Leserstimmen zu
Marlenes Geheimnis

Brigitte Riebe

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Hardcover
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In diesem Roman gibt es zwei Handlungsstränge. Einer führt die Leser ins Sudetenland, wo man mit Eva, ihrer Familie, ihrer Freundin Molly und ihrem geliebten Jan die Zeit des 2. Weltkriegs und danach erlebt. Hier erfährt man den Krieg mit seinen Schrecken und seine Folgen aus Sicht der Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, weil die Tschechen die verhassten Deutschen nicht mehr in ihrem Land haben wollten. Ich muss gestehen, dass mir die Ereignisse aus diesem Blickwinkel bisher fremd waren, umso stärker hat mich der Roman hier berührt, denn die Charaktere sind so detailliert gezeichnet, die Schicksale der Menschen so eindringlich dargestellt, dass man sich dem einfach nicht entziehen kann. Brigitte Riebe hat ihre fiktiven Figuren in ein nur allzu reales Umfeld gestellt, und was sie da erlebten, macht mich betroffen. Der zweite Handlungsfaden verläuft in der Gegenwart. Marlene Auberlin führt am Bodensee, nach dem Tod ihrer Mutter Eva, das Familienunternehmen, eine gut gehende Schnapsbrennerei, weiter. Nach Evas Beerdigung übergibt Marlene ihrer Nichte Nane, die zur Trauerfeier angereist ist, einen Umschlag mit dem Vermächtnis der Großmutter. Als Nane die Aufzeichnungen liest, wird sie mit mehreren tragischen Familiengeheimnissen konfrontiert. An ihr ist es nun, Licht in das Dunkel der Vergangenheit zu bringen und einiges zu klären. Nane, die bei ihrer Ankunft mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, findet hier, in ihrer alten Heimat zu einer neuen Sichtweise ihres Lebens und ihrer Familie. Sie begegnet Menschen, denen sie vertrauen kann und die sehr wichtig für sie werden. Die Ruhe, Schönheit und Klarheit des Bodensees helfen ihr, die Vergangenheit ihrer Familie aufzuarbeiten und Entscheidungen zu treffen, die ihr weiteres Leben stark beeinflussen werden. Beide Handlungsebenen haben mich fasziniert und sehr berührt. Vor allem bei der Schilderung von Evas dramatischer Vergangenheit musste ich oft schlucken. Die Autorin hat gründlich recherchiert und in ihrem Roman nichts übertrieben oder aufgebauscht, denn die Wahrheit war schrecklich genug, und ähnliche Schicksale wie die hier geschilderten gab es zuhauf. Ich habe schon einige Romane von Brigitte Riebe gelesen, die mir sehr gefallen haben, aber ich finde, mit dieser fesselnden Familiengeschichte hat sie sich selbst übertroffen. Hat man einmal mit dem Buch begonnen, so fällt es sehr schwer, es zwischendurch aus der Hand zu legen, denn Evas, Marlenes und Nanes Geschichte lässt einen nicht mehr los. Vieles, was die Zukunft der Protagonisten angeht, bleibt offen, aber im positiven Sinn, und ich denke, am Ende können wir unsere lieb gewonnenen Helden beruhigt sich selbst überlassen, denn sie werden das, was auf sie zukommt, gemeinsam meistern. In Gedanken werde ich sicher noch oft bei Nane und ihren Lieben weilen, zu stark hat mich diese großartige Geschichte mit all ihren Schicksalen berührt.

