Leserstimmen zu
Mein Leben mit den Toten

Alfred Riepertinger

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Inhaltsangabe: Der Tod kostet uns das Leben. Doch meist liegt es nicht in unserer Hand wann und vor allem wie wir diese irdische Welt verlassen werden. Nicht jedem ist es vergönnt, friedlich im Beisein der geliebten Familie in den ewigen Schlaf zu fallen. Denn es kommt durchaus vor, dass das Leben eine unvorhergesehene, nahezu tragische Wendung nimmt, wenn zum Beispiel ein Unfall, ein brutales Gewaltverbrechen oder auch verzweifelte Suizide dafür sorgen, dass man frühzeitig verstirbt. Ab diesem Zeitpunkt kommt der Münchner Oberpräparator Alfred Riepertinger ins Spiel. Er hat sein Interesse zum Beruf gemacht und der Beruf ist seine größte Leidenschaft. Obwohl bei Riepertinger der Tod schon immer eine Rolle gespielt hat und er bereits als Jugendlicher im örtlichen Bestattungsunternehmen sich ein kleines Taschengeld dazu verdiente, war dem inzwischen 64-jährigen damals nicht klar, wohin ihn seine berufliche Laufbahn führen wird. Daher machte er zunächst eine Ausbildung als Werkzeugmechaniker bei der Firma Rodenstock in München. Doch sein starkes Interesse konzentrierte sich immer wieder auf die Toten. So schlug Alfred Ripertinger's Bruder Sebastian dem Heranwachsenden vor, seinen Zivildienst in der Pathologie im Klinikum Schwabing anzutreten, was dieser schließlich am 02. November 1975 auch tat. Dies war der entscheidende Schlüsselmoment, in dem der heutige Präparator zu dem wurde, was er ist: Eine Koryphäe bei der Wiederherstellung von geschundenen und zerstümmelten Leichen, sowie Experte bei der Einbalsamierung und Plastination von Toten. Bereits zahlreiche Prominente wie zum Beispiel der Modeschöpfer Rudolph Moshammer oder der Politiker Franz Josef Strauß lagen auf seinem Tisch und wurden von ihm für die Trauerfeiern präpariert und hergerichtet. Riepertinger scheut keine Mühen sich stetig fortzubilden und auch selbst Vorträge auf der ganzen Welt zu halten. Unter anderem arbeitete er schon mit Dr. Gunther von Hagens zusammen, dem berühmten Erfinder der Plastination und Aussteller der "Körperwelten", zudem er auch noch ein freundschaftliches Verhältnis pflegt. Noch bis zum heutigen Tag arbeitet der medizinische Präparator am Institut für Pathologie des Klinikums Schwabing bei dem er seit über 35 Jahren nicht mehr wegzudenken ist. Eigene Meinung: Mortui vivos docent (dt. Die Toten lehren die Lebenden) prankt über den vier Tischen aus Edelstahl im Sektionssaal des Klinikums Schwabing. Die Pathologie, die sich im Haus 32 befindet ist der Arbeitsplatz des Leichenpräparators Alfred Riepertinger. In seinem Erstlingswerk "Mein Leben mit den Toten- Ein Leichenpräparator erzählt", beschreibt er sein breitgefächertes Aufgabengebiet und Fälle, mit denen er tagtäglich konfrontiert wird. Egal ob auf seinem Tisch ein Selbstmörder liegt, der aus unterschiedlichen Gründen durch einen Sprung in die Tiefe den Freitod wählte oder ein Unfallopfer, welches von einem Auto oder Zug überfahren wird und keine Überlebenschance hatte - alle tragen unverkennbare Spuren auf ihren geschundenen Körpern. Der Münchner Oberpräparator ist ein Experte bei der Wiederherstellung solcher Extremfälle und schafft es gekonnt, die Verstorbenen so herzurichten, dass die trauernden Familienangehörigen sich von ihren Liebsten in Ruhe verabschieden können, ohne dass sie mit dem schrecklichen Anblick und dem Ausmaß ihrer Verletzungen konfrontiert werden. Dieses Buch ist eine breite Mischung bestehend aus einer Biographie, die bestückt wird mit fachlichen Inhalten, wissenswerten Fakten und interessanten sowie tragischen Fällen die sich auf wahren Begebenheiten beruhen. Schnell empfindet man als Laie für diese Berufswahl höchste Bewunderung und Anerkennung und stellt gleichzeitig fest, welche Kompetenzen und Anforderungen in diesem Metier sowohl psychisch, fachlich als auch körperlich von einem abverlangt werden. Obwohl einige Passagen integriert sind, die sehr detaillierte Schilderungen aufweisen, empfand ich zu keinem Zeitpunkt weder Abscheu noch Ekel oder Angst, sondern pure Faszination. Fazit: Eine Lektüre welche einen buchstäblich mit dem Tod in all seinen Facetten konfrontiert. Obwohl dieses Thema noch immer von den meisten verdrängt wird, wirkte es auf mich trotzdem faszinierend. Riepertinger hat sein Aufgabengebiet sehr pietätvoll und rücksichtsvoll vorgestellt, somit ging die Begeisterung für seinen ungewöhnlichen Beruf auf den Leser über. Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen

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Beeindruckend.

