Leserstimmen zu
Der letzte Regent

Andreas Brandhorst

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Die Rettung der Menschheit?

Von: Barbara Wenzler

04.11.2014

Seit zweitausend Jahren, seit der Zerstörung der Erde durch das feindliche Volk der Ayunn, ist zwischen ihnen und der Menschheit Krieg. Als der 500 Jahre alte Regent des Enduriums bei einer Zusammenkunft mit rebellierenden Vertretern der menschlichen Splitterwelten ermordet wird, droht eine neue Angriffswelle der Ayunn die Führung der Menschen endgültig zu zerstören. Der Chronist Xavius wird in die Splitterwelten geschickt, um den Mord aufzuklären. Ein Hinterhalt wirft ihn in die Hände der Rebellen, doch auch das Endurium ist nun hinter ihm her und die Ayunn greifen wieder an. Wird Xavius die Wahrheit über den Mord des Regenten herausfinden, bevor es zu spät ist? Mit dem vorliegenden Roman hat der Autor wieder einmal eine faszinierende Welt mit interessanten Figuren und einer spannenden Handlung entwickelt. Und wie ich es bei den Büchern von Andreas Brandhorst liebe, erzählt er wieder in einer bildhaften und intensiven Sprache, die so vielen Szenen und Welten eine besondere Atmosphäre gibt und oft irreale Stimmungen erzeugt. Das Endurium, die Welt, in der der menschliche Hauptprotagonist Xavius lebt, ist äußerst spannend. Es besteht aus mehreren Sonnensystemen mit vielen Welten und ist von den Menschen besiedelt. Die Bewohner sind zum einen Vivi, lebende Menschen und zum anderen Morti, nämlich Vivi die mithilfe eines kontrollierten Todes die Unsterblichkeit gewinnen, dabei aber auch Emotionen aufgeben. Einerseits fehlt damit den Morti etwas Entscheidendes, was das Leben eines Menschen ausmacht, aber andererseits sind sie damit auch rational, ihr Verstand wird nicht von Gefühlen abgelenkt und ihr Handeln wird auch nicht durch negative Emotionen beeinflusst. Ihre Aufgabe ist es, die Menschheit vor dem Untergang zu bewahren. Daneben gib es noch die Splitterwelten, vom Endurium unabhängige Menschenwelten, die gegen die Morti und die Entwicklung des Enduriums, das ihrer Meinung nach mehr und mehr eine „tote Welt“ zu werden droht, rebellieren. Ganz besonders spannend ist hierbei das Rätsel um die Stille Stadt. Aufgebaut auf der zerstörten Erde und Zentrum für die Umwandlungen der Vivi in die Morti ist sie immer auch Ziel der Rebellen, die dort das Wissen des Regenten zu bergen hoffen. Denn die Stadt birgt auch das große Geheimnis des Regenten ... Die Figuren sind ebenfalls spannend zu lesen, denn sie sind nicht einfach weiß und schwarz, sondern vielschichtig und ihre Beweggründe sind nachvollziehbar, bieten aber auch immer viel Raum für Spekulationen. Auch die Entwicklung des Chronisten ist schlüssig. Aufgewachsen in der ihm bekannten Welt, kämpft er mit der Verarbeitung vieler neuer Informationen und besonders auch Manipulationen und wächst daran. Neben den steinern wirkenden Morti gibt es noch weitere interessante Figuren wie z. B. Empathen, Menschen mit besonderen Begabungen. Neben Welten und Figuren bieten die Bücher des Autors aber auch meist noch eine andere Ebene, die den Leser in fremde Gedanken, andere Realitäten oder andere Welten führt. Hier im Buch findet sich Xavius immer wieder in einer irreal wirkenden Realität wieder, die für zusätzliche Spannung sorgt, fragt man sich doch sowieso schon die ganze Zeit, wer hier in der Geschichte die Wahrheit sagt, wer lügt oder manipuliert. Ganz besonders gut gefällt mir auch hier wieder, dass die Geschichte auch zum Nachdenken anregt, wenn man die Gesellschaft der Morti und die Beweggründe für ihre Handlungen und die jahrhundertelange durchgeplante Entwicklung beobachtet. Und daneben die Rebellen, die die Menschheit in Gefahr sehen, die die Morti doch unbedingt retten wollen. Man fragt sich, wie es soweit kam, was das Endurium ursprünglich hat entstehen lassen. Ich fand es durchweg spannend, mich mit dieser Geschichte zu beschäftigen. Wer gerne Raumschiffe und technische Errungenschaften mag, wird hier auch auf seine Kosten kommen, ohne dass dies Überhand nimmt oder unverständlich wird. Auch fremde Planeten werden beschrieben, von denen der Planet Bluestone mit seinem ganz besonderen Ökosystem derart faszinierend und unheimlich für mich war, dass ich davon sehr gerne noch eine eigene Geschichte lesen würde. Für mich war dies wieder ein vielseitiger und spannender Roman mit viel Kopfkino und einer überraschenden Aufklärung.

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