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Als Lokaljournalistin berichte ich häufig über Gratulationstermine, wenn in unserer Gemeinde jemand einen runden Geburtstag (ab 90 Jahren aufwärts) oder ein besonderes Ehejubiläum feiert und der Bürgermeister zum Gratulieren kommt. Ich übernehme diese Termine immer gerne, weil die Jubilare meist viel zu erzählen haben. Ihrem Alter geschuldet, haben sie den Krieg miterlebt, mussten häufig Flucht und Vertreibung erleiden. Oft gehen die Jubilare beim Erzählen nicht sehr ins Detail, man erfährt nur, dass sie zum Beispiel aus dem Sudentenland stammen, nach dem Krieg vertrieben wurden und dann auf vielen Umwegen in unserer Gegend landeten, wo sie sich eine neue Existenz aufgebaut haben. Oft genug reichen aber schon diese wenigen Angaben aus, dass ich mir im Stillen denke: Aus dieser Lebensgeschichte könnte man einen Roman schreiben. Die Autorin Brigitte Riebe hat genau das getan. In ihrem Roman kommt Nane nach vielen Jahren zurück an den Bodensee, wo sie einst viele glückliche Ferien bei ihrer Tante Marlene und ihrer Großmutter Eva verbracht hat. Doch nun ist Eva gestorben und bei ihrer Beerdigung treffen Marlene, Nane und Nanes Mutter Vicky nach langer Zeit wieder aufeinander. Zwischen den ungleichen Schwestern Marlene und Vicky kommt es wie so oft zum Streit und Vicky reist bald wieder ab. Nane hingegen entschließt sich, noch eine Weile zu bleiben. Eva hat ihr ein altes Tagebuch vererbt, in dem sie ihr Leben festgehalten hat. So erfährt Nane, dass Eva in Reichenberg im Sudetenland aufgewachsen ist. Sie spricht deutsch und tschechisch und weder ihre Familie noch ihre Freunde machen einen Unterschied zwischen den beiden Volksstämmen, die hier leben. Das ändert sich jedoch schlagartig mit dem Zweiten Weltkrieg: Evas Vater wird zur Wehrmacht eingezogen, ihre große Liebe Jan hingegen taucht unter und schließt sich den Partisanen an. Als die Russen einmarschieren, kommt es zu einem tödlichen Zwischenfall. Mit dem Kriegsende ist die Leidenszeit noch nicht vorbei, ganz im Gegenteil: Die Tschechen machen in ihrem Hass auf alles Deutsche keinen Unterschied zwischen Nazis und denen, die gegen den Nationalsozialismus waren, es wird gemordet, vergewaltigt, gebrandschatzt. Eva, mittlerweile schwanger von Jan, gelingt zusammen mit ihrer kranken Mutter und ihrer Freundin die Flucht, die sie von einem Auffanglager zum nächsten führt. Eva muss viele Schicksalsschläge erleiden, bevor sie schließlich am Bodensee ankommt. Auch hier wird sie als Flüchtling und unverheiratete Mutter nicht gerade mit offenen Armen aufgenommen, doch über die Jahre schafft sie es, sich hier eine neue Existenz aufzubauen. Nane ist von der Geschichte ihrer Großmutter völlig in den Bann gezogen, denn das Tagebuch enthüllt auch einige streng gehütete Familiengeheimnisse. Dann trifft Nane ihren alten Jugendfreund Simon wieder, der seinerseits kurz zuvor seinen Großvater verloren hat. Er bittet Nane, ihm beim Sichten des Nachlasses zu helfen. Dabei stößt Nane auf Aufzeichnungen, die eng mit dem Schicksal ihrer eigenen Familie verknüpft sind. Die Geschichte dreier Generationen wird nach und nach enthüllt und Nane fasst endlich den Mut, auch einige Weichen in ihrem eigenen Leben neu zu stellen. Der Roman hat mich von Beginn an gefesselt. Durch die beiden verschiedenen Zeitebenen, die sich im Buch regelmäßig abwechseln, bleibt es stets spannend und jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger. Ich konnte das Buch gar nicht mehr weglegen, habe einen Tag lang beinahe nonstopp durchgelesen und es spät am Abend dann doch beinahe bedauert, als ich das Ende erreicht hatte. Nach dem Aufwachen am nächsten Morgen galten meine ersten Gedanken wieder diesem Buch und der Geschichte, über die ich noch lange nachgegrübelt habe. Mein persönliches Fazit: Wenn mir auf einem künftigen Gratulationstermin der Jubilar wieder von Flucht und Vertreibung erzählt, werde ich vor diesem Schicksal dann wohl noch mehr Respekt haben, als ich das bislang eh schon hatte. Denn durch diesen Roman sind diese schrecklichen Erlebnisse für mich, die ich das alles ja zum Glück nicht selber erlebt habe, noch greifbarer geworden – von verständlicher will ich angesichts dieser furchtbaren Zeit lieber nicht sprechen. Und so ganz nebenbei hat der Roman in mir schöne Erinnerungen an unseren herrlichen Bodensee-Urlaub im vergangenen Jahr geweckt.