Von: Eva Fl.

25.02.2019

Das Leben endet tödlich. Manchmal kommt jedoch der Tod sehr plötzlich und sehr grausam, so dass diese Toten dann bei Alfred Riepertinger "landen", denn er sorgt dafür, dass Tote wieder "normal" aussehen, die Angehörigen würdig Abschied nehmen können. Gerade bei Unfallopfern oder Suiziden ist dies für die Angehörigen sehr wichtig - und leider sehen die Verstorbenen nach einem Unfall doch eher entstellt aus, darum kümmert sich Alfred Riepertinger um eine gute "Wiederherstellung". Er sargt die Toten auch mit ein und obduziert sie vorher auch, so dass er hier eine gewisse Forschungsarbeite leistet. Ich möchte gleich zu Anfang mal den Unterschied erklären: Rechtsmedizin = hier werden Tote untersucht, bei denen von Anfang an klar steht, dass sie einen unnatürlichen Tod gestorben sind Pathologie = hier werden Tote, die eines natürlichen Todes gestorben sind, obduziert wenn es die Angehörigen wünschen (so kann man u.a. sehen, welche Auswirkungen eine Krankheit hatte etc.), generell befasst man sich in der Pathologie auch mit krankhaftem Gewebe (Histologie), so werden hier auch Gewebeproben (bei Geschwüren/Krebs) untersucht. Allein ein Vorwort von Mark Benecke zu lesen hat mich dermaßen beflügelt, dass mir in der Bücherei gleich klar war: Mitnehmen, lesen! Sonntag nachmittag, schön auf dem Sofa eingekuschelt habe ich angefangen - und das Buch hat mich nur so in seinen Bann gezogen. Ich wollte einfach nur lesen, lesen, lesen. Der Autor schildert seine Fälle, die er so abgewickelt hat, sehr anschaulich, das mag nicht für jeden angenehm sein bzw. sollte man vielleicht nicht unbedingt während des Essens lesen. (Wobei: Essen und Lesen zusammen halte ich bei einem Buch für schwierig...). Jedoch erhält man so einen wirklich guten Einblick und kann sich manches bildlich vorstellen - wenngleich ich selbst bisher weder Gehirnmaße noch Kopfhaut gesehen habe, noch bei einer Obduktion dabei war. (Wenngleich es mich seeeehr reizen würde.) Die geschilderten Fälle handeln von Suiziden, von Unfallopfern bis hin zu Toten des Königshauses Liechtenstein. So war unter anderen Rudolf Moshammer "zu Gast" bei Alfred Riepertinger, Roy Black war bei ihm seine sonnengebräunteste Leiche die er je hatte, die Mädchen von Krailling (Doppelmord von Krailling) wurden von Riepertinger ansehlich gemacht. Gerade bei solchen Todesfällen muss selbst er sich - verständlicherweise! - zusammen reißen, die Faust darf nur in der Tasche geballt sein... Verständnis für eine solche Tat kann da wohl keiner äußern. Jedoch kann man auch nicht in die Menschen hinein schauen, so galt es im Fall eines 15jährigen, der sich im Keller die Schrotflinte in den Mund schob und abdrückte, das Gesicht wieder herzurichten. Man kann die einzelnen Menschen nicht immer verstehen, warum sie sterben (möchten). Alfred Riepertinger schildert alles sehr eindrucksvoll und den Tod als einen natürlichen Gang des Lebens, Tote sähen friedlich aus, wären "eigentlich wie immer", könnten sich eben nur nicht mehr äußern. All das lässt einen das Ganze dann etwas entspannter hinnehmen können, wobei ich selbst bisher auch keinen Toten aus meinem Verwandten-/Bekanntenkreis gesehen habe. Das Buch hat mich regelrecht gefesselt, ich konnte es fast nicht aus der Hand legen, wobei ich es partout nicht vor dem Schlafen gehen direkt gelesen habe, solch ein Buch darf bei mir nicht mit ins Schlafzimmer "wandern". Träumen möchte ich dann doch lieber von anderen Dingen. ;) Die Erzählweise im Buch hat mir sehr gut gefallen, es kommen zwar fachliche Begriffe vor, diese werden jedoch gut und sachlich erklärt, notfalls kann man ja manches auch immer noch einmal nachschlagen. Manchmal hat man das Gefühl, Riepertinger kommt beim Erzählen vom "Hundertstel ins Tausendstel", hüpft vom privaten Thema ins Berufliche, wobei ich das nicht schlimm finde, ich finde es ok, dass man zwar private Dinge von ihm erfährt, er die aber nur so "beiläufig" mit einfließen lässt. Wer sich generell für das Thema "Tod" interessiert, sich schon mal mit der Pathologie befasst hat bzw. Interesse hat, es zu tun, dem kann ich dieses Buch wirklich empfehlen. Mich hat lange kein Buch so gefesselt wie dieses Buch. Ich fand den Einblick in die Arbeit von Alfred Riepertinger sehr spannend, kann dieses Buch absolut empfehlen und vergebe 5 von 5 Sternen.

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