Leserstimmen zu
Lieber Mr. Salinger

Joanna Rakoff

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Jedem läuft irgendwann in seinem Leben der amerikanischen Erfolgsschriftsteller J.D.Salinger über den Weg. Seine Werke "Der Fänger im Roggen" oder "Franny und Zooey" begeistern seit Jahrzehnten die Generationen und auch auf meinem SuB habe ich Bücher von ihm liegen - und das tatsächlich schon seit einigen Jahren. Gelesen habe ich bis heute keins - doch das wird sich ändern, denn der Roman "Lieber Mr. Salinger" hat mich dazu gebracht. Warum? Das erfahrt ihr jetzt! "Lieber Mr. Salinger": Darum geht es Die junge Joanna kommt in den 90er Jahren frisch vom College nach New York, um Karriere in der Literaturszene zu machen. Doch anstatt ihren literarischen Ambitionen nachzugehen, landet sie als Assistentin in einer Agentur für Autoren, in der die Zeit stehen geblieben scheint: Statt Computern arbeitet man hier noch mit Schreibmaschienen und ihre strenge Chefin ermahnt sie, niemals "Jerry" anzurufen. Wer das wirklich ist, begreift Joanna erst mit der Zeit, denn seine Romane hat sie nie gelesen. Dafür muss sie nun Salingers Fanpost beantworten und neugierig geworden, entdeckt sie doch noch die Welt seiner Werke, die so ganz anders sind, als sie es sich vorgestellt hat. Neben Joannas Jobleben, ist da auch noch Don, ihr älterer Freund, mit dem sie nach wenigen Wochen Beziehung in eine kleine schmuddelige Wohnung mit schiefen Boden zieht und bei dem man sich die ganze Zeit nur denkt: "Was für ein Arschloch". Er ist selbst Schriftsteller und wohl einer der unsympathischsten Charaktere, der mir in letzter Zeit untergekommen ist. Jedes Mal habe ich mich gefragt, wie Joanne nur mit diesem Typ zusammen sein kann. Und auch mit ihren Eltern hat sie es nicht leicht. Jetzt, wo sie einen Job hat, drückt ihr Vater ihr ihren Studienkredit aufs Auge und auch die Kreditkartenrechnungen der letzten Jahre, soll sie auf einmal aus eigener Tasche zahlen. Blöd nur, dass sie in der Agentur schlecht verdient und New York ein teures Pflaster ist. "Lieber Mr. Salinger": Mein Fazit Ich liebe Bücher, die von Literatur und der Buchbranche handeln. Ich glaube jeder Buchblogger tut das. Und trotzdem hatte "Lieber Mr. Salinger" noch einmal etwas ganz besonderes. Das Flair von New York, die Aufregung, als Joanna erfährt, welchen Weltstar ihre Agentur doch eigentlich vertritt und der ganz normale Wahnsinn des Arbeitsalltags in der Litarturwelt, liesen mich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Als ich das Buch zu lesen begann, erwartete ich nicht viel und vielleicht gerade deswegen bin ich so begeistert. Der Schreibstil von Joanna Rakoff gefällt mir sehr gut und dass das Buch autobiografisch ist, gibt dem ganzen natürlich noch ein i-Tüpfelchen. Tatsächlich hat es die Geschichte geschafft, mich neugierig auf Salingers Bücher zu machen, denn gekonnt verbindet Joanna Rakoff ihre Geschichte mit Hintergundinformationen über sein Leben und seine Figuren.

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Nach dem Studium in London kehrt Joanna in die USA zurück, wo sie zunächst nicht wirklich weiß, was sie aus ihrem Leben machen soll. Eigentlich möchte sie schreiben, aber so einfach lässt sich das nicht realisieren. Ein Job in einer Agentur, die Autoren vertritt und vermittelt findet sie einen Assistentinnenjob – wie ihr Vater sagt: eine bessere Sekretärin, denn hauptsächlich tippt sie Memos ihrer Chefin ab und beantwortet Briefe. Vor allem Briefe, die begeisterte Leser an J.D. Salinger geschrieben haben, den die Agentur vertritt und der keine Fanpost erhalten möchte. Um diesen großen Autor dreht sich fast alles bei ihrer Arbeit und bald schon ist auch Joanna von dem Glamour rund um den Schriftsteller gefangen. Ist sie bei den ersten Telefonaten noch schüchtern verliert sie zunehmend die Scheu und dieser nimmt mehr und mehr Platz in ihrem Denken und Leben ein. Das Buch ist schlichtweg faszinierend. Einerseits ein Bericht über die Arbeit und Lebenssituation – die durchaus prekär ist – einer jungen Frau im New York der 1990er Jahre, andererseits liest es sich doch wie ein Roman um eine fiktive Figur. Interessant wie Salinger, der es ja immerhin in den Titel geschafft hat, als Person im Hintergrund bleibt, nur kurz in Telefonaten ein einmal auch persönlich auftaucht. Dennoch wirkt er omnipräsent und genau auf diese Weise schafft es Rakoff das widerzuspiegeln, was vielen jugendlichen Lesern bei seinen Büchern passieren dürfte, wenn sie sich mit Holden oder Franny identifizieren und diese imaginär zum Leben erwecken. Es macht einfach Spaß dies zu lesen, da es frei von Kitsch und falscher Lobhudelung ist und in einer leicht dahinplätschernden Sprache geschrieben ist, die hervorragend zur jungen Joanna passt. Fazit: Eine Hommage an J.D. Salinger, die auch ihn begeistern würde.

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