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Autorin: Brigitte Riebe hat es verstanden, mich wieder einmal zu verzaubern mit ihrem neusten Roman, der mich zutiefst berührte und beim Lesen unter die Haut ging. Es war mir ein großes lateritisches Vergnügen, diesen ungewöhnlichen, facettenreichen Roman mit großem historischen Hintergrund zu lesen. Sie ist eine ausdrucksstarke Autorin mit einem ganz eigenen Stil. Sie besitzt eine aufmerksame Beobachtungsgabe. Man spürte beim Lesen, dass eine promovierte Historikerin zugange war. Wie sie von der Vertreibung und Flucht der Menschen aus Osteuropa schrieb – es war so bildhaft geschildert, dass man es mit eigenen Augen sah, es war wie Kopfkino. Ihr Sprach- und Schreibstil ist sehr flüssig, klar und kraftvoll. Das Historische ist sehr korrekt und gewissenhaft recherchiert. Alles kommt sehr logisch und schlüssig daher, so dass man sich sehr gut hineinversetzen kann. Am Ende der Geschichte laufen alle Fäden in einem großen Ganzen zusammen, es blieben keine Fragen offen. Auch der Spannungsbogen blieb von Anfang an bis zum Ende hoch und sehr fesselnd. Es erwarten einem beim Lesen immer wieder sehr überraschende Wendungen, besonders der Schluss war mehr als überraschend, mit einem Ende, das man nicht erwartet hätte. Ihre Figuren sind sehr liebevoll gezeichnet, auch die einzelnen Charaktere hat sie sehr glaubhaft und real herausgearbeitet. Es sind Menschen aus Fleisch und Blut. Die historische Authentizität und Wahrheit ist präzise wiedergegeben. Sie hat Wahrheit und Fiktion gekonnt miteinander verknüpft, ebenso die verschiedenen Zeitebenen. „Eine tragische und facettenreiche Geschichte, die einem tief berührt und zu Herzen geht, einfach brillant und gekonnt erzählt.“ Zum Inhalt: Man lernt drei Frauen und Generationen kennen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Eine jede hat ihr Päckchen zu tragen, ihr Leben ist auf Lügen aufgebaut, deren wahren Hintergrund man so richtig erst am Ende erfährt, wo alle Fäden zu einem großen Ganzen zusammen laufen. Es fängt alles mit Nane, der Enkelin, an, die an den Bodensee zur Beerdigung ihrer Großmutter Eva fährt. Tante Marlene, die Schwester ihrer Mutter Viktoria, kommt sehr kühl und eisig rüber, Viktoria erscheint einem sehr flippig, ganz das Gegenteil ihrer Schwester, die mit beiden Beinen im Leben steht. Die Beziehung zwischen den Schwestern ist sehr zerrüttet, Marlene scheint ihre kleine Schwester zu hassen. Was ist vorgefallen und warum ist es so unterkühlt? Gibt es etwas aus Evas Leben, das nicht ans Tageslicht sollte? Marlene übergibt Nane eine großen Umschlag ihrer Großmutter Eva, darin befindet sich eine Art Tagebuch, in dem wir mit Nane in Evas Vergangenheit abtauchen. Eine Vergangenheit die mehr als erschütternd war. Eva lebte mit ihren Eltern in Reichenberg in der Tschechei, ihr Vater ein Apotheker, die Mutter eine ehemalige Opernsängerin aus Ungarn, die todunglücklich in dieser neuen Heimat ist. Eva dagegen scheint aufzublühen, da ist der geliebte Garten mit den köstlichen Äpfeln, aus der sie und Ihr Vater Schnaps brennen. Evas erste und große Liebe Jan, von dem sie schwanger wird und tragisch endet. Wie alles, als es am schönsten ist, ein jähes Ende findet durch Hitler, den Zweiten Weltkrieg und die Vertreibung der Deutschen am Ende des Krieges. Der Vater ist tot oder gilt als vermisst, es bleiben ihr nur ihre beste Freundin Molly und die Mutter. Sie werden aus dem Land vertrieben und mit den anderen Flüchtlingen in Waggons gesperrt, wie Vieh. Der Hass auf die Deutschen ist groß, das bekommen sie zu spüren. Schon schlimm, diese Flucht und die Lager, der Hunger, die Kälte und der Tod. Doch Eva und Molly sind Kämpferinnen, ich habe Eva bewundert. Dann ist da noch die kleine Leni, um die sie sich sorgt, der sie all ihre Liebe und Wärme gibt. In Deutschland werden die Flüchtlinge zwangseingewiesen, man spürt deutlich die Ablehnung der Menschen, bei denen sie unterkommen. Evas und Lenis Flucht endet am Bodensee....

