Hilfe gerufener Kumpel Lars dreht völlig frei und verschwindet, nachdem sie den Leichnam von Motte gefunden haben, der tot in seinem Bett liegt. Doch warum kann sein Vater ihn nicht sehen? Die E-Mail wurde Motte von Esko und Mona geschickt. Er ist ein Engel, der aus einer anderen Zeit stammt und dem die Flügel entfernt wurde, sie ist ein 10-jähriges Mädchen aus Irland, dessen Familie vor kurzem ermordet wurde und dass sich zusammen mit Esko auf der Flucht befindet. Beide wissen, dass Motte etwas Besonderes ist, er ist der letzte Engel und mit ihm wird sich eine Prophezeiung erfüllen. Doch sie sind zu weit weg von ihm, um ihn zu beschützen, von daher versuchen sie, ihn via E-Mail zu warnen, denn Motte hat Feinde, von denen er noch nichts ahnt, die aber unbedingt seinen Tod wollen. Dimitri Lazar ist derjenige, der sowohl Mona, als auch Motte töten will. Beide sind ihm entkommen, doch er muss sie erwischen, das ist sein einziger Lebensinhalt. Seit Jahren spürt er besondere Kinder und deren Heime auf und vernichtet sie, denn er will verhindern, dass sich "Der Segen" in ihnen ausbreitet. Er ist Motte auf der Spur und auch der kleinen Mona und ihrem Begleiter kommen sie immer näher. Doch da gibt es auch noch "Die Familie", die Wesen wie Motte und Mona schützt, doch warum? Warum schützt die eine Seite sie, während die andere Seite ihre absolute Vernichtung herbeiführen will? Werden es Motte, Mona und Esko schaffen, hinter das Geheimnis ihrer Herkunft zu kommen und sich für die richtige Seite zu entscheiden? Ein interessanter Auftakt! Der Plot wurde sehr detailliert erarbeitet, ich hatte jedoch ernsthafte Probleme dem Plot zu folgen, auf Grund der ständig vorkommenden Zeitsprünge, die von einem Zeitraum von wenigen Stunden über Hunderte und Tausende Jahre reichen. Die Figuren wurden facettenreich und tiefgründig in Szene gesetzt, wobei ich mich hier allerdings in keine einzige hineinfühlen konnte. Kaum hatte ich mich in eine Figur "eingelesen", wechselte die Perspektive, was ich als Leser sehr anstrengend fand. Den Schreibstil empfand ich als sehr spannend und leicht zu lesen, jedoch konnte dieser den recht anstrengenden Plot nicht wett machen. Ob ich den 2. Band der Reihe noch lese ist daher fraglich.

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