Leserstimmen zu
Die schnellsten Frauen der Welt

Matthew Goodman

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Wenn wir heute auf Reisen gehen, genießen wir die Muße fernab von der Hektik des Alltags. Davon kann in diesem Roman kaum die Rede sein. Denn wie der Titel schon sagt: Um Schnelligkeit und nichts anderes ging es bei der Weltumrundung, die zwei Journalistinnen am 14. November 1889 antraten. Statt in 80 Tagen, die Jules Vernes Romanfigur Phileas Fogg gebraucht hatte, wollen Nellie Bly von der Zeitung 'New York World' und Elizabeth Bisland von der Zeitschrift 'Cosmopolitan' bereits nach 75 Tagen wieder in ihrer Heimat New York zurück sein. Matthew Goodman hat die Wettfahrt der beiden Frauen, die in entgegensetzte Richtungen aufbrachen, in eine mitreißende Reportage verpackt. Zunächst werden die zwei Protagonistinnen vorgestellt, die höchst gegensätzlich sind. Nellie Bly hat sich als investigative Journalistin einen Namen gemacht und schreckt vor keinem Abenteuer zurück, auch nicht vor einer Weltumrundung, die sie selbst der Redaktion vorschlägt. Dagegen steht ihre Kontrahentin aus vornehmem Hause gar nicht gern im Rampenlicht, liebt Gedichte, Romane und wird von ihrem Arbeitgeber zu der strapaziösen Reise mehr oder weniger gezwungen. Denn strapaziös ist sie gewiss – die Reise, die unter anderem über London, Brindisi, Suez, Singapur, Hongkong und San Francisco führt. Man leidet mit Nellie Bly mit, der die Seekrankheit arg zu schaffen macht, und fühlt die Verzweiflung Elizabeth Bislands nach, die benommen vor Kälte, Hunger und Erschöpfung versucht, ihren Dampfer zu erreichen. Genauso detailreich wie die Wege werden auch die Städte und die Atmosphäre geschildert, in die sie, wenn auch nur kurz, eintauchen. Goodmans Beschreibungen sind so üppig mit Lokalkolorit garniert, dass ich das Gefühl hatte, hautnah dabei zu sein, das Rattern der Züge zu spüren, den Curry in Indien zu schmecken oder die Seeluft in Yokohama zu riechen. Vermutlich ging es den Zeitungslesern damals genauso, die gespannt auf Neuigkeiten der rasenden Reporterinnen warteten und mitfieberten. Darüber hinaus erfuhr ich viel Interessantes über die damalige Zeit, zum Beispiel über die Zeitungsbranche, die statt Frauen lieber studierte Männer mit klassischer Bildung einstellte, den harten Konkurrenzdruck im Schiffbau, die rasante Ausweitung des Eisenbahnnetzes oder den Komfort amerikanischer Züge, die neben Schlaf- und Speisewagen auch über Bibliotheks- und Salonwagen, Stenografen und Kammerzofen verfügten. Diese in rasantem Tempo erzählte historische Reportage führt mitten durch das Herz des viktorianischen Zeitalters und wird nicht nur Reiselustige begeistern.

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