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Erst einmal möchte ich mich recht herzlich beim Diana Verlag und bei der Autorin für die Bereitstellung des Leseexemplars bedanken, das in keinster Weise meine Meinung beeinflusst. Meine Meinung: Wer Brigitte Riebes Bücher kennt, der weiß, wie gefühlvoll und mit was für einer Hingabe sie ihre Bücher schreibt. „Marlenes Geheimnis“ bildet da keine Ausnahme. Das Buch ist in zwei Zeitebenen geschrieben. Zum einen in der Gegenwart und zum anderen in der Zeit von 1938 – 1953. Den Anfang macht die Gegenwart, in der wir erstmal Nane, die eigentlich Christiane heißt, in Frankfurt lebt und für eine große internationale Pharmafirma arbeitet, kennenlernen dürfen. Da Nanes Großmutter, die am Bodensee gelebt hat, verstorben ist, macht sie sich auf den Weg in die alte Heimat und hat nicht erwartet, dass sich damit ihr ganzes Leben verändern wird. In der zweiten Zeitebene wird die Geschichte ihrer Großmutter erzählt, wie sie im Zweiten Weltkrieg fliehen mussten und wie sie sich danach ein völlig neues Leben am Bodensee aufgebaut hat. Ich bin sehr gut in "Marlenes Geheimnis" hineingekommen, aber was anderes habe ich auch überhaupt nicht erwartet. Nicht nur, dass ich gut hineingekommen bin, nein, ich habe das Buch von der ersten bis zur letzten Seite regelrecht verschlungen. Wie beschreibt man den Schreibstil der Autorin am besten? Das frage ich mich jedes Mal von Neuem, denn es ist schwer, ihn in Worte zu fassen. Ihren Schreibstil könnte man als außergewöhnlich und etwas Besonderes beschreiben, denn ihre Bücher liest man nicht nur, nein, in ihren Büchern versinkt man völlig, in ihren Büchern lebt man. Es reißt einen von der ersten bis zur letzten Seite einfach mit, man vergisst Raum und Zeit und bemerkt gar nicht, wie die Seiten nur so dahinfliegen, bis man plötzlich auf der letzten Seite angelangt ist. Sie erzeugt mit ihrem Schreibstil immer wieder Gänsehautmomente, wie z.B. in der Szene, als Vicky auf der Beerdigung „Morning has broken“ spielt. Da hatte ich nicht nur Gänsehaut, sondern richtig Tränen in den Augen. Es gibt nicht viele Autoren, die das bei mir schaffen, aber Brigitte Riebe schafft es eindeutig und das jedes Mal. Sie schafft es nicht nur, gefühlvoll zu schreiben, sondern auch die Umgebung im Buch dem Leser bildlich zu vermitteln. Ich war zwar selbst am Bodensee und habe schon ein paar Ecken gesehen, aber all jene, die den Bodensee nur aus dem Fernsehen oder aus Büchern kennen, haben hier in diesem Buch eine wundervolle Beschreibung. Hier ein kleines Zitat aus dem Buch (S.11), das sehr gut passt: „Er reicht immer weiter, als man schauen kann. Und er spiegelt den Himmel, die Veränderung des Lichts, der Farbe, der Stimmung. Alles spürt man auf einmal um vieles deutlicher …“ Als ich das gelesen habe, musste ich automatisch an meine erste Begegnung mit dem Bodensee denken … Und es stimmt!!! Genauso ist es, das ist der Bodensee! Aber auch die Ausarbeitung der Charaktere ist immer wieder erstaunlich. Man spürt deutlich, dass sich die Autorin mit jedem einzelnen Charakter richtig auseinandergesetzt und sie so ausgearbeitet hat, damit diese, wie der Nachbar von nebenan, wie die gute Freundin oder die liebe Tante richtig beim Leser ankommen, sympathisch und vor allem authentisch. So fiel es mir nicht schwer, Nane oder Fabio oder Marlene zu mögen. Aber auch die Charaktere, die in ihrem Buch nicht sympathisch rüberkommen sollten, waren genauso dargestellt. Man konnte nicht anders, als an ihnen zu zweifeln oder sie auch evtl. nicht zu mögen. Sprich, alle Charaktere im Buch kamen sehr authentisch rüber. Fazit: Ein Buch voller Gefühle und Emotionen gepaart mit der wundervollen Geschichte einer außergewöhnlichen Frau, die sich trotz widriger Umstände ein neues und glückliches Leben am Bodensee aufbaut.

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Ein wunderschön gelungenes Cover, eine junge Frau mit ihrem Fahrrad auf dem Weg zum Bodensee. Im Hintergrund die weit entfernte Landschaft um den Bodensee in diffuses Licht getaucht. Drei Frauen, drei verschiedene Schicksale. Marlene hat sich nach ihrer Vertreibung aus ihrer Heimat, dem ehemaligen Sudetendeutschland, am Bodensee niedergelassen und zusammen mit ihrer Mutter Eva eine erfolgreiche Schnapsbrennerei aufgebaut. Nach Evas Tod erhält ihre Nichte Nane das Tagebuch ihrer verstorbenen Großmutter Eva, denn viele Dinge weiß Nane nicht, und Stück für Stück fördert dieses alte Tagebuch ein lang gehütetes Geheimnis ans Tageslicht, verbunden mit immer noch schwelenden Familienstreitigkeiten… Der Schreibstil von Brigitte Riebe ist voller Emotionen, flüssig und fesselt den Leser von Beginn an, es fällt schwer, diesen Roman aus der Hand zu legen. In zwei unterschiedlichen Erzählsträngen, dem der Vergangenheit und Gegenwart, erfährt der Leser Stück für Stück eine sehr tragische Familiengeschichte, deren Anfänge im Jahr 1942 im damals von deutschen Truppen besetzten Reichenberg, dem heutigen Liberec, beginnen. Die Schilderungen sind mit großer Sensibilität und Feingefühl geschrieben, gehen tief ins Innere, bewegen und machen traurig. Flucht, Vertreibung, damals wie heute aktuell – doch hat die Generation damals viel verschwiegen, versucht, ihr Trauma alleine aufzuarbeiten, die Folgen tragen wir als Nachkriegsgeneration noch immer. Parallel beschreibt sie auch die Vergeltungsmaßnahmen der nationalsozialistischen Besatzmacht nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich in Prag, die vollständige Zerstörung und Ermordung der Einwohner des Dorfes Lidice in Tschechien. Brigitte Riebe hat mit den handelnden Charakteren sehr facettenreiche und vor allen Dingen sehr authentische Personen geschaffen, sie entstehen Stück vor Stück durch die Handlung, der Leser kann sie visualisieren, kann sich in sie hineinversetzen und mit ihnen fühlen. Der Leser spürt, dass dieser Roman mit großem Engagement und mit starker innerer Anteilnahme geschrieben wurde. Ein außergewöhnlicher Roman mit hohem historischem Anspruch, einzigartig, tief bewegend, voller Emotionen und bis ins Innerste berührend.

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Nane reist zur Beerdigung ihrer Großmutter in ihren alten Heimatort an den Bodensee. Dort angekommen, stolpert nicht nur ein kleiner Welpe in ihr Leben, sondern das Leben selbst beginnt zu wanken, als Nane die Aufzeichnungen ihrer Großmutter findet. Was sie dort liest, bricht wie ein Sturm über sie herein und bringt ein lang gehütetes Geheimnis ans Tageslicht. Die Vergangenheit zieht ihre düsteren Kreise und nichts ist mehr, wie es war. Der Kampf gegen verdrängte Erinnerungen, schreckliche Erlebnisse und ein Spinnennetz aus Lügen hat begonnen... Brigitte Riebe hat mit dem Buch "Marlenes Geheimnis" einen Roman geschrieben, der vor allen Dingen durch seine saubere Recherche besticht. Die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges wurden präzise und akribisch geschildert, ohne jedoch reißerisch, ketzerisch und aufgesetzt zu wirken. Der flüssige Schreibstil baut kontinuierlich an Spannung auf, sodass man förmlich in das Buch hineingezogen wird und nicht anders kann, als die Geschichte Seite um Seite zu verschlingen. Die bildhafte Beschreibung des Landschaft rund um den Bodensee lässt mich als Leser direkt an der Geschichte teilhaben und ich habe das Gefühl, vor Ort dabei zu sein, wenn nach und nach die schreckliche Wahrheit ans Licht kommt. Ich erlebe eine Achterbahn der Gefühle – habe Gänsehaut beim Lesen der Greueltaten, weine bei sehr bewegenden und emotional berührenden Ereignissen und freue mich, wenn dann doch wieder das Gute im Menschen siegt. Die beiden Erzählstränge sind perfekt miteinander verknüpft und ermöglichen mir so, mit den Protagonisten die Geschichte zu erleben. Die Charaktere sind sehr fein ausgearbeitet und bestechen durch ihre individuellen Eigenschaften, sodass sie sehr lebensnah und glaubhaft erscheinen. Egal ob Hauptgeschehen oder Nebenschauplatz – hier ist eine rundherum gelungene Geschichte entstanden, die durch ihre Präzision, ihre Emotionen und durch handwerkliches Können besticht. Ich würde so gerne 10 Sternchen vergeben, denn dieses Buch ist für mich ein absolutes Lesehighlight! Danke an Brigitte Riebe für eine Geschichte, die mich sehr berührt hat und noch lange in mir nachklingen wird!!

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Nane ist auf dem Weg zum Bodensee, aber nicht um Urlaub zu machen, sondern um sich zu verabschieden. Ihre Großmutter Eva ist gestorben. Nach einer langen Fahrt, sammelt Nane ihre Mutter Vicky in Lindau auf, um gemeinsam zu ihrer Tante Marlene zu fahren. Doch dann stolpert Nane über einen verletzten Welpen und nimmt ihn spontan mit. Kaum bei Tante Marlene angekommen, macht sich Nane auf die Suche nach einem Tierarzt und erlebt dabei die erste Überraschung. Die zweite bietet sich ihr, als sie von Marlene das Tagebuch ihrer Oma Eva überreicht bekommt. Nane, selbst unsicher, wie es in ihrem Leben weiter gehen soll, taucht ein in das Leben von Eva, deren Erlebnisse im Krieg und ihre Flucht an den Bodensee. Noch ahnt Nane nicht, dass dieser Besuch bei Marlene ihr komplettes Leben verändern wird … Die Geschichte ist zweigeteilt. Zum einen durfte ich Nane in der Gegenwart begleiten, ihre Sorgen, Ängste und Nöte kennenlernen. Mit ihr die Zweifel, aber auch Hoffnungsschimmer durchleben. Nane befindet sich gerade in einem beruflichen wie auch privaten Umbruch. Noch ahnt sie nicht, dass ihr bei ihrer Suche die Aufzeichnungen ihrer gerade verstorbenen Großmutter helfen werden. Auf der anderen Seite reiste ich zurück ins Jahr 1938, um Eva zu treffen, ihre Erlebnisse im Krieg, aber auch ihre gefährliche Flucht an den Bodensee. Nicht nur die Kriegserlebnisse, die bis ins ferne Reichenberg (heute: Liberec) in Tschechien zu spüren waren, auch die Auswirkungen auf die dort lebenden Personen wird sehr detailliert und nachvollziehbar beschrieben. Die Ängste der Menschen waren so lebhaft und plastisch beschrieben, dass ich regelrecht den Atem anhielt Regelrecht gefangen in der Geschichte, fiel es mir schwer, das Buch beiseite zu legen. Spannung, Tragik, Gefühl und Hoffnung gehen hier Hand in Hand. Das Kopfkino wird extrem gefordert. Fazit: Mir hat die Reise in die Vergangenheit, die Geheimnisse der Familie und auch die Zweifel und Unsicherheiten der Gegenwart sehr gut gefallen. Gerade so verworrene Familiengeschichten mag ich sehr gerne und bei diesem Buch kam ich voll auf meine Kosten.

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